Aufgrund der Erfahrungen bei einem kürzlich stattgefundenen regionalen Stromausfall wurde ich auf elektronische Hotelschließsysteme aufmerksam gemacht. Bei diesem Ausfall war es nämlich nicht mehr möglich, das Zimmer zu betreten. Daher habe ich ein wenig nachrecherchiert und folgende Erkenntnisse gewonnen:

Bei elektronischen (genau genommen mechatronischen) Zutrittssystemen unterscheidet man grundsätzlich zwischen

  • Online Systeme: benötigen eine permanente Stromversorgung, sei es für den Leser als auch für das Motorschloß / E-Öffner, welcher angesteuert wird. Hier wird auch normalerweise die ID der Gastkarte direkt in die Auswerteeinheit über die Kabelverbindung eingespeichert.
  • Offline Systeme: sind Batterie betrieben und haben eine eigene Uhr ( RTC = real time clock) mit Kalender Funktion. Solange die Spannungsversorgung nicht unterbrochen wird, arbeitet die Uhr und der Kalender weiter. Bei diesen Systemen wird die Berechtigung für das Zimmer 123 auf die Karte geschrieben mit Zeitstempel für wie lange der Ausweis gültig ist. Das bedeutet im Gegensatz zu einem Online System muß hier eigentlich nur der Terminal für die Kartenprogrammierung mit Strom versorgt werden. Wenn der Zeitstempel abläuft, ist die Karte nicht mehr zutrittsberechtigt. Das Programmiergerät (Computer) für die Medien (Gastkarten usw.) muss natürlich auf Dauer mit Strom versorgt werden (was über eine potentiell vorhandenen USV oder ein Notstromaggregat gewährleistet sein sollte).

Zusätzlich sollte noch die Möglichkeit bestehen, Hotelschließsysteme mit mechanischer Überschließung (Schlüssel) zu “übersteuer”.

Es ist davon auszugehen, dass hauptsächlich 4 und 5 Sterne Hotels solche Schließsystem nutzen. Eine Einschätzung lautet, dass etwa 40% der Hotels mechatronische Systeme verwenden. Davon 50% rein Offline, 30 % Offline-Online kombiniert und 20% rein Online.

Gem. Statistik Austria gibt es in Österreich rund 2.600 5-/4-Stern-Hotels mit 271.000 Betten. Das bedeutet, dass rund 1.000 Hotels oder überschlagsmäßig rund 50.000 Zimmer (2 Betten pro Zimmer) betroffen sein könnten, wobei davon rund 200 Hotels oder 10.000 Zimmer unmittelbar ein Zutrittsproblem hätten, wenn keine Notstromversorgung zur Verfügung steht.

Natürlich ist jedes Hotel individuell zu betrachten, ob entsprechende Vorkehrungen und für wie lange vorhanden sind. Aber hier dürften doch einige Probleme im Falle eines länger andauernden Stromausfalls lauern, wenn man sich keine Gedanken über solche Notfallscenarien gemacht hat.

Beherbungsbetriebe werden natürlich noch eine ganze Reihe anderer Herausforderungen zu bewältigen haben, speziell die Versorgung der Gäste und die Personalverfügbarkeit. Man sollte diese aber nicht nur einzeln (linear) betrachten, sondern vernetzt, da es dadurch zu exponentiellen Auswirkungen in der Beherrschung kommt, was meist unterschätzt wird.

 

Exponentielle Entwicklung Blackout 600