Quelle: Der Standard

Rund um Deutschland entstehen künstliche Zäune. Nun soll der einzig noch freie Übergang zu Österreich dichtgemacht werden.

Am selben Tag hatte die Europäische Regulierungsbehörde Acer, in der von österreichischer Seite die E-Control Sitz, Stimme und mit Walter Boltz auch den Vizevorsitzenden hat, eine Aufteilung der gemeinsamen deutsch-österreichischen Preiszone empfohlen. Das Gutachten, das in den vergangenen Monaten auf Betreiben von Polen und Tschechien erstellt worden ist, sieht im Moment kein besseres Mittel, die in Deutschland und in den umliegenden Ländern immer gehäufter auftretenden Netzprobleme zu lösen, als durch Errichtung eines künstlichen Zauns.

“Wir werden mit Deutschland bis Jahresende eine Lösung für das Netzproblem finden, die kostengünstiger und für alle Beteiligten besser ist”, sagte E-Control-Vorstand Walter Boltz.

Die Interventionen am Strommarkt haben deutlich zugenommen. Beliefen sich die Kosten für Interventionen zur Stabilisierung des Stromnetzes (Redispatch) in Österreich 2013 auf 12,8 Millionen Euro, waren es 2014 bereits 21,7 Millionen. Heuer gab es einen weiteren Sprung nach oben: Allein bis 7. September sind schon Redispatch-Kosten von 96,1 Mio. Euro angefallen.

Kommentar

Es ist immer wieder spannend, wie widersprüchlich die Aussagen von Walter Boltz, E-Control, sind. Erst unlängst gab er in einem Interview an: Blackout: „Wahrscheinlichkeit geringer als vor 10 Jahren“. Auf nationaler Ebene gibt es also kein Problem, wobei die Zahlen eine ganz klar andere Sprache sprechen (siehe auch Auswertung Redispatching & Intradaystops). Auf europäischer Ebene hingegen wird laufend von Netzproblemen gesprochen, die sogar den “heiligen” Markt schon in Frage stellen (Gemeinsamer Strommarkt Deutschland-Österreich steht auf der Kippe). Und wir sprechen hier nicht von nationalen Netzen, sondern von einem gesamteuropäischen System, das nur im ganzen funktioniert und wenn es schief geht in weniger als 30 Sekunden finster ist.

Die Frage ist nun, vertraut man jemanden, der widersprüchliche Aussagen von sich gibt, oder bereitet man sich doch lieber auf den möglichen Worst-Case-Fall vor?

Aufgrund der fast täglichen Eingriffe der letzten Wochen ist davon auszugehen, dass wir bereits die 100 Millionen Euro Grenze überschritten haben. Wie die Medien dann laufend davon berichten können, dass das alles die deutschen Konsumenten bezahlen, bleibt offen, da man in Deutschland für heuer mit “nur” 500 Millionen Euro Kosten für Netzakutmaßnahmen (“Redispatching”) rechnet (siehe Hitzewelle kostet Stromverbraucher viele Millionen).