Im Zuge der Auseinandersetzung mit dem europäischen Stromversorgungssystem und dem Thema “Marktliberalisierung (unbundling)” stellt sich immer wieder die Frage, wie ein funktionierendes Stromversorgungssystem/-netz der Zukunft aussehen müsste, bzw. wie die Netzinfrastruktur organisiert sein müsste. Speziell die Netzinfrastruktur ist einmalig und ohne ihr funktioniert so gut wie gar nichts. Sie kann daher – wie die Wasserversorgung – nicht dem freien Markt überlassen werden, da auch Investitionen erforderlich sind, die sich nie rechnen werden, aber für das Gesamtsystem unverzichtbar sind. Die Netzinfrastruktur ist ein Gemeingut.

Derzeit wird das mit regulatorischen Maßnahmen gelöst (“regulierter Markt”) – was weder richtiger Markt noch Staat ist und immer zu Konflikten führt. Ganz abgesehen davon, dass die Zerteilung und isolierte Betrachtung eines Systems sich langfristig negativ auf die Systemsicherheit auswirkt. Daher taucht immer wieder die Frag auf, ob eine Re-Verstaatlichung sinnvoll wäre. Auch hier gab es genügend Schattenseiten.

Das andere damit verbundene Thema ist, wenn immer mehr Menschen/Regionen ihre Eigenversorgung mit Strom sicherstellen und das vielleicht mit Speicher noch deutlich erhöhen können, wer kommt dann für die erforderlichen Netzinfrastrukturen auf? Denn eine völlig Autarkie ist illusorisch und macht auch wenig Sinn. Zum Anderen wär das eine grobe Benachteiligung für jene, die sich die Eigenversorgung nicht leisten können bzw. die Möglichkeit nicht haben, und dann für die gesamten Infrastrukturkosten aufkommen müssten. Gleichzeitig ermöglicht aber eine höhere Eigenversorgungsfähigkeit, die Infrastrukturkosten zu senken.

Auch hier wird ein ganzheitlicher, systemischer Ansatz sowie ein “Sowohl-als-auch”-Denken erforderlich sein. Im Sinne des Energiezellenmodells macht es Sinn, auch Bereiche des Verteilnetzes in die Verantwortung der Bürger/Regionen zu geben. Das übergeordnete Übertragungsnetz wird auch in Zukunft eine Sonderstellung einnehmen müssen. Zu Hinterfragen wäre, ob dies wirklich über einen regulierten Markt erfolgen muss – wo Unternehmen Gewinn erwirtschaften müssen, oder ob hier neue Lösungsmodelle notwendig sind. Denn wir sind massiv abhängig von diesen Infrastrukturen und sollten uns langfristige Fehlentscheidungen, wie etwa in Großbritannien oder in den USA nicht leisten.

Als Basis dieser Überlegungen dienen wohl auch die Aussagen von Frau Deirdre McCloskey. Es gibt noch keine einfachen Antworten, denn sonst wären sie wohl schon umgesetzt. Aber wir müssen mit den Diskussionen starten, um die Energiewende weiterzubringen.

Siehe auch Wir sind keine Schachfiguren