Quelle: Die Presse vom 07.05.13

Hackerangriff oder Softwarefehler? Eine Computerpanne hat das Steuerungssystem der heimischen Stromnetze am Wochenende lahmgelegt – und niemand hat es bemerkt.

Wie aus dem Nichts prasselte eine Flut von Messdaten aus dem Süden des Landes auf die Steuerungszentralen des Übertragungsnetzbetreibers APG ein. Nun war Panik angesagt. Denn Aufgabe des Unternehmens ist es, dafür zu sorgen, dass das sensible Gleichgewicht im Stromnetz erhalten bleibt. Und das ist schwierig, wenn aus einzelnen Bundesländern so viel Datenmüll kommt, dass die APG ihren direkten Draht zu den lokalen Stromnetzbetreibern verliert.

Die übliche Ausbalancierung der Netze per Mausklick war nicht mehr möglich. Stattdessen liefen – wie vor Jahrzehnten – die Telefone heiß. Der Verbund schickte Nottrupps zu den Donaukraftwerken, um die Schleusen im Fall der Fälle händisch bedienen zu können. Auch in Kärnten wurden Mannschaften zu Umspannwerken und Kraftwerken beordert. Niemand wusste, woher das Problem kam und wie weite Kreise es noch ziehen sollte.

Vier Tage später ist die Situation wieder einigermaßen unter Kontrolle. Die befürchteten Blackouts und Ausfälle bei Kraftwerken sind ausgeblieben. Österreichs Stromversorgung war stets gesichert. In der Frage, wie es überhaupt so weit kommen konnte, tappen die Beteiligten aber noch im Dunkeln. Waren Hacker schuld an der plötzlichen Datenflut, die das Stromnetz an die Grenzen gebracht hat?

Für die heimische Strombranche war es ein Warnschuss. Vergleichbar mit einem Autolenker, dem mitten in der Fahrt die Hände vom Steuer gerissen werden. Zum Glück diesmal nicht in der Kurve bei 130 km/h, sondern bei gemütlichen 40 km/h mitten auf einer einsamen und geraden Landstraße. Passiert derselbe Zwischenfall an einem Tag, an dem etwa zu viel Wind für große Schwankungen im Netz sorgt, bleibt die Panne wohl nicht unbemerkt. Dann sitzen die Österreicher im schlimmsten Fall nämlich im Dunkeln.