Quelle: www.welt.de

Die Gefahr des flächendeckenden Stromausfalls wächst, da die Energiewende die Netzstabilität weiter verschlechtert. Sollten die Lichter ausgehen, steht volkswirtschaftlich viel auf dem Spiel.

Die Hamburger Wissenschaftler wollen ihre Berechnungen deshalb auch nicht als hypothetisches Zahlenspiel verstanden wissen: “Insgesamt verdeutlichen die Ergebnisse sehr anschaulich, welche Summen bei unzureichender Netzsicherheit auf dem Spiel stehen”, schreiben die Experten den Gestaltern der deutschen Energiewende ins Stammbuch.

Dass es schwieriger wird, das deutsche Stromnetz bei immer größeren Anteilen schwankender Wind- und Solarkraft stabil zu halten, zeigen auch Berechnungen der Bundesnetzagentur. Die Behörde schätzt, dass sich der Bedarf an Reservekraftwerken im übernächsten Winter 2015/2016 noch einmal verdoppeln wird, auf dann 4800 Megawatt.

Um die vor allem in Süddeutschland drohende Gefahr von Stromknappheit zu beherrschen, müssen also umgerechnet fünf stillgelegte Großkraftwerke in Deutschland reanimiert werden – oder entsprechende Kapazitäten im Ausland angemietet werden. Die Zusatzkosten für diese “Winterreserve” werden auf die Stromrechnungen der Verbraucher abgewälzt.

Insbesondere die Fertigstellung der “Thüringer Strombrücke”, die Windstrom und Braunkohlestrom aus den neuen Bundesländern nach Bayern transportieren soll, verzögert sich offenbar. Damit droht in Süddeutschland ein Versorgungsengpass, weil Ende 2015 laut Atomgesetz mit dem Reaktor Grafenrheinfeld eines der letzten bayerischen Kernkraftwerke abgeschaltet werden muss.

Laut Bundesnetzagentur liegen derzeit Stilllegungsanträge für 28 Kraftwerksblöcke mit einer Leistung von 7000 Megawatt vor, davon acht Blöcke mit knapp 2000 Megawatt in Süddeutschland.

Kommentar

Studie (englisch) bzw. Zusammenfassung (deutsch)

Beachtenswerte Aussagen:

  • Wachsendes Risikopotential
  • Beschränkt sich die Studie bewusst auf Stromausfälle einer Länge von nicht mehr als einer Stunde.
  • Schwer abzuschätzende Kosten bei längeren Ausfällen, wie beispielsweise durch die Unterbrechung der Lieferketten oder den Ausfall von Kühlsystemen, werden damit aus der Analyse ausgeklammert.

Das bedeutet, dass die erwartbaren Schäden bei einem richtigen Blackout wesentlich höher ausfallen werden.