Vernetztes Denken

 

Unter „vernetztem Denken“ (Englisch: Systems Thinking) wird hier ein Denken über Systemgrenzen hinaus, ein Querdenken und hinterfragen von gängigen Konventionen bzw. ein „zu Ende denken“ verstanden. Wichtige Inputs hierzu haben etwa Frederic Vester mit „Die Kunst vernetzt zu denken“, Dietrich Dörner mit „Die Logik des Misslingens“ oder Jürg Honegger mit „Vernetztes Denken und Handeln in der Praxis geliefert. Er versteht etwa darunter die Fähigkeit:

  • auf einer bestimmten Betrachtungsebene in Zusammenhängen zu denken,
  • relevante externe Einflüsse zu berücksichtigen,
  • Zielkonflikte zu erkennen und bewusst zu optimieren sowie
  • zielorientiert zu handeln.

Dabei wird eine Abkehr von „der Konzentration auf das Wesentliche“ bzw. der isolierten Betrachtung/Analyse von Einzelelementen angestrebt, wenngleich auch eine sowohl-als-auch-Betrachtung erforderlich ist. Die Kunst besteht darin, zu erkennen, wann welche Methode sinn- und wirkungsvoll ist.
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„Vernetztes Denken“
bedeutet daher die Erfassung von Mustern, Beziehungen,
Zusammenhängen und (Wechsel-)Wirkungen zwischen Systemelementen.

Ziel ist es „unsichtbare Fäden“ zu erkennen und zu adressieren. Es stellt daher auch einen Gegenpol zum isolierten „Silodenken“ dar. Durch die steigende Komplexität, welche durch die Ausdehnung der technischen Vernetzung(smöglichkeiten) vorangetrieben wird, werden wir vor enormen Herausforderungen gestellt. Darüber hinaus ist zu berücksichtigen, dass unter Stress nur spontan intuitives Denken möglich und das rationale Denken blockiert ist. Auch die Sinnesorgane fokussieren nur noch punktuell die Beute, den Feind oder die Gefahr. Es entsteht der Tunnelblick. Was komplex ist, überfordert grundsätzlich das menschliche Gehirn, egal ob es mehr oder weniger komplex ist (siehe dazu auch Komplexität im Management von Maria Pruckner). Daher sind Hilfsmittel, wie etwa die Visualisierung von Zusammenhängen notwendig, da unser Gehirn nur die Wechselwirkungen von 3-4 Faktoren ohne Untertstützung erfassen kann.

„Unsichtbare Fäden“

Grafik: Frederic Vester

Grafik: Frederic Vester

Frederic Vester hat auch den Begriff der „unsichtbaren Fäden“ geprägt. Damit soll zum Ausdruck gebracht werden, dass es in Systemen vor allem auf die „Beziehungen“ zwischen den Systemelementen und weniger auf die Elemente selbst ankommt und dass wir diese gerne vernachlässigen, wie viele praktische Beispiele zeigen.

Beispielsweise gibt es in unserem Hirn Milliarden von Nervenzellen. Die Gedankenleistung hängt aber nicht so sehr von den Nervenzellen, als vielmehr von den Verbindungen ab. Entscheidend ist die Qualität der Beziehungen!

Ein anderes Beispiel ist, wenn man ein Kuchenrezept und alle Zutaten hat, bedeutet das noch lange nicht, dass der Kuchen auch gut wird. Das Selbe gilt für ein Orchester. Daher soll bereits Aristoteles den Ausspruch getätigt haben: „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.

Wesentlichen Charakteristika

  • großräumig
  • verbindendend
  • Zusammenhänge verknüpfend
  • fächer- und themenübergreifend
  • grenzenlos
  • regelfrei
  • offen
  • einem natürlichen ungehinderten Ideen- oder Gedankenfluss folgend

Analytischer Ansatz und Systemansatz – Zwei Ansätze zur Erfassung der Wirklichkeit

Analytischer Ansatz und Systemansatz

Da der Mensch vorwiegend linear und monokausal denken möchte, wird die Problembewältigung mit traditionellen Wissensschemata in einer dynamischen Umwelt (VUCA) immer schwieriger. Komplexität und die Dynamik machen uns zu schaffen. Das Gefühl der Überforderung stellt sich ein. Daher sind komplementäre Ansätze erforderlich, wozu auch Hilfsmittel, wie die Visualisierung, erforderlich sind.

Systemische Betrachtung

bb_systemische_betrachtungenBei einer systemischen Betrachtung wird im Gegensatz zu einer Analyse ein System nicht in seine Einzelteile zerlegt und dann analysiert und wieder zusammengsetzt, sondern versucht, die Zusammenhänge zu beschreiben. Dies auch deshalb, da sich komplexe Systeme nicht in ihre Einzelteile zerlegen und dann wieder zusammensetzen lassen. Eine systemische Betrachtung adressiert die „unsichtbaren Fäden“ und Wechselwirkungen zwischen den Systemelementen. Hierzu werden u. a. auch Visualisierungen durchgeführt, um ein bestmögliches Abbild der Realität zu erhalten bzw. Einschränkungen auf einzelne Aspekte („Silodenken“) vermieden.

Systemische Betrachtung vs. Analyse

 

Eine wesentliche Rolle spielt dabei auch, dass nicht eine „Konzentration auf das Wesentliche“ erfolgt, sondern „das ganze Muster erfasst“ werden soll. Siehe auch Resilienz. Darüber hinaus ist ein sowohl-als-auch-Denken erforderlich.

“Sowohl-als-auch” statt “entweder-oder”

ying yang-163505_640Wir denken sehr häufig in den ausschließlichen Kategorien „entweder–oder“  (schwarz/weiß). Dabei übersehen wir das mögliche Dritte, Vierte, oder Fünfte (Grauschattierungen). Bisher hat sich das zweiwärtige/monokausale/logische Denken durchaus bewährt, etwa bei Fragestellungen wie „gut – böse“, „essbar – nicht essbar“, „gefährlich – nicht gefährlich“, „sicher – nicht sicher“, „Beute – nicht Beute“, „Angreifer – kein Angreifer“, etc. Das hilft grundsätzlich beim Überleben. Jedoch zeigt auch gerade das Beispiel „gut – böse“, dass sich die Realität häufig nicht so einfach darstellt, wie wir das gerne hätten. Durch die steigende – von Menschen geschaffene Vernetzung und Komplexität – ergeben sich zusätzliche neue Herausforderungen, die sich nicht mehr alleine mit dieser einfachen Logik bewältigen lassen. Komplexe Systeme verhalten sich nicht-linear – daher gibt es auch mehr als zwei Möglichkeiten, was wiederum ein komplementäres, vernetztes Denken erfordert. Zum anderen erleichtert das Verständnis, dass das eine ohne dem anderen nicht möglich ist, den Umgang damit.

Ein sowohl-als-auch-Denken führt zu einem kooperativen inkluderenden Verhalten, während ein entweder-oder-Denken polarisiert und Konfrontation schafft.

Für weiterführende Gedanken ist der Blogbeitrag von Conny  Dethloff „Unser Denkrahmen hat sich seit dem Mittelalter nicht weiter entwickelt“ sehr zu empfehlen.

Weiter zu visualisieren

 

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