Too-big-to-fail – eine Gefahr für die Systemsicherheit

 

In diesem Beitrag werden aktuelle Beispiele für Firmenfussionen gesammelt, die zu einem System führen, das “too-big-to-fail” ist und daher eine zunehmende gesellschaftliche Gefahr darstellen.

Too big to fail: Als systemrelevant oder too big to fail (englisch: „Zu groß, um zu scheitern“) werden Unternehmen bezeichnet, die eine derart wichtige wirtschaftliche Rolle spielen, dass ihre Insolvenz nicht hingenommen werden kann. Droht diese dennoch, wird sie in der Regel mit öffentlichen Mitteln (sog. Bail-outs) abgewendet. Von besonderer Relevanz ist die „too big to fail“-Problematik für Banken, Versicherungen oder sonstige Finanzinstitute, deren Insolvenz die Stabilität des gesamten Finanzsystems bedrohen kann. Angesichts der Sonderrolle des Finanzsektors für die Realwirtschaft kann diese Insolvenz auch zu massiven Verwerfungen in der Realökonomie führen. Quelle: wikipedia

Bisher wurde dieses Phänomen vor allem im Banken- und Finanzsektor beobachtet bzw. angesprochen. Dabei spielt too-big-to-fail auch in vielen anderen Bereichen eine entscheidende Rolle, was aber noch selten so angesprochen wird. Dass es hier in den nächsten Jahren zu massiven Gegenbewegungen bzw. disruptiven Entwicklungen kommen könnte, zeichnet sich ab, wie auch die Beispiel weiter unten zeigen.

Eine Geschichte aus der rabbinischen Tradition erzählt Folgendes. Ein König, der über das Verhalten seines Sohnes erbost war, schwor, er werde ihn mit einem Felsbrocken zermalmen. Nachdem er sich beruhigt hatte, stellte er fest, dass er sich in einer Zwickmühle befand, denn ein König, der seinen Eid bricht, ist als Herrscher ungeeignet. Sein weiser Ratgeber wusste einen Ausweg: Zerschlage den Brocken in viele winzige Kieselsteinchen und bewerft damit den nichtsnutzigen Sohn. Der Unterschied zwischen tausend Kieselsteinen und einem großen Felsbrocken gleichen Gewichts ist eine gute Illustration dafür, dass Fragilität auf nichtlineare Effekte zurückzuführen ist. S. 366, Antifragilität.

Dieses Beispiel kann auch umgekehrt gesehen werden. Der Ausfall vieler kleiner Einheiten ist für die Gesellschaft bei weitem nicht so schädlich, wie der Ausfall einer großen Einheit. Auch wenn es ineffizienter ist.

Das europäische Stromversorgungssystem

Auch das europäische Stromversorgungssystem ist mittlerweile too-big-to-fail, auch wenn es sich hier um kein einzelnes Unternehmen handelt. Die Gefahr wird durch die Marktliberalisierung und der vorwiegenden Marktorientierung unter der Vernachlässigung von physikalischen Gesetzen und Grenzen, sowie durch die missachtung von regionalen Rahmenbedingungen (Gestehungs- und Infrastrukturkosten) zunehmend größer. Etwa, indem Österreich zum großen Stromimporteur geworden ist, obwohl wir selber einen sehr hohen regenerativen Erzeugungsanteil haben und was dazu führt, dass noch notwendige flexible fossile Reservekraftwerke stillgelegt werden.

Wobei bei allen Beispielen ein sowohl-als-auch-Denken erforderlich und eine Effizienzsteigerung nicht per se negativ ist. Die hauptsächliche Marktorienterung führt jedoch zu einer zunehmenden Destabilisierung des Gesamtsystems. Siehe dazu etwa Stromnetze an der BelastungsgrenzeAlarm auf dem Strommarkt oder Ein robuster Strommarkt sieht anders aus.

Weitere Beispiele aus anderen Sektoren, bei denen die Gefahr entsteht, dass sie sich zukünftig disruptiv auf die Weltwirtschaft auswirken könnten:

EU genehmigte größte Fusion der Chipbranche

Die europäische Kartellbehörde hat der jüngsten Elefantenhochzeit in der US-Halbleiterbranche zugestimmt: Der Hersteller Avago darf den Konkurrenten Broadcom für 37 Milliarden Dollar (34,62 Mrd. Euro) ohne Auflagen übernehmen, teilte die EU-Kommission heute in Brüssel mit.

Es ist der bisher größte Zukauf in der zersplitterten Halbleiterbranche. Der Industriezweig wird in diesem Jahr von einer beispiellosen Übernahmewelle erfasst, weil die Unternehmen nach Einsparmöglichkeiten suchen. Treibende Kraft ist die Nachfrage nach günstigeren Chips und neuen Produkten für Geräte mit mobilem Internetempfang. Quelle: orf.at

Natürlich kann durch die Fussion auch effizienter und billiger produziert werden. Aber es entstehen auch Monopole, wie wir sie bereits aus der Softwareindustrie oder anderen Bereichen kennen. Zudem kommt es zu einer Abnahme der lebenswichtigen Diversität. Die Störanfälligkeit steigt. Kommt es zu einem Problem, steigt die Gefahr von Dominoeffekten rassant (exponentiell) an. Oder bildlich dargestellt:

Diversität Bsp Taleb

Quelle: Nassim Taleb

Mega-Fusion in Pharmabranche

Um von der niedrigen irischen Körperschaftssteuer zu profitieren, will US-Gigant Pfizer für 160 Milliarden Dollar (150 Mrd. Euro) den Botox-Hersteller Allergan kaufen und den gemeinsamen Firmensitz nach Dublin verlegen. Der kombinierte Konzern mit rund 110.000 Mitarbeitern hätte einen Marktwert von etwa 320 Milliarden Dollar bei einem Jahresumsatz von 63,5 Milliarden Dollar und würde am derzeitigen Marktführer Johnson & Johnson vorbeiziehen.

Sollte der Zusammenschluss gelingen, wäre die Ersparnis erheblich. Auf der grünen Insel liegt die Körperschaftssteuer seit Jahren bei 12,5 Prozent, aller internationalen Kritik zum Trotz. Die bereinigte Steuerquote dürfte bei 17 bis 18 Prozent liegen, Pfizer also mehrere Milliarden Dollar sparen. Quelle: Der Standard

Nach dem Fusionsrekordjahr 2015 rechnet die Beratungsgesellschaft KPMG auch im laufenden Jahr mit zahlreichen Übernahmen in der Pharma- und Chemiebranche. Im vergangenen Jahr war es im Pharmasektor zu so vielen Fusionen und Übernahmen gekommen wie noch nie zuvor. Quelle: orf.at

Steuerschonende Maßnahmen gehen immer zu Lasten der Allgemeinheit. Zudem war bei bisherigen Fusion in dieser Branche zu beobachten, dass eine solche gerne zu Lasten der teuren Forschung geht.

Lieferprobleme bei Medikamenten

In Österreich häufen sich laut Österreichischer Ärztekammer (ÖÄK) die Lieferschwierigkeiten bei Impfstoffen (etwa auch für Diphtherie, Keuchhusten, Tetanus und Kinderlähmung). Auch viele andere Medikamente seien zunehmend nicht verfügbar; viele ohne gleichwertige Alternative. Quelle: orf.at

Die Ursache für die Lieferschwierigkeiten ist hier nicht klar ersichtlich. Möglicherweise gibt es einen Zusammenhang mit der Machtkonzentration in der Pharmabranche. Dazu möchte ich einen Auszug aus dem Beitrag Der Kollaps des Marktes von Thomas Grüter (Offline!) vom 28.02.14 verweisen. Thomas Grüter ist selbst Arzt.

Arzneimittelversorgung ist gefährdet

Ein funktionierender Markt regelt sich selbst. Je höher die Nachfrage, desto mehr steigt der Preis, und dann werden findige Händler einen Weg finden, die Produkte zu beschaffen. Soweit die Theorie. Aber die Praxis sieht anders aus.

In meinem Buch Offline! habe ich davor gewarnt, dass uns eventuell ein Engpass bei der Belieferung mit digitalen High-Tech-Komponenten bevorsteht. Der ständige Sparzwang führt zu einer Konzentration auf immer weniger Anbieter, die ihre Fabriken fast alle in Asien betreiben. Gleichzeitig werden die Werke immer größer, und die Anfangsinvestition höher. Wenn ein Anbieter aufgibt oder die Werke aus irgendeinem Grund ausfallen, kann kurzfristig kein Konkurrent mehr einspringen.

In einem anderen Wirtschaftszweig besteht seit einigen Jahren aber genau dieses Problem, wenn es auch noch niemand so recht wahrgenommen hat. Apotheken, Krankenhäuser und Patienten kämpfen mit Lieferproblemen bei Arzneimitteln. Das beschränkt sich keineswegs auf exotische Arzneistoffe, sondern betrifft auch gängige und lebenswichtige Medikamente wie z.B. Schilddrüsenpräparate, Hochdruckmittel oder Antibiotika [siehe auch vorherigen Beitrag]. Derzeit ist ein wichtiger Impfstoff nicht lieferbar und der Engpass wird noch einige Wochen anhalten. Es gibt weltweit nur noch zwei Lieferanten (GlaxSmithKline und Sanofi Pasteur MSD) dafür. Sie können Produktionsprobleme gegenseitig nicht ausgleichen.

Die Produktion von Impfstoffen dauert sehr lange, 12 bis 18 Monate sind die Regel. Sollte eine Charge verunreinigt werden, kann niemand auf die Schnelle Ersatz beschaffen. Das Vorhalten von Impfstoffen ist ebenfalls nicht einfach, weil sie nur begrenzt haltbar sind.

Bei anderen Präparaten wirkt sich der Sparzwang aus. Der größte Teil der Antibiotika kommt aus Indien und China. Eine Produktion in Europa lohnt sich nicht mehr. Die Hersteller tun sich aber schwer, die europäischen Qualitätsstandards einzuhalten. Ferner steigt die Nachfrage steil an, weil sich in den Schwellenländern immer mehr Menschen eine gute Behandlung leisten können. In Deutschland kommt für jedes Medikament immer nur ein Hersteller zum Zug. Damit können die Krankenkassen hohe Rabatte aushandeln. Andere Hersteller liefern dann nicht mehr nach Deutschland oder stellen die Produktion gleich ein. Nur eine Massenproduktion in größten Mengen für den Weltmarkt lohnt sich überhaupt noch. Die Margen sind aber teilweise so gering, dass sich Investitionen in modernere Fabriken nicht mehr lohnt. Die Entwicklung neuer Antibiotika kommt nicht voran, weil sich die Forschung nicht mehr lohnt und die Markteinführung zu teuer ist.

Gefährliche Lieferungen

Damit Antibiotika billig bleiben, bestellen Pharmahersteller Wirkstoffe in China und Indien. Und produzieren so ungewollte Nebenwirkungen: Lieferengpässe und Resistenzen.

… ein Penicillinpulver zum Auflösen, sei auf unbestimmte Zeit nicht mehr lieferbar. Man habe den Wirkstoffproduzenten gewechselt und der neue Lieferant konnte nicht schicken.

Es ist nicht so sehr der Ausfall selbst, der aufhorchen lässt, als vielmehr die Gründe, die zu ihm führten. Denn sie sind symptomatisch für eine ganze Branche. InfectoPharm, so lernt man erstens, stellt sein Penicillin gar nicht selbst her, sondern bezieht es von einem anderen Unternehmen. Zweitens ist spritzbares Penicillin in Europa derzeit auch von weiteren Firmen nicht mehr zu haben, mit Ausnahme eines spanischen Herstellers.

Wie aber kann es sein, dass in ganz Europa dieses bestimmte Penicillin ausgeht?

“In Deutschland müssen drei Unternehmen die gesamte Versorgung mit wichtigen Antibiotika absichern”, sagt Bork Bretthauer, Sprecher des Herstellerverbandes Pro Generika. Der Kostendruck sei so hoch, dass sich nur noch wenige Unternehmen die Produktion der Bakterienkiller leisten würden.

Tatsächlich sind herkömmliche Antibiotika zumindest auf dem deutschen Markt kein lohnendes Geschäft.

Unbemerkt von der Öffentlichkeit sei ein ganzer Industriezweig von der europäischen Landkarte verschwunden: Die Wirkstoffsynthese und Produktion, vor allem für Antibiotika. “Bis in die neunziger Jahre kamen etwa 80 Prozent aller Wirkstoffe aus Europa und den USA und wurden von den Pharmaherstellern selbst weiterverarbeitet”, schätzt Rudolph. Heute kämen vier von fünf Substanzen aus China und Indien.

Auch das von InfectoPharm so dringend benötigte Penicillin gibt es fast nur noch in China. Nach Recherchen von McKinsey wurden im Jahr 2009 weltweit 59.000 Tonnen produziert. Den größten Teil davon benötigt die Lebensmittelindustrie. Er wird vor allem in Mastanlagen für Schweine und Hühner verbraucht. 95 Prozent dieser Menge lieferten wenige Großhändler aus China.

Doch China steht in der Arzneimittelbranche nicht nur für billige Preise, sondern auch für Qualitätsprobleme.

Doch kann ein Pharmaunternehmen überhaupt wissen, woher die “Einzelteile” seiner Mittel kommen? Das ist zu bezweifeln. Die Zulieferkette der Arzneimittelindustrie ist höchst intransparent. Dass ein europäischer Hersteller ganz ohne asiatische Bestandteile auskommen könnte, gilt in Branchenkreisen als unwahrscheinlich. Quelle: Die Welt, 2014

Es scheitert nicht an den verfügbaren Informationen, sondern an der Verknüpfung dieser (“unsichtbare Fäden“).

Glencore: Crash-Gefahr beim größten Rohstoff-Händler der Welt

Glencore, der größte Rohstoff-Händler der Welt, befindet sich in Existenz-Gefahr: Die Aktie stürzt ab, die Kreditausfallversicherungen (CDS) haben sich in den vergangenen Monaten vervielfacht. Sollte Glencore einen Crash hinlegen, hätte das signifikante Auswirkungen auf das weltweite Finanzsystem.

Zweifel an den Erfolgsaussichten des bisherigen Sanierungskurses haben am Montag einen erneuten Ausverkauf beim Schweizer Rohstoff-Händler Glencore ausgelöst. Die Aktien brachen um 28 Prozent auf ein Rekordtief von 70,71 Pence ein. Damit summiert sich das Minus der vergangenen Monate auf etwa 75 Prozent.

Die hohe Verschuldung könnte zu einem existenzbedrohenden Problem werden, wenn sich die Rohstoffpreise nicht erholten und der Konzern nicht umfassend umgebaut werde, warnten die Analysten von Investec in einem Kommentar.

Investec warnt davor, dass bei der hohen Überschuldung von Glencore die Anleger mit einem Totalverlust rechnen müssen.

Eines der größten Probleme im Fall eines Glencore-Crashs sind die Derivate. Diese sind im Rohstoffbereich besonders wichtig. Die Derivate würden die Banken massiv treffen. Eine genaue Summe ist nicht bekannt, doch man geht davon aus, dass das Derivate-Risiko bei mindestens 70 Milliarden Dollar liegt.

Seit Monaten zeichnet sich ein Rohstoff-Schock in der Weltwirtschaft ab: Die Preise fallen bei allen wichtigen Rohstoffen faktisch ohne Unterbrechung. Ausgelöst wurde die Rohstoff-Krise durch den Absturz der Ölpreise. Dadurch entstand eine Spirale, die in ihren Folgen viel gravierender sei kann als alle bisherig bekannten Faktoren, die die Märkte destabilisieren. Quelle: deutsche-wirtschafts-nachrichten.de

An diesem Beispiel zeichnet sich bereits das hohe Schadenspotenzial von Konstruktionen ab, die too-big-to-fail sind. In der Natur hat sich daher small-is-beautiful durchgesetzt. So lange stabile Verhältnisse bestehen, funktioniert auch in der Regel alles gut. Doch ändern sich die Rahmenbedingungen, sind große Organisationen oft zu schwerfällig um flexibel und agil darauf zu reagieren. Kleine Störungen werden viel leichter verkraftet, sind diese aber größer oder länger andauernd, dann können auch Riesen ins Wanken kommen.

USA: Supermärkte rationieren Eier

Die Vogelgrippe hat in den USA Millionen Hühner getötet, Eier sind knapp und teuer geworden. Erstmals seit 2002 werden sogar Importe aus den Niederlanden erlaubt.

Rund ein Drittel der Eierprodukte, die industriell zu Lebensmitteln verarbeitet werden, sind binnen weniger Wochen wegen der Seuche vom Markt verschwunden.

Diese Krise wird durch eine Industrialisierung der Landwirtschaft verschärft, die in den USA gegenüber der in Europa vielerorts auch ziemlich intensivierten Tierhaltung noch einmal größer ist und von einer Handvoll großer Agrarkonzerne kontrolliert wird. Auf dem Geflügelmarkt gibt es als Folge einer langjährigen Oligopolisierung zusehends nur mehr große Produzenten, die Zucht, Futtermittelherstellung und Vertrieb in vertikalen Wertschöpfungsketten integrieren.

Dazu kommt, dass die amerikanische Eierproduktion in wenigen Teilstaaten konzentriert ist, allen voran in Iowa und Minnesota. Diese Marktbedingungen sorgen dafür, dass Tierkrankheiten schnell große Schäden verursachen.

Biobetriebe nicht betroffen. Kleinere und auf ökologische Kriterien setzende Eierproduzenten sind bisher von der Vogelgrippe verschont geblieben. Quelle: Die Presse

Auch hier. Große Konzentrationen sind zwar in der Regel betriebswirtschaftlicher Effizienter, jedoch führen größere Störungen zu deutlich höheren Auswirkungen (exponentielle Entwicklungen). Es steigen die systemischen Risiken und damit die Gefahr von Schwarzen Schwänen und strategischen Schocks.

Agrarriesen spielen Zusammenschlüsse durch

Unter dem Druck der niedrigen Getreidepreise könnte es im Agrarmarkt zu einer Elefantenhochzeit kommen: Der US-Großkonzern DuPont verhandelt mit dem Branchenriesen Syngenta über eine Zusammenlegung der Agrargeschäfte

Übernahmespekulationen haben am Freitag die Aktie des Schweizer Pflanzenschutz- und Saatgutherstellers Syngenta beflügelt.

Der weltweite Markt für Pflanzenschutzmittel und Saatgut wird mit Syngenta, Monsanto, Bayer, DuPont Pioneer, Dow Chemical und BASF nur von einer guten handvoll Unternehmen kontrolliert. Die Branche steht angesichts fallender Getreidepreise unter Druck .

Der US-Agrarchemiekonzern Monsanto, der für Syngenta 47 Milliarden Dollar auf den Tisch legen wollte, machte im abgelaufenen Geschäftsjahr deutlich weniger Gewinn und streicht 2600 Stellen. Quelle: www.wirtschaftsblatt.at

Der “kranke” Finanzmarkt steckt auch die Realwirtschaft an. Oder anders ausgedrückt: “Systeme, die nur dann lebensfähig sind, wenn sie permanent wachsen, sind langfristig zum Tode verurteilt – und zwar ab dem Moment, wo ein weiteres Wachstum nicht mehr möglich ist.” S. 52, Das Metanoia-Prinzip.

Mega-Schiffe – Maga-Risiken?

2014: 2.772 Schiffsunglücke weltweit, davon 75 Totalverluste Unfallhotspots: Östliches Mittelmeer und schwarzes Meer Neue Risiken: Megaschiffe und Cyberangriffe

Der langfristige Abwärtstrend bei den Schiffsverlusten hat sich 2014 mit 75 gemeldeten Großschäden weltweit fortgesetzt. Damit war das vergangene Jahr das sicherste Jahr für die Schifffahrt seit zehn Jahren.

Sicherheit auf Passagierschiffen durch Personalmangel gefährdet

Während der langfristige Abwärtstrend bei den Schiffsverlusten zuversichtlich stimmt, haben aktuelle Fährunglücke wie die der Sewol und der Norman Atlantic drei Jahre nach der Costa Concordia-Katastrophe erneut erhebliche Bedenken bezüglich der Qualität von Trainings- und Notfallmaßnahmen auf Passagierschiffen ausgelöst.

In vielen Fällen ist die Konstruktion der Schiffe nicht der einzige Schwachpunkt, wie die Studie zeigt: Die beiden Fährunglücke decken besorgniserregende Defizite bei der Notfallvorbereitung der Besatzungen von Autofähren und Passagierschiffen auf. Eine nur Minimalanforderungen genügende Personalstärke lässt nach Ansicht der AGCS-Experten kaum Spielraum für Schulungen an Bord und sollte daher nicht zur allgegenwärtigen Praxis auf Schiffen werden.

Ausblick: Megaschiffe und Hackerangriffe als neue Risiken

Die Branche sollte sich laut Studie für die Zukunft auf Großschäden von über 1 Mrd. US-Dollar einstellen, insbesondere wenn große Containerschiffe oder schwimmende Offshore-Anlagen beteiligt sind. Das maximale Risiko in diesem Zusammenhang betrifft nicht nur die Schäden an Schiff und Fracht, sondern auch Umweltschäden oder Betriebsunterbrechungen. Megaschiffe können nur wenige Tiefwasserhäfen ansteuern, zudem bestehe weltweit ein Mangel an qualifizierten Fachkräften. Die Bergung und Beseitigung von Schiffen ist ebenfalls eine Herausforderung. Wie die Bergung des Wracks der Costa Concordia zeigt, können die Kosten leicht ein Vielfaches des Kaskowerts des Schiffes betragen.

Zusätzlich stellen Cyberrisiken eine weitere neue Gefahr für die Schifffahrtindustrie dar, die stark vernetzt ist und zunehmend auf Automatisierung setzt. Künftig könnten Schiffe und Häfen zu verlockenden Zielen für Hacker werden. Ein Cyberangriff auf die Technik an Bord, insbesondere auf die elektronischen Navigationssysteme, könnte zu einem Totalverlust führen oder sogar mehrere Schiffe einer Reederei betreffen. Andere Szenarien sind zum Beispiel Cyberangriffe auf große Häfen, die Terminals außer Betrieb setzen oder Containerladungen oder vertrauliche Daten manipulieren. Solche Angriffe könnten zu erheblichen Betriebsunterbrechungsschäden oder zu Reputationsverlusten führen.

Weitere Schifffahrtsrisiken aus der “Safety and Shipping Review 2015”:

“Blindes” Vertrauen auf elektronische Navigation: Die Kollision des Containerschiffs Rickmers Dubai mit einem unbemannten Kranschiff im Jahr 2014 zeigt die Gefahren von automatisierter E-Navigation auf. Schulungsstandards für Systeme wie das Electronic Chart Display & Information System (ECDIS) sind uneinheitlich. “Offiziere benötigen eine solide Ausbildung, um Fehlinterpretationen von ECDIS und Bedienfehler zu vermeiden, die zu teuren Katastrophen führen können. Darüber hinaus sind manuelle Navigationsinstrumente und -fähigkeiten weiterhin unverzichtbar”, so Khanna. Quelle: www.ots.at und www.risknet.de

Hier verbirgt sich ein klassischer Schwarzer Schwan sowie das Verletzlichkeitsparadox. Durch die steigende Effizienzsteigerung (weniger Personal, größere Schiffe) steigt jedoch auch der Schaden bei einem Zwischenfall. Die zunehmende Digitalisierung führt zudem zur steigenden Gefahr von Cyber-Angriffen. Aber es muss nicht immer ein Angriff sein – auch Softwarefehler oder -ausfälle können zu weitreichenden Folgen führen. Aus systemischer Sicht durchaus zu hinterfragende Entwicklungen. Darüber hinaus stellt sich die Frage, was passiert, wenn die kleineren Schiffe/Rederer unrentable werden und vom Markt verschwinden und es dann zu einem wirtschaftlichen Einbruch kommt. Sind dann die Großschiffe auch noch retable zu betreiben, oder muss dann einfach der Kunde die Kosten für das Wachstum schlucken? Wir werden es wahrscheinlich noch erfahren.

 

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