Informationen zu Notstromaggregaten

 

NotstromaggregatEine häufige Reaktion auf die Konfrontation mit dem Thema “Blackout” ist, dass man umgehend ein Notstromaggregat anschaffen möchte. Dieser Schritt sollte jedoch nochmals gründlich durchdacht werden, da damit längst nicht alle Probleme gelöst werden können. Vor einem Kauf sollte daher eine genaue Bedarfs- und Problemanalyse durchgeführt werden. Wenn es nicht unbedingt erforderlich ist, sollte man von einer Anschaffung Abstand nehmen. Man kann durchaus ein paar Tage ohne Strom auskommen, wenn man sich darauf vorbereitet. Dazu ein paar Informationen bzw. Fragestellungen, die bei der Beurteilung helfen können:

Unterschied Netzersatzanlagen und Notstromaggregaten

Man muss zwischen Netzersatzanlagen (NEA) und Notstromaggregaten (NSA) unterscheiden. Während NEA für einen Dauerbetrieb ausgelegt sind, sind es NSA nicht!

Generelle Fragen zu einer professionellen Notstromversorgung

fragezeichenAuch Betreiber von professionellen Notstromaggregaten sollten sich folgende Fragen stellen:

  • Wurde das Notstromaggregat schon unter Last länger als 12h laufen gelassen?
  • Steht ausreichend Ersatz(schmier)öl für einen Dauerbetrieb zur Verfügung?
  • Wie viel Treibstoff kann vorgehalten bzw. auch laufend umgewälzt werden?
  • Wie häufig wird die Qualität des Diesels überprüft (Dieselpest, Wassergehalt; siehe “Neue Erkenntnisse zur Lagerfähigkeit von Brennstoffen für Netzersatzanlagen“)?
  • Wie ist Ihre Nachbetankung organisiert und kann diese bei und nach einem Blackout funktionieren?
  • Welche behördlichen Auflagen gibt es, um eine professionelle Notstromversorgung errichten bzw. entsprechende Treibstoffmengen lagern zu dürfen?
  • Welche Maßnahmen sind erforderlich, um eine professionelle und sichere Einbindung in das Hausnetz überhaupt durchführen zu können (Netztrennung, Resynchronisierung, etc.)?
  • Lt. Motorhersteller sollen auch monatliche Lastläufe mit je nach Hersteller von min. 30-50% Last für eine Stunde durchgeführt werden.

Siehe weiters das Video des deutschen Bundesamt für Bevölkerungsschutz u. Katastrophenhilfe (BBK):

Treibstoffproblematik

Fazit und Maßnahmenempfehlungen der deutschen Studie “Neue Erkenntnisse zur Lagerfähigkeit von Brennstoffen für Netzersatzanlagen“:

Bei 60 % der NEAs war der Brennstoff zum Zeitpunkt der Probennahme oder in naher Zukunft nicht mehr verwendbar.

Bei ca. einem Drittel aller NEAs war der Brennstoff zwar noch verwendbar, aber schon deutlich gealtert.

Nur bei 8 % der NEAs ist der Brennstoff uneingeschränkt verwendbar.

Das deutsche Bundesamt für die Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) empfiehlt dazu im Jänner 2015 konkret:

  • Für die Betankung von NEAs ist ausschließlich speziell additiviertes schwefelarmes Heizöl nach DIN 51603-1 zu verwenden.
  • Zur Sicherung der Brennstoffqualität ist (unabhängig von der Brennstoffart) diese in regelmäßigen Abständen, abhängig von den Ergebnissen der jeweils letzten Analyse, mindestens jedoch alle 12 Monate, festzustellen und zu bewerten.

Die Beantwortung folgender Fragen erfolgt durch einen Fachmann.

  1. Frage: Ist das richtig bzgl. Biodiesel und längerer Lagerfähigkeit?
    Auch der Maxxmotion muss einen Bioanteil haben, aber im Gegensatz wird hier Palmöl verwendet das qualitativ hochwertiger ist und sich nicht mit Wasser anreichert. (FAME ist ein Esther der Wasser binden kann, passiert bei Palmöl nicht).
  1. Frage: Wenn das richtig ist, kennen Sie die Lagerfähigkeit dieses Diesels in komplett verschlossenen Kunststoffkanistern in Jahren?
    Betreffend Lagerfähigkeit kenne ich keine Studien. Ich persönlich glaube an eine Lagerfähigkeit von 4 Jahren. Bei Biodiesel etc. ist meiner Meinung die Lagerfähigkeit extrem schlecht.
  1. Frage: Rein technisch gesehen ist Heizöl Diesel mit einem Farbzusatz und könnte doch auch für ein Notstromaggregat verwendet werden, oder?
    Dem Heizöl ist ein Farbstoff (Euro-Marker) beigemengt (in geringen Mengen, aber alles was mit dem in Berührung kommt rot färbt) Einmal Heizöl getankt sieht man das immer im Filter. Es wird mit sehr hohen Strafen geahndet, wenn dies in Kraftfahrzeuge/mobile Anlagen getankt wird. Geschädigt wird nichts. Aber Heizöl extra leicht darf (lt. Produktdatenblatt) nur „zum Verfeuern in zugelassenen Ölfeuerungsanlagen verwendet werden. Die Frage ist auch, wie es mit der Schmierfähigkeit (Lubricity) aussieht.
    Das Zauberwort für NEAs heißt gekennzeichnetes Gasöl ohne Bioanteil und je nach Anlage Winterfest. Da bekommt man dann roten Diesel (Mineralölsteuerbefreit) und kein Heizöl!
    Auch Benzin (Kleinaggregate) kann altern und sollte regelmäßig umgewälzt werden.

Reihe von zusätzlichen Problemstellungen

bb_achtungrMit der Anschaffung werden eine Reihe von zusätzlichen Problemstellungen geschaffen. Nur Sie selbst wissen, was Sie damit betreiben wollen und welche Leistung Sie dafür benötigen. Dann stellt sich die Frage, ob es mobil oder fix integriert sein soll. Was natürlich auch eine Kostenfrage ist. Dann müssen Sie Treibstoff vorrätig halten. Dabei gilt als Anhalt: ca. 1,5
Liter pro Stunde, bei 24 Stunden wären das ca. 36 Liter. Sie müssen das Notstromaggregat regelmäßig warten und verwenden, an sonst entsteht die Gefahr von Lagerschäden, die sich erst unter längerem Lastbetrieb auswirken und meist zum Totalschaden des Gerätes führen. Besonders wichtig bei einer Integration in das Hausnetz ist die Netztrennung und die Sicherstellung der erforderlichen Schutzmaßnahmen, da es ansonsten zu Geräte- und im schlimmsten Fall sogar zu Personenschäden kommen kann!

Kosten (Richtpreis): Notstromaggregat mit Einbindung: ca. EUR 2.500,-

Beispiel aus der Weststeiermark nach Sturmschäden: Viele Gehöfte hatten sehr hohe Schäden an vorhandenen elektrischen Geräten durch Notstromaggregate, welche mittels Kabelverbindung zwischen Notstromaggregat und Steckdose die Eigenstromversorgung für die Liegenschaft durchführten. Genau das droht, wenn ohne professionelle Vorbereitung kurzfristige Improvisationen durchgeführt werden!

Synergien & Nachbarschaftshilfe

vernetzung-orangeWenn es unvermeidbar scheint, dann sollte überlegt werden, ob es mögliche Synergien mit anderen Leuten geben könnte – wenn z. B. kein Dauerbetrieb erforderlich ist. Wenn sich mehr Menschen zusammentun und sich gegenseitig aushelfen (Rotationsverfahren), kommt es billiger und ist auch sinnvoller. Nicht isoliert denken! Die Nachbarschaftshilfe ist bei einem solchen Szenario ganz essentiell.
Die Erfordernisse und Voraussetzungen sollten am besten mit einem Fachmann (Elektriker) besprochen werden.

Ein sehr gutes Beispiel für die Nutzung von Synergien: Eine Organisation verfügt über entsprechende Notstromeinrichtungen, jedoch nicht über ausreichend große Tanks, um über längere Zeiträume das Notstromaggregat laufen lassen zu können. Daneben gibt es eine Tankstelle. Die hat wiederum kein Notstromaggregat, aber genug Treibstoff. Durch entsprechende Absprachen und Vorbereitungen können beide gemeinsam Handlungsfähig bleiben. Suchen Sie derartige Möglichkeiten!

Sollte in einer Gemeinde, Organisation, etc. ein größerer Bedarf an Notstromaggregaten festgestellt werden, dann kann mittels einer Sammelbestellung in der Regel ein günstiger Preis erzielt werden. Auch diese Möglichkeiten sollten genutzt werden.

Zapfwellengeneratoren

Eine besondere Lösung bietet etwa die Oberösterreichische Firma Schneeberger mit ihren Zapfwellengeneratoren an:

Unsere Zapfwellengeneratoren sind sehr wartungsarm. Der erste Ölwechsel ist nach 25 Stunden fällig, dann alle 500 Stunden oder alle drei Jahre. Einmal im Jahr ist ein Probelauf notwendig um die Grundmagnetisierung wieder aufzubauen, und der Luftfilter muss alle 25 Stunden kontrolliert werden. Da Zapfwellengeneratoren mit Traktoren angetrieben werden erspart man sich natürlich eine separate Lagerung von Treibstoff.

Der produzierte Strom ist selbstverständlich für EDV-Anlagen geeignet, sonst könnten wir keinen Generator an die Landwirtschaft verkaufen. Zu Abnehmern unserer Zapfwellengeneratoren gehören Landwirte unterschiedlicher Größe, aber auch Biogasanlangenbetreiber und Kommunalverwaltungen.

Mit unseren Generatoren kann man alle Geräte betreiben die man auch über das normale Stromnetz betreibt. Sichergestellt wird das durch unsere Platine die die Spannung und die Frequenz überwacht und die Steckdosen vom Generator trennt sobald die die Werte von den vorgegebene Parametern abweichen. Für den Feldbetrieb haben wir noch eine dritte Überwachungsart, die Isoaltionsüberwachung, diese ersetzt den Erdungsspieß und den FI.

Der Preis der Generatoren beginnt ab 3.000 Euro. Die Lösung dürfte vor allem in ländlichen Gebieten sehr interessant sein, wo auch Traktoren zur Verfügung stehen. Dabei ist nicht nur der Einsatz in landwirtschaftlichen Betrieben, sondern auch generell in Kommunen vorstellbar, was wiederum vor allem die Feuerwehren entlasten könnte.

Photovoltaikanlagen

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Ein häufiger Irrtum soll hier auch aufgeräumt werden. Auch Besitzer einer Photovoltaikanlage haben bei einem Stromausfall/Blackout in der Regel keine Stromversorgung! Denn rund 95% der Anlagen sind netzgeführt. Das bedeutet, sie produzieren nur dann Strom, wenn 50 Hertz in der Leitung anliegen. Bei einem Netzausfall ist das eben nicht mehr der Fall. Nur eigene Anlagen, die für einen Inselbetrieb ausgelegt sind, können auch ohne Stromnetz produzieren.

Siehe etwa auch „Insel“ im Katastrophenfall: Photovoltaikanlage mit Solarspeicher bzw. Notversorgungsfähige Energiezellen.

Weiterführende Links und Informationen

 

4 Comments

  1. Kommentare vom ursprünglichen Blog-Beitrag:

    Wolf Höller –
    Leider ist es doch so, dass diese Maßnahme für Betroffene im (dichten) innerstädtischen Wohnbau nicht umsetzbar sind. Eine PV als NEA auf einen Gemeinde-/Genossenschaftsbau für den Blackoutfall ist nicht realisierbar. Maximal ist eine PV eines EVU’s mit Netzeinspeisung – aber ohne Inselbetriebsmöglichkeit – umsetzbar. Wurde bei uns z.B. aus wirtschaftlichen Überlegungen der Wohnbaugenossenschaft nicht realisiert.
    Ebenso sind Generatorlösungen für den ‚Gemeindebaubewohner‘ nicht zugänglich.

    stefan drayer
    sehr geehrte damen und herren,
    ich beziehe mich auf den beitrag zu „profesionelle notstromversorgung“
    es gibt eine möglichkeit der notstromversorgung, welche relativ wartungsarm und
    zuverlässig ist.
    photovoltaik für eigenverbrauch mit speicher und der notstrom-fäigkeit .
    hauptfunktion des speichers mit inselwechselrichter ( zb. sma si) ist zu allererst die optimierung des eigenverbrauchs der FV-Anlage.
    Optitonal gibt es diese systeme auch mit notstromfunktion.
    z.b. ibc solstor mit sma sunny island wechselrichter und der backup box.
    das system ist immer betriebsbereit, fast wartungsfrei.
    kenn kein stromausfall ist, hilft es den eigenbedarfs anteil der fv-anlage zu steigern.
    akku entladung bis cod max. 50 % der kapazität.
    im notstrom betrieb bis COD max. 20 % der kapazität.
    die fv-anlage kann auch bei stromausfall weiter betrieben werden, was im normalfall
    bei stromausfall nicht möglich wäre.

    sonniger gruss stefan drayer

    Antwort: Danke für den Beitrag! Ja, dabei geht es schon Richtung Energiezelle, wie etwa auch beim Fronius Symo Hybrid Solar Battery System.

    Folgende Ergänzung wurde durch einen österreichischen Experten zur Verfügung gestellt:
    Am schlechtesten ist Diesel (99% wird der Diesel das Problem). Heizöl hat keinen Bioanteil, das ist gar kein Problem. Beim Benzin ist nur Ethanol bzw. irgendein Alkohol, auch kein Problem.
    Das schlimmste ist FAME (im Diesel). Ohne Grotamar bringst das nicht in den Griff.

    Die meisten Einsatzorganisationen (EO) haben Dieselaggregate, nur die Feuerwehr hat zusätzlich viele kleine Benzinaggregate.
    Ich glaube das die meisten Diesel statt Heizöl einfüllen (zumindest die EO) da dies beim Tanken „mitgeht“…
    Wenn dann noch mit Additiven gearbeitet wird wird’s meiner Meinung noch schlimmer, zuerst verdreckt der Tank über die Jahre und dann mischt man Additive bei die den Tank reinigen (die Partikel lösen) und dann im Filter landen..

    Erfahrung
    Hier wird das Thema aus Sicht eines Bootsfahrers dargestellt. Der Artikel ist lang mit vielen Hintergrundinfos.
    http://www.oxly.de/Boot/Boote/Motor/Dieselkraftstoff-01.htm

  2. Uwe sagt:

    Wirklich ein sehr hilfreicher Artikel! Danke dafür 🙂

  3. Steffen sagt:

    Sehr schöner Artikel. Im Winter kann ich ja einfach mir Holz heizen. Aber Strom zu ersetzten wird schon schwer.

  4. Sehr guter Artikel mit wirklich sehr gutem Mehrwert für den Leser.

    Wichtige Informationen an die so manch einer überhaupt nicht denkt. Viele Menschen machen sich in der heutigen Zeit Gedanken um eine Notversorgung. Sollte ein Notfall eintreten der über längere Zeit anhält ist gerade der Unterschied, wie oben in dem Artikel beschrieben, zwischen Netzersatzanlagen und Notstromaggregaten wichtig zu erkennen:
    “Man muss zwischen Netzersatzanlagen (NEA) und Notstromaggregaten (NSA) unterscheiden. Während NEA für einen Dauerbetrieb ausgelegt sind, sind es NSA nicht!”
    Auch die generelle Fragen zu einer professionellen Notstromversorgung sind wichtig zu beachten. Die oben in dem Artikel gennanten Fragen bescheren dem ein oder anderen sicherlich einen AHA-Effekt.
    Also wie gesagt: Sehr guter Artikel mit guten Hintergrundinformationen, die sicherlich jedem weiterhelfen der über eine Notversorgung nachdenkt.
    Herzliche Grüße und vielen Dank für die Infomationen die ich selber gut auf meinem Portal verwenden und einbringen kann.
    Gruß,
    Rudi Herzenstiel

  5. […] Aufgaben verwendet werden. Besonders im ländlichen Raum bieten sich hierfür Zapfwellenaggregate an, die mit einem Traktor betrieben werden können. Das zeigt aber wieder, dass das Thema […]

  6. […] gut wie alle PV-Anlagen liefern bei Stromausfall KEINEN Strom, da diese netzgekoppelt sind und nur bei Netzverfügbarkeit (50 Hertz) funktionieren! […]

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