Notstromaggregat im Privatbereich

Eine häufige Reaktion auf die Konfrontation mit dem Thema “Blackout” ist, dass man umgehend ein Notstromaggregat anschaffen möchte. Dieser Schritt sollte jedoch  gründlich überlegt werden, da damit längst nicht alle Probleme gelöst werden können. Zunächst einmal sollte eine genaue Bedarfs- und Problemanalyse durchgeführt werden:

  • Wie viel Leistung wird benötigt bzw. welche Geräte sollen damit betrieben werden?
  • Soll eine Einspeisung in das Hausnetz erfolgen? Das muss dann durch einen professionellen Elektriker vorbereitet werden!
  • Wie viel Treibstoff kann vorgehalten bzw. auch laufend umgewälzt werden?
  • Wo kann der Treibstoff sicher gelagert werden?
  • Wie oft wird das Ganze getestet, damit es dann im Anlassfall auch wirklich funktioniert?
  • Können damit auch elektronische Geräte (Computer) betrieben werden? Andernfalls kann es zur Zerstörung von Bauteilen kommen!
  • Und so weiter.

Man kann durchaus ein paar Tage ohne Strom auskommen, wenn man sich darauf vorbereitet. Nichtsdestotrotz stehen Ihnen hier einige zusätzliche Informationen und Fragestellungen für die eigene Beurteilung zur Verfügung.

Unterschied Netzersatzanlagen und Notstromaggregaten

Man muss zwischen Netzersatzanlagen (NEA) und Notstromaggregaten (NSA) unterscheiden. Während NEA für einen Dauerbetrieb ausgelegt sind, sind es NSA nicht! Das sind vor allem jene Geräte, die unter 1.000 Euro bzw. im Baumarkt zu kaufen sind. Achten Sie daher bei der Anschaffung darauf, für welche Zwecke das Gerät ausgelegt ist. Bei der Verwendung für elektronische Geräte wie Computer müssen Sie ebenfalls darauf achten, ob das Gerät dafür geeignet ist. Ansonsten könnte der Einsatz zu Geräteschäden führen!

Generelle Fragen zu einer professionellen Notstromversorgung

Auch Betreiber von professionellen Notstromaggregaten sollten sich folgende Fragen stellen:

  • Wurde das Notstromaggregat schon unter Last länger als 12h laufen gelassen?
  • Steht ausreichend Ersatz(schmier)öl für einen Dauerbetrieb zur Verfügung?
  • Wie viel Treibstoff kann vorgehalten bzw. auch laufend umgewälzt werden?
  • Wie häufig wird die Qualität des Diesels überprüft (Dieselpest, Wassergehalt; siehe “Neue Erkenntnisse zur Lagerfähigkeit von Brennstoffen für Netzersatzanlagen“)?
  • Wie ist Ihre Nachbetankung organisiert und kann diese bei und nach einem Blackout funktionieren?
  • Welche behördlichen Auflagen gibt es, um eine professionelle Notstromversorgung errichten bzw. entsprechende Treibstoffmengen lagern zu dürfen?
  • Welche Maßnahmen sind erforderlich, um eine professionelle und sichere Einbindung in das Hausnetz überhaupt durchführen zu können (Netztrennung, Resynchronisierung, etc.)?
  • Lt. Motorhersteller sollen auch monatliche Lastläufe mit je nach Hersteller von min. 30-50% Last für eine Stunde durchgeführt werden.

Erkenntnisse zur Lagerfähigkeit von Brennstoffen für NSAs

Fazit und Maßnahmenempfehlungen der deutschen Studie “Neue Erkenntnisse zur Lagerfähigkeit von Brennstoffen für Netzersatzanlagen“:

Bei 60 % der NEAs war der Brennstoff zum Zeitpunkt der Probennahme oder in naher Zukunft nicht mehr verwendbar.

Bei ca. einem Drittel aller NEAs war der Brennstoff zwar noch verwendbar, aber schon deutlich gealtert.

Nur bei 8 % der NEAs ist der Brennstoff uneingeschränkt verwendbar.

Das deutsche Bundesamt für die Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) empfiehlt dazu im Jänner 2015 konkret:

  • Für die Betankung von NEAs ist ausschließlich speziell additiviertes schwefelarmes Heizöl nach DIN 51603-1 zu verwenden.
  • Zur Sicherung der Brennstoffqualität ist (unabhängig von der Brennstoffart) diese in regelmäßigen Abständen, abhängig von den Ergebnissen der jeweils letzten Analyse, mindestens jedoch alle 12 Monate, festzustellen und zu bewerten.

Die Beantwortung folgender Fragen erfolgt durch einen Fachmann.

  1. Frage: Ist das richtig bzgl. Biodiesel und längerer Lagerfähigkeit?
    Auch der Maxxmotion muss einen Bioanteil haben, aber im Gegensatz wird hier Palmöl verwendet das qualitativ hochwertiger ist und sich nicht mit Wasser anreichert. (FAME ist ein Esther der Wasser binden kann, passiert bei Palmöl nicht).
  1. Frage: Wenn das richtig ist, kennen Sie die Lagerfähigkeit dieses Diesels in komplett verschlossenen Kunststoffkanistern in Jahren?
    Betreffend Lagerfähigkeit kenne ich keine Studien. Ich persönlich glaube an eine Lagerfähigkeit von 4 Jahren. Bei Biodiesel etc. ist meiner Meinung die Lagerfähigkeit extrem schlecht.
  1. Frage: Rein technisch gesehen ist Heizöl Diesel mit einem Farbzusatz und könnte doch auch für ein Notstromaggregat verwendet werden, oder?
    Dem Heizöl ist ein Farbstoff (Euro-Marker) beigemengt (in geringen Mengen, aber alles was mit dem in Berührung kommt rot färbt) Einmal Heizöl getankt sieht man das immer im Filter. Es wird mit sehr hohen Strafen geahndet, wenn dies in Kraftfahrzeuge/mobile Anlagen getankt wird. Geschädigt wird nichts. Aber Heizöl extra leicht darf (lt. Produktdatenblatt) nur „zum Verfeuern in zugelassenen Ölfeuerungsanlagen verwendet werden. Die Frage ist auch, wie es mit der Schmierfähigkeit (Lubricity) aussieht.
    Das Zauberwort für NEAs heißt gekennzeichnetes Gasöl ohne Bioanteil und je nach Anlage Winterfest. Da bekommt man dann roten Diesel (Mineralölsteuerbefreit) und kein Heizöl!
    Auch Benzin (Kleinaggregate) kann altern und sollte regelmäßig umgewälzt werden.

Treibstoffversorgung
Siehe weiters den eigenen Beitrag Treibstoff(lager)problematik bzw. Treibstoffversorgung bei Stromausfall: Empfehlung für Zivil- und Katastrophenschutzbehörden für professionelle Notstromanlagenbetreiber.

Eine Reihe von zusätzlichen Problemstellungen

Mit der Anschaffung werden eine Reihe von zusätzlichen Problemstellungen geschaffen. Nur Sie selbst wissen, was Sie damit betreiben wollen und welche Leistung Sie dafür benötigen. Dann stellt sich die Frage, ob es mobil oder fix integriert werden soll. Was natürlich auch eine Kostenfrage ist. Dann müssen Sie Treibstoff vorrätig halten. Dabei gilt als Anhalt: ca. 1,5 Liter pro Stunde, bei 24 Stunden wären das ca. 36 Liter. Sie müssen das Notstromaggregat regelmäßig warten und verwenden, an sonst besteht die Gefahr von Lagerschäden, die sich erst unter längerem Lastbetrieb auswirken und meist zum Totalschaden des Gerätes führen. Besonders wichtig ist bei einer Integration in das Hausnetz die Netztrennung und die Sicherstellung der erforderlichen Schutzmaßnahmen, da es ansonsten zu Geräte- und im schlimmsten Fall sogar zu Personenschäden kommen kann!

Kosten (Richtpreis): Notstromaggregat mit Einbindung: ca. EUR 2.500,-

Beispiel aus der Weststeiermark nach Sturmschäden: Viele Gehöfte hatten sehr hohe Schäden an vorhandenen elektrischen Geräten durch Notstromaggregate, welche mittels Kabelverbindung zwischen Notstromaggregat und Steckdose die Eigenstromversorgung für die Liegenschaft durchführten. Genau das droht, wenn ohne professionelle Vorbereitung kurzfristige unsachgemäße Improvisationen durchgeführt werden!

Synergien & Nachbarschaftshilfe

Wenn es nicht vermeidbar scheint, dann sollte überlegt werden, ob es mögliche Synergien mit anderen Bedarfsträgern geben könnte, wenn z. B. kein Dauerbetrieb erforderlich ist. Wenn sich mehrere Menschen zusammentun und sich gegenseitig aushelfen (Rotationsverfahren), kommt es billiger und ist auch sinnvoller. Nicht isoliert denken! Die Nachbarschaftshilfe ist bei einem solchen Szenario ganz essentiell.
Die Erfordernisse und Voraussetzungen sollten am besten mit einem Fachmann (Elektriker) besprochen werden.

Ein sehr gutes Beispiel für die Nutzung von Synergien: Eine Organisation verfügt über eine entsprechende Notstromeinrichtung, jedoch nicht über ausreichend Brennstoffkapazitäten, um über einen längeren Zeitraum das Notstromaggregat laufen lassen zu können. Daneben gibt es eine Tankstelle. Die hat wiederum kein Notstromaggregat, aber genug Treibstoff. Durch entsprechende Absprachen und Vorbereitungen können beide gemeinsam handlungsfähig bleiben. Suchen Sie derartige Möglichkeiten!

Sollte in einer Gemeinde, Organisation, etc. ein größerer Bedarf an Notstromaggregaten festgestellt werden, dann könnte auch mittels einer Sammelbestellung ein günstiger Preis erzielt werden. Auch diese Möglichkeiten sollten genutzt werden.

Grundregeln für die Auswahl von Notstromaggregaten

Folgende Hilfestellungen wurden dankenswerter Weise von Siegfried Klein zur Verfügung gestellt und können bei der weiteren Betrachtung helfen. Wie die Ausführungen auch zeigen, ist eine Reihe von Dingen zu beachten!

Um den sicheren Betrieb von Stromaggregaten zu gewährleisten, gibt es einige Punkte, die vor der Kaufentscheidung und während des Betriebes beachtet werden müssen. Nur wenn diese Punkte beachtet werden, ist die Sicherheit für Ihre elektrische Anlage sowie eine zuverlässige Funktion und eine lange Nutzungsdauer Ihres Aggregates gewährleistet.

  1. Funktionsweise eines Generators – siehe PDF
  2. 1-phasig oder 3-phasig – siehe PDF
  3. Lösung für 3-phasige Schnellläufer-Generatoren – siehe PDF
  4. Treibstoff  Benzin, Diesel oder Heizöl – siehe PDF
  5. Welcher Diesel ist der Richtige – siehe PDF
  6. Probelauf
    Monatliche Probeläufe sind in der Praxis vielleicht etwas übertrieben und werden sicher nicht immer eingehalten. Spätestens alle 2 Monate sollte das Aggregat aber mindestens 20-30 Minuten mit einer Last von 30-50% laufen.
  7. Starterbatterie
    Die Starterbatterie muss über ein geeignetes Erhaltungsladegerät versorgt werden. Die Batterie ist im Zuge der Probeläufe zu testen und gegebenenfalls rechtzeitig zu ersetzen. Wenn im Notfall die Batterie nicht funktioniert, kann mit jeder PKW-Batterie und geeigneten Starthilfekabeln Starthilfe gegeben werden. Dabei sind alle Sicherheitsmaß-nahmen, wie gleiche Spannung und richtige Polung der Batterien und Kabel zu beachten.
  8. Wartung und Service
    Die vorgeschriebenen Wartungs- und Serviceinterwalle und erforderlichen Maßnahmen sind laut Herstellerangaben einzuhalten.
  9. Aufstellungsort
    Ein sehr wichtiger Punkt ist der richtige Aufstellungsort des Aggregates. Bei kleineren Geräten mit Luftkühlung sollte, um ein gutes Startverhalten zu erhalten, der Aufstellungs-ort unbedingt in Innenräumen liegen in denen die Temperatur nicht unter ca. 5°C fällt. Größere, flüssigkeitsgekühlte Aggregate verfügen über eine Motorvorwärmung und können auch an kälteren Standorten aufgestellt werden. Sehr wichtig ist es auch für eine geeignete Abluft- und Abgasabführung zu sorgen, um eine Überhitzung des Motors zu vermeiden und einer Vergiftungsgefahr vorzubeugen. Achtung bei schlechter Abgasabführung besteht LEBENSGEFAHR durch CO-Vergiftung!. Grundsätzlich sind vor der Inbetriebnahme alle behördlichen Auflagen für die Aufstellung des Aggregates und für die Lagerung des Treibstoffvorrates zu beachten.
  10. Einspeisung in die Hausinstallation
    Die Einspeisung darf nur über dafür zugelassene händische „Netz-Notstrom Umschalter“ oder über automatische ATS-Umschalteinrichtungen erfolgen. Die Ausführung der Einspeisestelle muss von einem Fachbetrieb errichtet werden und ein E-Protokoll ist dafür auszustellen. Alle selbst „gebastelten“ Einspeisungen über Steckdosen, direktes Anklemmen im Verteiler, Verlängerungskabel mit 2 „Stecker“ oder dergleichen, sind streng verboten und Lebensgefährlich.

Nur wenn Sie vor der Anschaffung alles richtig planen und sich an ein paar Grundregeln halten, wird ihr Stromaggregat im Notfall auch einwandfrei funktionieren.

Weitere Hilfestellungen:

Zapfwellengeneratoren

Eine besondere Lösung bietet etwa die Oberösterreichische Firma Schneeberger mit ihren Zapfwellengeneratoren an:

Unsere Zapfwellengeneratoren sind sehr wartungsarm. Der erste Ölwechsel ist nach 25 Stunden fällig, dann alle 500 Stunden oder alle drei Jahre. Einmal im Jahr ist ein Probelauf notwendig um die Grundmagnetisierung wieder aufzubauen, und der Luftfilter muss alle 25 Stunden kontrolliert werden. Da Zapfwellengeneratoren mit Traktoren angetrieben werden erspart man sich natürlich eine separate Lagerung von Treibstoff.

Der produzierte Strom ist selbstverständlich für EDV-Anlagen geeignet, sonst könnten wir keinen Generator an die Landwirtschaft verkaufen. Zu Abnehmern unserer Zapfwellengeneratoren gehören Landwirte unterschiedlicher Größe, aber auch Biogasanlangenbetreiber und Kommunalverwaltungen.

Mit unseren Generatoren kann man alle Geräte betreiben die man auch über das normale Stromnetz betreibt. Sichergestellt wird das durch unsere Platine die die Spannung und die Frequenz überwacht und die Steckdosen vom Generator trennt sobald die die Werte von den vorgegebene Parametern abweichen. Für den Feldbetrieb haben wir noch eine dritte Überwachungsart, die Isoaltionsüberwachung, diese ersetzt den Erdungsspieß und den FI.

Der Preis der Generatoren beginnt ab 3.000 Euro. Die Lösung dürfte vor allem in ländlichen Gebieten sehr interessant sein, wo auch Traktoren zur Verfügung stehen. Dabei ist nicht nur der Einsatz in landwirtschaftlichen Betrieben, sondern auch generell in Kommunen vorstellbar, was wiederum vor allem die Feuerwehren entlasten könnte.

Photovoltaikanlagen

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Auch Besitzer einer Photovoltaikanlage haben bei einem Stromausfall/Blackout in der Regel keine Stromversorgung! Denn rund 95% der Anlagen sind netzgeführt. Das bedeutet, sie produzieren nur dann Strom, wenn 50 Hertz in der Leitung anliegen. Bei einem Netzausfall ist das eben nicht mehr der Fall. Nur Anlagen, die für einen Inselbetrieb ausgelegt sind, können auch ohne Stromnetz produzieren.

Siehe etwa auch „Insel“ im Katastrophenfall: Photovoltaikanlage mit Solarspeicher bzw. notversorgungsfähige Energiezellen.

Steckdosenfarben

In einigen sicherheitskritischen Bereichen wie Krankenhäusern kommen Schuko-Steckdosen in verschiedenen Farben zum Einsatz. Es gibt für dieses Farbcodiersystem keine allgemein gültige Norm, aber allgemein anerkannte Konventionen:

Farbe Beschriftung Bezeichnung Bedeutung
weiss, grau, …
Normale Steckdose, an das normale Stromnetz angeschlossen. Aber auch grau mit Aufkleber:
Geschalteter Stromkreis, der außerhalb der Dienstzeit ausgeschaltet ist, damit diverse
Geräte nicht ohne Aufsicht am Netz sind.
rot
-/EDV EDV-Netz mit Überspannungsschutz, separate Verteilungen, Überbrückung
kurzzeitiger Ausfälle (einige Sekunden) möglich. Manchmal kennzeichnen sie eine
galvanische Trennung vom Stromnetz, z. B. über einen Trenntransformator.
grün
SV Sicherheits-Versorgung Netz mit unterbrechungsfreier Stromversorgung (USV) und Überspannungsschutz
für die Weiterversorgung kritischer Verbaucher im Notfall (z. B. OP-Beleuchtung).
Grün kann auch darauf hinweisen, dass die entsprechenden Dosen nicht durch
einen vorhandenen Notausschalter vom Netz getrennt werden.
orange
ZSV Zentrale/zusätzliche Sicherheits-Versorgung Netz mit unterbrechungsfreier Stromversorgung (USV) und Überspannungsschutz
für die Weiterversorgung kritischer Verbaucher.
gelb, blau
Extra gekennzeichnete Steckdosen für Sonderspannungen.

Bildquelle: Busch-Jäger; Quelle: www.netzmafia.de

Was tun bei Stromausfall – Strom selbst erzeugen