Risiko eines Strom-Blackouts

 

Vernetzung und wechselseitige Abhängigkeiten

Vernetzung

In den vergangenen Jahrzehnten hat die technische Vernetzung massiv zugenommen. Bisher wurde unsere Gesellschaft vorwiegend mit den damit verbundenen positiven Effekten konfrontiert. Seit einigen Jahren steigt jedoch das Bewusstsein, dass es speziell im Cyberbereich auch negative Entwicklungen gibt, die noch dazu rasant ansteigen. Dabei handelt es sich nicht um die einzige Bedrohung für eine moderne Gesellschaft mit ihrer technikabhängigen Infrastruktur. In unserer vernetzten und wechselseitig abhängigen Strategischen Infrastruktur können sich Störungen dadurch leichter über Systemgrenzen hinaus ausbreiten. Ein (Teil-)Ausfall des Internets, sonstiger Kommunikationseinrichtungen oder der Stromversorgung hätte sofort weitreichende Konsequenzen und würde zu schwer vorhersehbaren Dominoeffekten und Versorgungsunterbrechungen führen.

Zunehmender Aufwand für die Stabilisierung des Stromnetzes

Quelle: APG

risikoIn den vergangenen Jahren ist der Aufwand zur Stabilisierung des Stromnetzes massiv angestiegen. So waren etwa in Österreich dafür 2011 2 Millionen, 2013 bereits 13 Millionen, 2014 22 Millionen und 2015 über 220 Millionen Euro erforderlich (siehe Auswertung Redispatching & Intradaystops). Auch in Deutschland werden enorme Aufwände betrieben (siehe Hitzewelle kostet Stromverbraucher viele Millionen). So stiegen etwa die Redispatchingkosten von einer Milliarde Eure im Jahr 2014 auf 1,6 Milliarden Euro im Jahr 2015. Ein System, dass zunehmend an der Belastungsgrenze betrieben wird, wird störungsanfälliger und neigt zu Dominoeffekten. Auch aus anderen Ländern werden immer wieder kritische Situationen gemeldet (siehe etwa Polen entgeht nur knapp dem BlackoutBelgien: Alarm auf dem StrommarktSchweiz: Wieso uns bald ein Blackout drohen kann).

Die Auswertung “Risikoeinschätzungen Blackout-Gefahr” fast Aussagen aus unterschiedlichen Studien und von Behörden zum Thema „Blackout/Krisenmanagement bei einem Blackout“ zusammen.

Wann ist das Risiko am höchsten?

Als besonders sensible Phase ist eine länger andauernde Kältewelle im Winter einzustufen (vgl.”Monitoring-Bericht 2012 der deutschen Bundesnetzagentur” oder Schweiz: Wieso uns bald ein Blackout drohen kann, FRA: Bei Kältewellen drohen Versorgungsprobleme). Auch die Weihnachtszeit stellt eine zunehmend größere Herausforderung dar (Eine Analyse der Situation rund um Weihnachten 2014 bzw. Eine Analyse der Situation rund um Weihnachten 2015). Bei Vorliegen der entsprechenden Rahmenbedingungen ist jedoch ein Eintritt auch zu jedem anderen Zeitpunkt möglich, wie etwa die Situation während der Hitzewelle im August 2015 in Polen gezeigt hat.

Risikoeinschätzung in der Schweiz: Ein Ereignis, dass alle 30 Jahre auftreten kann

In der Schweiz geht man systematischer an dieses Thema heran und hat bereits im Risikobericht 2012 ein mögliches Blackout als das #1 Risiko identifiziert. Auch im Update 2015 ist ein Blackout bzw. eine Strommangellage das Top-Risiko für die Schweiz und damit wohl für ganz Europa! Nicht zuletzt auch deshalb wird in der Schweiz die Bevölkerung umfassend über dieses Thema informiert, wie etwa zuletzt am 02. Jänner 2017 im Rahmen des SRF-Thementages Blackout, wo auch die Risikolandschaft (Blackout-Studio: Wer ist betroffen?) angesprochen wurde:

Verband der europäischen Übertragungsnetzbetreiber (ENTSO-E)

Die ENTSO-E kommt in ihrem Untersuchungsbericht zum Türkei-Blackout im Jahr 2015 zum Schluss: “Die Wahrscheinlichste Ursache ist eine Kette von Fehlern, die in dieser Form auch in anderen Ländern zu jedem Zeitpunkt auftreten kann.” und “Although the electric supply should never be interrupted, there is, unfortunately, no collapse-free power system!”

Wahrscheinlichkeit eines Blackouts

Schwarzer SchwanEine im Zusammenhang mit dem Thema “Blackout” immer wieder gestellte Frage ist die nach der Wahrscheinlichkeit des Eintritts. Diese kommt aus unserem bisherigen Risiko-Denken. Dabei wird jedoch leicht übersehen, dass sich extrem seltene, aber mit enormen Auswirkungen behaftete Ereignisse mit den bisher bewährten Methoden kaum erfassen lassen (siehe “Schwarzer Schwan” bzw. die Truthahn-Illusion). Daher spielt in diesem Zusammenhang die Wahrscheinlichkeit – auch wenn sie bereits als sehr hoch einzustufen ist – eine nachgeordnete Rolle. Entscheidend sind die Konsequenzen, die mit diesem Ereignis verbunden sind. Daher geht es vorrangig darum, mögliche Schäden zu minimieren und die Ausfallzeiten kurz zu halten (siehe auch die Detaillierung zur Wahrscheinlichkeit).

Keine Prophezeiungen oder Prognosen

Natürlich kann auch nicht ausgeschlossen werden, dass das Szenario nicht, oder nicht in nächster Zeit oder nicht im erwarteten Umfang eintritt. Es wäre aber aufgrund der zu erwartenden Auswirkungen unverantwortlich, sich nicht dennoch darauf vorzubereiten (siehe auch Verletzlichkeitsparadox).

Mögliche Ursachen und Auslöser für ein Blackout

Auch wenn es in Europa sehr selten ein Blackout gab, gibt es zahlreiche mögliche Auslöseereignisse, die zu einer derartigen Großstörung führen können:

  • Naturereignisse (Erdrutsch, Erdbeben, Hochwasser, Trockenheit (Kühlwassermangel), Sonnensturm)
  • Menschliches Versagen (Schaltfehler, Fehlreaktionen)
  • Technisches Versagen (Wartungsmängel, Überalterung von Anlagen, Fehler)
  • Ausfall der Primärenergie (Mangel an ÖL, Gas, Kohle oder Brennstäben, Wasser)
  • Systemische, organisatorische Mängel
  • Der internationale Stromhandel führt laufend zu überhöhten Systembelastungen; Unterschied Physik <-> Markt
  • Kriminelle Handlungen (Diebstahl (Kupfer!), Betrug, Erpressung)
  • Gezielte terroristische Anschläge
  • Elektromagnetischerpuls (EMP), Mikrowellen, Koronaler Massenauswurf der Sonne (KMA; Zerstörung von Elektronikbauteilen)
  • Cyber-Angriffe

Die derzeit höchste Gefahr geht wahrscheinlich von einem Systemversagen aus.

Blackoutursachen

 

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Weiterführende Informationen

 

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