Was so alles schief gehen kann … und geht! Erfahrungen aus der Praxis

 

Auf dieser Seite werden anonymisierte Vorfälle gesammelt, die eigentlich nicht passieren hätten dürfen bzw. die Problemlagen im Kleinen aufzeigen, welche jedoch Rückschlüsse auf die möglichen weitreichenden Folgen eines Blackouts zulassen.

“Ein kluger Mann macht nicht alle Fehler selbst.
Er gibt auch anderen eine Chance.”

Winston Churchill

Normal Accident Theory

(Auszug WikipediaCharles PerrowMikadostäbchen - Wechselseitige Abhänigkeiten, US Organisationstheoretiker und Soziologe, wurde in den 1980er durch Normal Accidents: Living With High Risk Technologies bekannt. Darin entwickelt er die Vorstellung, dass katastrophale Ereignisverkettungen in komplexen Systemen wahrscheinlich nicht vollständig bzw. nicht dauerhaft zu vermeiden sind.

Im Kern der Überlegungen Perrows steht die Theorie der Normalen Katastrophen. Katastrophenartige Unfälle sind demnach insbesondere in eng gekoppelten und komplexen Systemen unvermeidbar. In diesen Fällen kann einzig die Interaktion multipler Fehler den Unfall erklären. Perrows Theorie sagt voraus, dass Fehler auf verschiedenartige und unvorhergesehene Weisen auftreten können, die fast unmöglich vorhersagbar sind (Nichtlinearität).

Die wesentliche Differenz besteht für Perrow in den industriellen und technischen Umwelten der Organisation. Je nach Kerntechnologie variiert die Wahrscheinlichkeit, mit der eine undurchschaubare und deswegen schwer zu kontrollierende Ereignisverkettung eintritt, an deren Ende ein katastrophales Ereignis stehen kann.

Hauptursachen für Katastrophen

  • Mangelhafte Fehlerfreundlichkeit
  • Trotz, wenn nicht sogar wegen der hohen Sicherheitstechnik
  • Menschliches Fehlverhalten – Übersteuerung

Jedoch ist dabei zu berücksichtigen:

Es wird also klar, daß Unfälle und Katastrophen nicht in Einzelfällen und nur aufgrund von menschlichem Versagens auftreten. Sondern die Wahrscheinlichkeit eines Störfalls, der zu einem Unfall oder einer Katastrophe wird, steigt mit zunehmender Komplexität und Kopplung eines Systems. Je komplexer und je enger gekoppelt ein System ist, umso effizienter ist es auch. Aber in gleichem Maße steigt die Wahrscheinlichkeit eines unvermeidbaren Unfalls, der aufgrund der komplexen Interaktion der Komponenten nicht oder kaum beherrschbar ist. Katastrophen sind also normal, ihnen kann nur versucht werden durch Antizipation der möglichen Folgen in alle Richtungen entgegenzuwirken. Aufgrund der unvorhersehbaren Wechselwirkungen wird man sie aber nie sicher machen können. Wenn Unfälle aber unvermeidbar sind, muß man sich entscheiden bei welchem Nutzen man, welche Risiken, in Kauf nehmen will. (Quelle: Ortwin Renn – Normale Katastrophen nach Perrow, 2001; siehe auch Das Risikoparadox)

Daher führt die zunehmende technische Vernetzung zu steigenden systemischen Risiken mit kaum absehbaren Auswirkungen, was insbesondere bei der Auseinandersetzung mit dem Thema “Blackout” klar wird. Man öffnet hier die Büchse der Pandora.

Murphy-Liste

Im weitesten Sinne handelt es sich hier auch um eine Murphy-Liste, die sich an Murphy’s Law orientiert – „Alles, was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen“. Es ist eine auf den US-amerikanischen Ingenieur Edward A. Murphy, jr. zurückgehende Lebensweisheit, die eine Aussage über menschliches Versagen bzw. über Fehlerquellen in komplexen Systemen macht.18

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Organisatorische Mängel

fragezeichenOrganisatorische Mängel und Fehlentscheidungen spielen fast immer eine entscheidende Rolle und sind daher auch in den nachfolgenden Abschnitten direkt angeführt.

Systemzustand kann nicht überprüft werden, weil kein Anlageverantwortlicher vor Ort ist …

Folgen: Beispielsweise können NOT-HALTs nicht „entschärft“ werden

Dieser Punkt unterstreicht die Notwendigkeit der aktiven Einbindung der MitarbeiterInnen in eine Blackout-Vorbereitung!

Keine definierten Anleitungen für das Herunterfahren und Neustarten

  • Wartungspersonal weiß nicht was zu tun ist
  • Systeme werden zum Herunterfahren vergessen; Folgen: harte Abschaltungen, inkonsistente Daten und Systeme
  • Systeme werden nicht richtig eingeschaltet/wieder hochgefahren (die Reihenfolge ist wichtig!)

Keine realitätsnahen Übungen

Immer wieder zeigt sich, dass viele Fehler durch realitätsnahe Übungen rechtzeitig entdeckt und beseitigt werden könnten. Das beginnt im Kleinen, ob etwa Geräte an der richtigen Steckdose angeschlossen sind und setzt sich fort bis zu realitätsnahen Krisen(stabs)übungen, um geänderte Abläufe und Rollen zu üben und einzuspielen.

Gerade Krisenorganisationen erfordern ein anderes Denken und Handeln (hierarchisch), dass im Alltag meist nicht zum Einsatz kommt, aber in der Krisenbewältigung ganz entscheidend ist. Viele Fehler passieren darüber hinaus durch eine nicht vorbereitete Krisenkommunikation, die sich in der Regel nicht mit der gewöhnlichen Öffentlichkeitsarbeit/PR deckt.

Intensivstation

Bachelorarbeit “Die Versorgungsdienstleistungen einer Intensivstation während eines Blackouts” von Philipp Lorenz

  • Besonders alarmierend ist die Erkenntnis, dass auf operativer Ebene keinerlei Informationen zu Notfallszenarien existieren. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Intensivstation werden weder geschult, noch eingewiesen. Hier ist ein besonders hoher Handlungsbedarf gegeben, da sich eine durchgehende Unsicherheit zu diesem Thema abgezeichnet hat und die befragten Personen auch ausgesagt haben, gerne mehr über dieses Thema erfahren zu wollen und auch besser in ihrem Bereich darauf vorbereitet sein wollen.
  • Der beste Notfallplan funktioniert nicht, wenn nur die strategische Führungsebene Kenntnis hat und nie mit dem Personal der operativen Ebene gesprochen oder gar geübt wurde.
  • Ein großes Problem im Falle eines Blackouts ist die Alarmierung weiterer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie die Garantie, dass diese auch am Arbeitsplatz erscheinen.
  • Wenn jedoch ein Blackout eintritt und nicht einmal der leitende Oberarzt der Intensivstation weiß, wie vorzugehen ist, dann stellt dies doch ein markantes Risiko dar.

Alarmierung

Durch den zeitnahen Ausfall der Handynetze müssen auch erhebliche Probleme bei der Alarmierung erwartet werden. Die Stadtentwässerung Dresden hat daher folgenden Lösungsweg gewählt, der derzeit noch weiterentwickelt wird, um auch eine Nachalarmierung/Ablöse sicherstellen zu können:

Für die Kommunikation haben wir verschiedene Bausteine, die zusammenwirken müssen, da wir leider (noch) keine Funklösung für das gesamte Stadtgebiet haben. Als größte Herausforderung sehen wir die Erstalarmierung der Bereitschaftsdienste und Führungskräfte in der Nachruhephase an, um in der ganz wichtigen „goldenen ersten Stunde“ bereits einsatzfähig zu werden. Wir haben dafür den früheren City-Ruf wiederentdeckt. Das System wird (zumindest in Deutschland) weiterhin von der Firma e*message betrieben (https://www.emessage.de/). Da die Rufempfänger jedoch üblicherweise über die normalen Festnetz- und Mobiltelefonsysteme alarmiert werden, haben wir mit dem Anbieter einen Sonderweg finden können. Wir unterscheiden dabei nach einem Einzelalarm im normalen Störungsfall und dem Gruppenalarm z.B. im Falle eines Blackout. Dazu wird vom Schichtleiter in unserer ständig besetzen Leitwarte ein Alarmknopf gedrückt, über den sofort alle Geräte gleichzeitig den Alarm erhalten. Die Übertragung erfolgt in diesem Fall über ein separates Satellitenterminal in die Zentrale von e*message und wird von dort über ein eigenes Funksystem verteilt. Sowohl unsere Zentrale als auch die einzelnen Sender von e*message verfügen über eine ausreichend große USV-Anlage bzw. Notstromversorgung, so dass das Zeitfenster für die Alarmierung der Mitarbeiter ausreichend groß ist. Die Mitarbeiter erkennen diesen Sonderalarm an einer definierten Anzeige im Display des Rufempfängers und begeben sich ohne vorherigen Rückrufversuch unverzüglich ins Unternehmen. Auf diese Weise können innerhalb der ersten Stunde etwa 10 Mitarbeiter zusätzlich zum Schichtdienst zum Einsatz kommen. Das System ist bereits installiert und wir werden in Kürze mit der praktischen Nutzung beginnen. Wir werden in diesem Jahr drei Blackout-Übungen durchführen. Neben dem Inselbetrieb der Kläranlage und dem Notstromtest einer Kette von Pumpwerken, die geplant vorbereitet werden, soll es auch einen unangekündigten Test als Alarmierungsübung geben.

Die Nutzung von Stromausfallmeldern haben wir diskutiert. Das kann für kleinere Betreiber sicherlich eine einfache und kostengünstige Lösung sein. Wir haben aber darauf verzichtet, da diese dann bei jedem kurzen und räumlich eng begrenzten Stromausfall Alarm auslösen. Außerdem können wir die Nutzung dieser Geräte kaum beeinflussen und kontrollieren. Deshalb haben wir uns für die aufwendigere aber in unser bestehendes Bereitschaftssystem integrierbare Lösung entschieden, deren Funktion wir testen können.

Mit Ihrer Sicht auf die Mitarbeiterverfügbarkeit haben Sie wohl Recht. Wir gehen davon aus, dass zu Beginn des Ereignisses die Einsatzbereitschaft noch groß sein wird, was sich mit der Dauer dann aber mit jedem Wechsel (wir planen 12 Stunden) ändern dürfte.

Sonstige Erfahrungen

  • Gewartete Schaltanlagen werden nicht mehr eingeschaltet (vergessen..?)
  • Man findet defekte Schattensysteme von denen man keine Ahnung hat…aber auch keine Backups… und die Platten sind hinüber.. (aber das passiert nicht so oft)
  • Wartungspersonal kommt nicht zurecht alle Probleme auf einmal zu lösen (Gleichzeitigkeitsbedarf!!)

Infrastrukturversagen

Wasserversorgung – UV-Entkeimungsanlagen

Siehe dazu den Beitrag Wenig beachtete Sollbruchstelle in der Wasserversorgung bei Blackout

In der Praxis: Die Gemeinde hat letztes Jahr ein Notaggregat bestellt für den Trinkwasserbehälter. Denn wenn der UV-Filter das Wasser nicht reinige, stoppe die Wasserversorgung.

Solarthermieanlage

Wenn unter Tags bei Sonnenschein ein Stromausfall passiert, funktioniert unter Umständen die Zirkulation in Solarthermieanlagen (Heißwasserkreislauf – Pumpen) nicht mehr. Dadurch kann es binnen Minuten zu einem massiven Anstieg der Wassertemperatur und zur Überhitzung kommen, was zum Öffnen von Überdruckventilen führt. Bei älteren Anlagen besteht die Gefahr, dass Dichtungen kaputt werden (Alterung) und es dann zu einem unkontrollierten Wasserdampfaustritt (> 140°C!) kommt, was lebensgefährlich ist. Quelle: ARD,  ab Minute 36:20

Krankenhausversorgung

Krankenhäuser können  sich theoretische beliebig lange mit Notstrom selbst versorgen , solange Diesel nachgeliefert werden kann. Ein Notstrombetrieb ist mit den vorhandenen Treibstoffvorräten in der Regel zwischen 24 und 72 Stunden möglich. Das Problem liegt im Bereich der Versorgung mit medizinischen Ver-und Gebrauchsgütern, Dialysat, Dialysatoren, Medikamenten (Antibiotika , Insulin, uvm.), Essen, ev. Wasser. Offen ist die Frage der Ver – und Entsorgung mit radioaktiven Stoffen, frischer Wäsche oder Müll (zum Teil mehrere Tonnen). Dann aber kommt noch die Entsorgung von Leichen oder Leichenteilen dazu und unendlich viel mehr.

Siehe dazu auch den Leitfaden “Der Krankenhausbetrieb im Fall eines weitreichenden Strom- und Infrastrukturausfalls”

Kanalisation – Dresden

Beim Elbehochwasser 2002 wurde das Kanalsystem in Dresden total außer Funktion gesetzt. Durch den Eintritt des Hochwassers in das Kanalsystem hat nichts mehr funktioniert außer Selbsthilfe und Privatinitiative.

Anmerkung Stadtentwässerung Dresden: Die Schilderung passt tatsächlich zur Situation 2002, da es bis dahin keinerlei Vorbereitung auf ein derartiges Ereignis gab. Bereits ab 2003 haben wir nach Beseitigung der größten Hochwasserschäden an den Abwasseranlagen jedoch mit der Erarbeitung von Hochwasserkonzepten begonnen und dieser in den nachfolgenden Jahren weitgehend umgesetzt. Ergebnis: 2013 hat die Stadtentwässerung von der Leitung der Uniklinik einen ausdrücklichen Dank für die Bewältigung der Hochwassersituation erhalten. Eben diese Erfahrung der Wirkung von Vorsorgekonzepten motiviert uns zur Auseinandersetzung mit dem Thema Blackout.

Kanalisation – Unterschätzte Gefahr!?

Auch ein österreichisches Unternehmen berichtete von den Folgen einer fehlenden bzw. einer schadhaften Rückstauklappe, die den Rückfluss von Abwässern aus der Kanalisation in das Gebäude verhindern sollte. Hier führte ebenfalls ein Hochwasser zu massiven Schäden.

Ein derartiges Szenario muss auch erwartet werden, wenn die Wasserversorgung (wie etwa in Wien: Wasserversorgung selbst bei einem Blackout sicher) funktioniert. Denn im Kanalsystem gibt es viele Hebeanlagen zur Überwindung von Steigungen, die oft nur wenige Stunden gepuffert sind, außer natürlich besonders wichtige und große. Daher ist damit zu rechnen, dass einzelne Häuser geflutet werden, bzw. es zu lokalen Austritten von Abwässern kommt, was wiederum die Seuchengefahr erhöht.

Unterschätzte Supply Chain Verwundbarkeit

Ein Unternehmen an der 110 kV Ebene verliert bei einem längeren Stromausfall die in Kühlhäusern gelagerten Arznei-Grundstoffe . Es sind bereits dynamische Netzersatzanlagen vorhanden, doch Diesel und Erdgas reichen nicht allzu lange aus (ca. 1 Tag). Ein länger dauernder Ausfall kann damit einige Millionen € an Werten vernichten.

Dabei geht es längst nicht nur um den finanziellen Wert, der dabei vernichtet wird, sondern um die massiven Auswirkungen auf die (nicht-elektrische) Versorgungssicherheit! Denn das wird wahrscheinlich kein Einzelfall bleiben und wir haben heute schon laufend Versorgungsengpässe bei der Arzneimittelversorgung, wenn auch aus anderen Gründen. Von den ganzen anderen Bereichen möchte ich gar nicht erst reden.

Der Neckar trat wegen eines Stromausfalls in Rottenburg über die Ufer

Vier Stunden lang war in Teilen der Rottenburger Kernstadt am Dienstagnachmittag der Strom weg. Von dem Stromausfall war auch das städtische Wasserkraftwerk in der Tübinger Straße betroffen. Ohne Elektrizität funktionierte die automatische Steuerung des Wehrs nicht mehr, sodass offensichtlich nicht genug Wasser abfließen konnte. Zeitweise trat deshalb der Neckar an manchen Stellen der Kernstadt einige Zentimeter über die Ufer. Das Hochwasser richtete laut den Stadtwerken aber keine Schäden an. Quelle: www.tagblatt.de

Nebeneffekte

Die Temperatur in einem Rechenzentrum steigt kritisch an. Zunächst herrscht Ratlosigkeit. In weiterer Folge stellte sich heraus, dass die Wasserkühlung nicht mehr richtig funktionierte. Ursache: Es gab einen Stromausfall im benachbarten Gebäude, wo auch die Wasserpumpen installiert waren. Die Wasserpumpen(kühlung) war nicht im Sicherheitskonzept integriert.

“Die elektrisch betriebenen Türen ließen sich nicht schließen. Also blieb zunächst keine andere Lösung, als mit viel Personal Kundengespräche an der Eingangstür zu führen.”

“Nachdem der erste Schreck über die plötzliche Dunkelheit überwunden war, kamen bereits die ersten verärgerten Kunden, die den hauseigenen Parkplatz nicht verlassen könnten. Wir hatten keine andere Möglichkeit, als ganz schnell die Schranke abzuschrauben”

“So ganz wohl war ihm aber auch nach der Aktion nicht. Kameras und Sicherheitsschleusen funktionieren nicht – ich hoffe, es ist niemand mehr drinnen, der noch einkauft.”

Redundanzen versagen

Nach einem Blitzschlag während eines nächtlichen Gewitters setzte die automatische Belüftungsanlage im Stallgebäude aus, sämtliche Notsysteme versagten ebenfalls. 1.770 der mehr als 2.000 dort untergebrachten Mastschweine, Ferkel und Läufer erstickten binnen weniger Stunden wegen Sauerstoffmangel.

“Normalerweise hätte in so einem Fall ein Notsystem greifen müssen, das die Fenster automatisch öffnet und einen Alarm per SMS auslöst”

Kettenreaktion 1

DominoeffekteEin Softwaredefekt hat dazu geführt, dass sich die Wasserversorgung im Wasserwerk Mödling abgeschaltet hat. Die dafür vorgesehenen Sicherheitssysteme schlugen jedoch nicht automatisch Alarm. Mehrere Sicherheitsstufen wurden nicht aktiviert, der Überwachungsdienst wusste nicht, dass sich die Systeme abgeschaltet haben. Dazu kam, dass es im Pumpwerk Moosbrunn einen Stromausfall gab, der die Pumpe deaktivierte. Ein Mitarbeiter musste am Morgen die Pumpe per Hand wieder in Betrieb nehmen.

In den Wasserbehältern wird prinzipiell Wasser für einen Mödlinger Tagesbedarf gespeichert. Von Sonntag auf Montag wurde dieses Speichervolumen verbraucht. Durch den Softwaredefekt haben sich die Behälter aber nicht mehr neu aufgefüllt und waren am Montagmorgen leer.

Siehe Mödling stundenlang ohne Wasser

Kettenreaktion 2

Quelle: Rainer v. zur Mühlen VZM GmbH, Bonn

  • 12. September 2016: 17:44 Uhr Stromausfall  wg.  Umbauarbeiten  an 110kV-Schaltanlage
  • Eine Schaltmaßnahme führt zu Netzausfall
  • 5 Umspannanlagen im Stadtwerkenetz werden durch Schutzanlagen aufgrund Frequenzwischern automatisch abgeschaltet

Auswirkungen

  • 600.000 (?) Haushalte und Unternehmen
  • u.a. ein Großbetrieb des Einzelhandels mit Ausfall aller Kassensysteme in 100%-iger  Betriebsunterbrechung
  • Auch Rechenzentren sind betroffen
  • Und das Wasserwerk:
    • Keine Trinkwasserpumpe läuft
    • Nach Strom-Wiederanlauf kein automatischer Restart der Brunnenpumpen
    • Behälter laufen über Nacht leer
    • weil die Telekommunikationsanlage der Wasserwerke betroffen ist
    • Leitstelle erhält wg. Stromausfall keine Meldung aus der Wasserstandsüberwachung der Behälter
    • Es schalten sich auch die Netzpumpen ohne Rückmeldung wg. niedrigen Wasserstandes automatisch ab. Leitungsnetz läuft leer, nur nasse Luft… und keine Anzeige in der Leitstelle
    • Die Füllstandsanzeigen und Pumpenzustände werden nur „eingefroren“ angezeigt.
    • Offensichtlich war die Leitzentrale gepuffert. Aber sie erhielt keine neuen Daten. Sah aus, als wäre alles in bester Ordnung – aber nur auf den Bildschirmen…
  • Betroffen: Teile von Wiesbaden und Mainz, Groß Gerau (Gerauer Land) und andere  Gemeinden

Stromausfall in Mainz und Wiesbaden 16.11.17

Quelle: www.focus.de

  • steckengebliebene Aufzüge
  • durch automatische Brandschutzsysteme ausgelöste Feueralarme
  • kein Licht, die Kassen und automatische Türen funktionierten nicht
  • Kunden konnten nichts kaufen
  • ohne Heizung im Durchzug von zwei geöffneten Türen
  • fielen Ampeln aus, es kam zu Verkehrsbehinderungen
  • Alarm ausgelöst und die Türen verriegelt

Kurzes Flackern im Stromnetz wird vielerorts zur Zitterpartie (23.11.17)

Quelle: www.freiepresse.de

Ein technischer Fehler im Umspannwerk im mittelsächsischen Niederwiesa ging auch an vielen Stromkunden im Erzgebirgskreis nicht spurlos vorüber.

Spannungseinbrüche  – Spürbar seien diese durch kurzzeitiges Flackern des Lichtes gewesen. Der Fehler sei konkret 12.06 Uhr aufgetreten. Spannungsstörungen seien aber noch rund 30 Minuten danach feststellbar gewesen.

Mit den Auswirkungen hatten Kunden in der Region aber länger zu kämpfen. Erst nach anderthalb Stunden lief in der Waldkirchener Rolle-Mühle die Produktion wieder an. So war durch den Stromausfall unter anderem die Computer-Anlage abgeschmiert, mit der die Getreidemischung gesteuert wird. “Dann funktioniert nichts mehr”, so Juniorchefin Anne Rolle-Baldauf. Auch mit der Warenabnahme habe es deshalb Probleme.

Bei der Firma Grünperga Papier in Grünhainichen konnten die Maschinen erst nach zwei Stunden Stillstand wieder flott gemacht werden. “Wir mussten zuerst unsere Rohrleitungen auswaschen und das Heizkraftwerk wieder in Betrieb nehmen“, berichtete Geschäftsführer Ulf Ender. Durch den Produktionsausfall seien dem Unternehmen mindestens 4000 Euro Schaden entstanden. Ein elektronisches Bauteil eines Rollenschneiders wurde möglicherweise beschädigt, sodass Folgekosten nicht ausgeschlossen sind. Glücklicherweiseseien aber die Aufträge durch den kurzen Stillstand nicht in Gefahr geraten.

Im Drogeriemarkt Rossmann in Zschopau fiel der Strom zwar nur kurz aus, doch schalteten sich zunächst die Kassen aus. Schwer betroffen war auch die Commerzbank in Zschopau. “Seit dem Mittag geht hier nichts mehr. Die Server sind ausgefallen. Wir können uns an den Computern nicht mehr anmelden”, sagte Filialleiter Nico Richter. Auch die Bankautomaten streikten.

Alarmanlagen

Die Strom-Panne legte den kompletten Hamburger Norden lahm. Am Langenhorner Markt lief minutenlang nur noch die Alarmanlage der Haspa in Dauerschleife – Quelle: www.mopo.de

Folgeschäden

Bei der Tankstelle wurde durch eine kurzzeitige Überspannung nach dem Stromausfall das Kassensystem beschädigt. Am Donnerstagabend und auch am Freitagvormittag mussten sämtliche Kunden abgewiesen werden. Quelle: www.pnp.de

Planungsfehler, Kettenreaktion 3

Quelle: Rainer v. zur Mühlen VZM GmbH, Bonn/Sicherheitsberater

Nichts ging mehr in Berlin. Um die Mittagszeit des 27. Juni hatten 67.000 Haushalte und etwa 4000 Gewerbegebiete keinen Strom. Der Hammer: die Feuerwehr konnte nicht ausrücken. Aufgrund von Recherche stellte die Redaktion trotz des Mauerns Verantwortlicher fest, dass das kein Einzelfall ist und auch kein Einzelfall bleiben wird. Der festgestellte Planungsfehler scheint fast systemimmanent zu sein.

Die Großen Schnellöffnungstore der Feuerwachen werden elektromotorisch betrieben. Herstellerseits sind die Antriebe teilweise so konzipiert, dass der Motor aus der Sicherheit gegen unbefugtes Öffnen von außen, blockieren. Wie bei den privaten Garagentoren auch. In einem der recherchierten Fälle behalf sich Großstadtfeuerwehr dadurch, dass sie den Alarm an die nächste Wache im benachbarten Stadtbezirk weiter gab. Die hatte zwar den gleichen Tortypen, nur waren wegen Wartungsarbeiten an Feuerwehrgerät die Tore zufällig geöffnet und standen dem Ausrücken nicht im Weg.

Eine andere Wehr alarmierte die Freiwillige Feuerwehr des benachbarten Landkreises, die händisch zu öffnende Tore hatte. So konnte man den Alarmen folgen.

Ein weiteres Problem wurde durch die Stromausfälle deutlich. Am 17.3.2017 gab es einen 5-stündigen Ausfall (2:44-7:30 Uhr) im Berliner Süden. Ca. 35.000 private Haushalte und etwa 1.500 Gewerbebetriebe waren betroffen. Ein Betroffener Leser des Sicherheits-Berater berichtete der Redaktion, dass zu dieser Zeit USV- und Serverwartungen im RZ stattfanden. Die USV war aber noch nicht abgeschaltet. Wie der Teufel es wollte, hatten die Gewerke um 2:30 eine Teambesprechung im Sitzungszimmer außerhalb des RZ. Als der Strom ausfiel wollten sie schnell in den Raum des Notaggregats, das offensichtlich nicht angesprungen war, um es händisch zu starten. Die Zutrittskontrolle klappte nicht. Da die Tür aber auch – wenn auch unter Alarmgabe via Rückmeldekontakt mit einem Schlüssel geöffnet werden konnte, wurde der Werkschutz aufgefordert, schnell mit den Hauptgruppenschlüssel auszuhelfen. Nach Murphy tritt das ein, was eintreten kann. Der externe Wachdienst (ein Aushilfsmitarbeiter) wusste nicht Bescheid, wie er an den Schlüsseltresor kommt. Die 14 Minuten der USV liefen ab und nichts ging mehr.

Der Sicherheits-Berater weiß nicht, kann es nur erahnen, wie vielen Betroffenen es ähnlich ergangen sein mag.

Maßnahmen:

  1. Unter Kritis-Aspekten ist es ein Unding, dass Feuerwehren durch einfachen Stromausfall handlungsunfähig werden. Das liegt daran, dass
    1. auch bei der Planung von FW-Wachen die Vergabe nach dem Preis des Planers erfolgt,
    2. die üblichen Planungsbüros wenig Spezialerfahrungen haben und dazu neigen „Planung wie immer“ zu betreiben,
    3. Lastenhefte (wenn sie den erstellt werden) den Sicherheits- und Verfügbarkeitsbedarf nicht widerspiegeln, denn sie werden zumeist von der Institution selbst erstellt und unterliegt oft dem psychologischen Phänomen des Vergessens von Selbstverständlichkeiten. Dazu zählt dann auch schon einmal das Vergessen, dass man ein Tor auch ohne Strom aufmachen können müsste.
    4. Schutzzieldefinitionen und Gefährdungsanalysen existieren nicht oder nur unvollständig.
    5. Probleme werden einfach nicht zu Ende gedacht, denn man denkt nicht in Störungsszenarien.
    6. Zudem gibt es selbst bei Feuerwehren oft keine Härtetests, bei denen solche Szenarien umfassend ausgetestet werden. Man beschränkt sich bestenfalls auf die Leitstelle und ihre Verfügbarkeit, ihr Backup oder ihre Umschaltmöglichkeiten auf Leitstellen benachbarter Wehren.
  2. Viele Feuerwehren wurden in den letzten Jahren saniert, umgebaut und erweitert. Sie bekamen auch neue Tore. Der Hersteller liefert, was bestellt wurde. Selten macht er eine Beratung, woran auch noch zu denken sei. „Ein Stück Tor“ – das ist es!
  3. Kommen wir zu dem Unternehmen, das seinen Diesel nicht starten konnte. Man räumte ein, dass man die Probeläufe etwas vernachlässigt hatte.
  4. Organisatorische Tests, wie schnell kommt man an den Schlüssel, um das Zutrittskontrollsystem (ZKS) zu überspielen, hatte es nicht gegeben und die Einweisung einer Vertretung in der Werkschutzzentrale hatte nicht stattgefunden.
  5. Das wird man ändern und auch noch einen zusätzlichen Schlüsseltresor im RZ installieren, dessen Verschluss ähnlich funktionieren wird wie ein Feuerwehrschlüsselkasten. Dieser hat zwei Klappen. Die eine kann geöffnet werden, wenn es einen Alarm gibt (hier dann einen Stromausfall), die andere mit einem Schlüssel, der für den diensthabenden Mitarbeiter schnell erreichbar ist.
  6. Aber das ZKS hat ein Planungsversäumnis – einen planerischen Anfängerfehler: Die Controller, an denen üblicherweise mehrere ZKS-gesteuerten Türen eines Bereichs aufgelegt werden, müssen batteriegepuffert sein.
  7. Härtetests sind unerlässlich. Sie müssen auch wiederholt werden. Jeder Betrieb lebt und unterliegt manchmal nur marginalen Veränderungen, Reparaturen oder Verbesserungen. Sie können sich fatal auswirken. Daher sollte man sich eine Datenbank von Testszenarien aufbauen, die immer weiter ergänzt und wiederholt abgearbeitet wird. Nur Übung macht den Meister. Nur Tests bringen verlässliche Erkenntnis über verlässliche Funktionen.

Kleine Ursache, große Wirkung: Langwieriger Wiederanlauf

  1. Tagelanger Stillstand der Shell-Anlagen nach dem massiven Stromausfall: Die Anlagen können erst langsam wieder hochgefahren werden. „Weil durch den spontanen Stromausfall die normalen Abfahrprozeduren nicht eingehalten werden können, hat dies auch Auswirkungen auf das Wiederanfahren der Anlagen“ – siehe Folgenschwerer Stromausfall – ein Beispiel von vielen!
  2. Am Donnerstag kurz nach 5 Uhr kam es zu einem Stromausfall bei den Wieland Werken in Vöhringen und in Teilen von Senden. Nach bisherigen Erkenntnissen sei ein Überschlag an einem Isolator an der 110.000-Volt-Hochspannungsleitung zwischen Dinkelscherben und Gessertshausen die Ursache gewesen. Aufgrund der entstehenden Überspannung sei es zu einem Defekt im Umspannwerk Senden gekommen. Sofort habe die Netzleitstelle in Augsburg auf andere Leitungen umgeschaltet. So sei Senden schon um 5.12 Uhr und Wieland um 5.20 Uhr wieder am Netz gewesen. „Das hatte schon eine Dimension für uns“, sagt Christine Schossig, Pressesprecherin der Wieland Werke. Die werkeigenen Systeme hätten um 5.07 Uhr einen Spannungsabfall von 55 auf 10 Megawatt registriert. Bedeutet etwa für die Gießerei: Die Öfen stehen still, beim eingesetzten Material kann die Qualität nicht  garantiert werden, es wanderte direkt ins Recycling. „Das ist Ausschuss für uns“, erklärt Schössig. Zwar sei nach etwa 20 Minuten der Strom wieder voll da gewesen, aber bis die Öfen wieder hochgefahren waren, seien sechs Stunden vergangen. Schössig spricht von einem „deutlichen Produktionsausfall“. Quelle: www.swp.de
  3. Auslöser der Misere war der Stromausfall, der am Montagmorgen ab 7 Uhr Teile der Innenstadt lahmgelegt hatte.  Es war nach einem Baggerbiss in ein Mittelspannungskabel zu einer Kettenreaktion  und Folgeschäden im Stromnetz gekommen. Zwar konnte die Energieversorgung Filstal die Stromversorgung in den meisten Gebieten ein paar Stunden später wieder herstellen, doch beim Hochfahren versagte in der Kaufhof-Filiale ein sogenannter Leistungsschalter an der Übergabestelle, wie  Kaufhof-Filialleiter Benedikt Wiegel berichtete. Glücklicherweise seien die Kühltruhen so ausgelegt, dass gefrorene Ware bis zu zweieinhalb Stunden ohne nennenswerten Temperaturanstieg aufbewahrt werden kann, berichtet der Geschäftsführer. Deshalb sei kein Schaden entstanden. Hätte der Stromausfall aber eine Stunde länger gedauert, wäre  die Firma verpflichtet gewesen, die Kühlware in Containern zu entsorgen. Quelle: www.swp.de

Notstromversorgung

  1. Stromausfall legte den Flugverkehr in Belgien lahm.
  2. Eine öffentliche Dienststelle verfügt über ein Notstromaggregat. Irgendwann wurde aus Kostengründen die Betreuung an eine externe Firma ausgelagert. Eines Tages kommt es zu einem lokalen Stromausfall. Natürlich zur besten Kundenzeit. Das Notstromaggregat springt nicht an. Der Stromausfall dauert länger, die Firma wird alarmiert. Nach einiger Zeit kommt auch ein Firmenmitarbeiter und findet rasch die Ursache: Überlast
    Nach Entfernung von Verbrauchern springt das Notstromaggregat auch an.
    Wie kam es zu dieser Überlast? Nachdem es sich um ein altes Gebäude handelt, das schlecht isoliert ist, waren die Heizkosten zu hoch. Daher wurde die Raumtemperatur abgesenkt. Daraufhin nahmen die Mitarbeiter Heizstrahler mit, um wieder eine behagliche Wärme zu schaffen. Diese Heizstrahler wurden auch an notstromversorgten Steckdosen angesteckt, was zur Überlast führte.
    Periodische Notstromtests (etwa alle Monat) hätten den Fehler aufdecken können. Sie führen unter realistischen Bedingungen dazu, dass Mängel rechtzeitig erkannt und behoben werden und es zu keiner Kumulation von Fehlern kommt! Dennoch muss auch mit unerwarteten Ereignissen gerechnet werden, wie etwa 2011 bei der Berliner S-Bahn. Daher sollten derartige Tests entsprechend vorbereitet und mit steigernder Intensität begonnen werden.
  3. Stromaggregat hat nicht funktioniert, weil Hauptmaschinist nicht da war, Ersatz war nicht vorbereitet. Übung wurde immer bei Leerlast gemacht; bei Volllast hat es nicht funktioniert. à 45’ kein Strom im Krankenhaus. Ursache war Stromkabelschaden durch Grabarbeiten, es gab keine Zweitanspeisung.
  4. Beispiel aus der Weststeiermark nach Sturmschäden: Viele Gehöfte hatten sehr hohe Schäden an vorhandenen elektrischen Geräten durch Notstromaggregate, welche mittels Kabelverbindung zwischen Notstromaggregat und Steckdose die Eigenstromversorgung für die Liegenschaft durchführten. Genau das droht, wenn ohne professionelle Vorbereitung kurzfristige Improvisationen durchgeführt werden!
  5. Immer wieder ergeben sich im Austausch mit verschiedenen Akteuren neue Blickwinkel und mögliche Probleme, aber auch Lösungen. Wie etwa bei einem Gespräch über die Notstromversorgung, wo die Teilnehmer plötzlich erkannten, dass die vorhandenen mobilen Notstromaggregate erst vor der Ausfahrt bei der nicht notstromversorgten Tankstelle betankt werden müssen. Diese Maßnahme war aufgrund eines mehrfachen Treibstoffdiebstahls aus den abgestellten Notstromaggregaten notwendig geworden. Im Normalfall kein Problem, bei einem Blackout fatal. Daher ist die persönliche Kommunikation und das Durchspielen der entscheidenden Prozesse bei der Blackout-Vorbereitung ganz entscheidend. Nicht auf das verlassen, was schon irgendjemand gemacht haben wird (oder gemacht haben könnte bzw. müsste), oder wofür schon jemand zuständig sein wird, sondern harter Faktencheck. Sonst wird es im Ernstfall zu bösen Überraschungen kommen.
  6. Die Berliner Feuerwehr ist gerade dabei, zwei große Wachen über Generatoren mit Strom zu versorgen. Die Einsatzkräfte können derzeit nicht ausrücken, weil sich die Hallentore ohne Stromversorgung nicht öffnen lassen. Das soll zeitnah behoben sein. Immerhin seien mehrere Aufzüge in den Wohngebieten stecken geblieben, Menschen warten dort auf Hilfe. Quelle: www.mopo.de
  7. Große Hektik hatten hingegen die Verantwortlichen in der Goldberg-Klinik. Zunächst war Geschäftsführerin Dagmar Reich davon ausgegangen, dass das Notstromaggregat im ganzen Haus angesprungen war. Wie sich kurz nach 17 Uhr herausstellte, sei dies aber nicht der Fall gewesen. Dennoch hatten sie, die Dame vom Empfang oder Dr. Michael Reng von der Notaufnahme und viele andere alle Hände voll zu tun. Von außen kamen Anfragen, ob Menschen, die beatmet werden müssen, ins Krankenhaus verlegt werden können. Innen galt es die Kommunikation zu koordinieren. Denn tragbare und Festnetztelefone sowie PCs hatten ausgesetzt. Quelle: www.mittelbayerische.de
  8. So seien die Vorräte “im Normalfall über Systeme der Informationstechnik gesichert”, heißt es in dem Bericht. Wenn sich der Treibstoff aber aus dem Lager pumpen lässt, auch wenn die Computer nicht laufen – wie kommt er ans Ziel? In Frage kommen aus Sicht der Katastrophenschützer vor allem Heizöl-Laster oder Tankwagen, die normalerweise Baustellen versorgen. Problem: Viele dieser Lkw sind mit einer “IT-gestützten Diebstahlsicherung geschützt, die eine Auslagerung des Produkts ohne Verifikation verhindert”, schreiben die Experten. Sprich: Der Tank lässt sich zwar leicht befüllen, aber bei Serverausfall schwer entladen.
    Hinzu kommt der menschliche Faktor. So empfiehlt das Bundesamt, in jedem Kreis mindestens eine Tankstelle zu benennen, die im “Ereignisfall” Kraftstoffe abgeben kann, also ein entsprechendes Notstromaggregat hat. “Zu beachten ist, dass eine rein technische Ausstattung nicht ausreicht”, heißt es dazu. “Wichtig ist, dass ausreichend fachkundiges Personal für die Bedienung der Notstromanlage vorhanden ist.” Auch empfiehlt das 116-seitige Papier, dafür Betriebstankstellen auszuwählen, wie sie Firmen und Behörden mit großen Fuhrparken unterhalten: Die sind meistens umzäunt und sicher vor Überfällen.
    Grundsätzlich sei das Szenario “unwahrscheinlich, aber plausibel” – die deutsche Stromversorgung gilt als eine der sichersten der Welt. Dennoch sei es wichtig, die Vorkehrungen schon jetzt zu treffen. “Es muss festgelegt werden, wer den Treibstoff vorrangig erhalten soll”, sagt Unger. Schließlich werden sich um das Öl nicht nur Krankenhäuser und Wasserversorger rangeln, sondern auch Landwirte, Industriebetriebe, die Verwaltung. So empfiehlt die Behörde schon jetzt, auch in Ministerien “die wichtigsten Prozesse zur Sicherung des Dienstbetriebs” zu definieren. Quelle: www.sueddeutsche.de
  9. Stromausfall legt auch Strafjustiz lahm: Im Gebäude des Strafjustizzentrums in der Nymphenburger Straße in München wurde es am Montag dunkel. Aus Sicherheitsgründen wurde das Haus geräumt. Grund ist ein Stromausfall in dem großen Gerichtsgebäude, der auch vom Notstromaggregat nicht aufgefangen werden konnte. Zu allem Übel sei auch noch ein Schalter des Notstromaggregats defekt. Quelle: www.abendzeitung-muenchen.de
  10. Stromausfall in drei Rechenzentren: Nach einem durch ein Gewitter verursachten Stromausfall in drei Rechenzentren in Falkenstein kämpft der bekannte deutsche Webhoster Hetzner Online mit Problemen. Ein Teil der Server war nach dem Stromausfall nicht wieder normal hochgefahren, viele Kunden-Websites sind entsprechend betroffen. Nachdem es zu Spannungsschwankungen im örtlichen Netz von Falkenstein im Bundesland Sachsen gekommen war, gab es Probleme mit der Notversorgung im Rechenzentrum. Warum die USV (Unterbrechungsfreie Stromversorgung) nicht angesprungen ist, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Das Versagen der USV setzte dann einen Kreislauf in Gang: Einige Server starteten soweit bekannt ist nachdem der Strom wieder da war nicht automatisch neu – Hetzner blieb in großen Teilen offline. Dabei kamen nun die Verkettung unglücklicher Zufälle zum Tragen, denn nicht nur dass die Stromversorgung fehlerhaft lief – auch einige Server waren nachdem der Strom wieder da war nicht automatsch neugestartet und müssen von Hand gestartet werden. Quelle: winfuture.de
  11. Transferwise, ein Anbieter für P2P-Geldtransfer-Services für Fremdwährungen, ist ausgefallen. Der Grund: ein Stromausfall in einem Rechenzentrum. Ein Teil der kritischen Infrastruktur von Transferwise werde in einem europäischen Rechenzentrum gehostet. Gestern gegen 10.30 Uhr habe dieses RZ einen “katastrophalen Stromausfall” erlitten, so der Blogeintrag. Eine Stromschwankung habe daraufhin einige Geräte zerstört, die ersetzt werden mussten. Nach dem Austausch und der Neukonfiguration der Geräte, habe man wieder auf die Systeme zugreifen und mit der Wiederherstellung beginnen können. Da man über ein grosses, verteiltes System verfüge, habe die Durchführung des kompletten Neustarts einige Zeit gedauert. Erste Services habe man um 18.30 Uhr wiederherstellen können und Debit-Card-Zahlungen seien kurz darauf wieder möglich gewesen. Gegen Mitternacht sei der Service vollständig wiederhergestellt worden, so der Blogeintrag. Quelle: www.inside-it.ch
  12. Ein Stromausfall im Rechenzentrum lähmt die Zoll-Abfertigung. Ein Stromausfall im Rechenzentrum lähmt die Zoll-Abfertigung. Unter Pannen wie dieser leiden besonders solche Unternehmen, die ihre Lieferkette nach dem Prinzip “just in time” organisieren. Quelle: www.sueddeutsche.de

Unzureichende Notstromversorgung / Übersicht

  1. Da oft nur Teilsysteme mit Notstrom versorgt werden, besteht eine hohe Fehlergefahr. USVs werden rasch entleert … das System muss herunterfahren bzw. crasht
    Folgen: Raid 1 Verbund wird inkonsistent, ca. 3h Rebuilding Zeit, in dieser Zeit keine Prozesskontrolle
  2. Feuerwehrleute haben in einem Gartenmarkt in Saarbrücken (Deutschland) zahlreichen Fischen und Reptilien das Leben gerettet. Dort war in der Nacht auf gestern der Strom ausgefallen. „Die Notstromversorgung über Batterien war auch schon aufgebraucht, aber die Stromversorgung war noch nicht wieder hergestellt“, erläuterte ein Sprecher. „Viele der im Markt zum Verkauf stehenden Fische und Reptilien waren deshalb in Lebensgefahr, da ohne Strom die lebensnotwendigen Systeme wie Pumpe und Heizung natürlich nicht mehr funktionieren.“ Ein Feuerwehrfahrzeug versorgte per Aggregat erst die allernotwendigsten Systeme mit Strom. Danach legten Experten eine Leitung zu einem noch größeren Aggregat der Einsatzkräfte. Quelle: orf.at

Defekte Pufferbatterien

Alarmanlagen gehen los, da die Pufferbatterien zu schwach sind.

Defekte Netzteile

Netzteile von PCs, Power over Ethernet (PoE), Netzwerkkomponenten, Steuerungen, etc. fallen aus.

Folgen: Vorrat an Netzteile geht aus

Hier besteht eine besonders hohe Gefahr, dass es nach einem Blackout zu massiven Ersatzteilproblemen kommt (Gleichzeitigkeitsbedarf!!) und daher Infrastruktur- und Produktionssysteme nicht hochgefahren werden können!

USV Versagen/defekt

Aus Kostengründen wird die Wartung der USV-Anlagen für eine wichtige Verkehrssteuereinrichtung ausgesetzt. Bei einem lokalen Stromausfall versagen die USV und es kommt zu erheblichen Verkehrsbehinderungen.

Man hat verabsäumt, die USVs vor den elektrischen Überprüfungen zu warten …
Folgen: Bei der FI-Wartung legt man die Produktionssysteme lahm

USV leer

Da vergessen wurde, alle Verbraucher bzw. auch die USV abzuschalten.
Folgen: Stillstände wegen Ladezeiten, beim Anlauf der USV fallen die Sicherungen weil zuviel Strom gezogen wird

USV falsch verwendet

Immer wieder wird bei (lokalen) Stromausfällen festgestellt, dass Steckdosenleisten/Geräte falsch angesteckt sind und es dadurch keine USV-Versorgung für kritische Systeme gibt.

Kennzeichnung von Steckdosen

Kennzeichen Bedeutung
(neutral) normale Steckdose, direkt an das örtliche Versorgungsnetz angeschlossen
rot/orange EDV-Netz mit Überspannungsschutz, separate Verteilungen, oft mit einem Dieselgenerator gesichert; kurzzeitige Ausfälle (1s) möglich.
grün ausfallsicheres Netz, mit USV gegen kurzzeitige Aussetzer und Überspannungen gesichert; hängt in der Regel am „roten“ Netz
(unspezifisch) gefiltertes, aber nicht ausfallsicheres Netz; hier gibt es ein sauberes Strombild und daher sollten dort auch keine nichtlinearen Verbraucher angeschlossen werden

Leere Bios Batterien bei Rechner

Folgen: Office Rechner mit WIN7 können sich im Netzwerk nicht anmelden, da die Systemzeit nicht mit der Windowszeit übereinstimmt … Fallweise wird dann erkannt, dass auch manche Office Systeme für die Produktion sehr wichtig sein können …

Akkus überladen

Eine Organisation hält Satellitentelefone für Krisenfälle vor. Bei einem tatsächlichen Einsatz fallen diese aber bereits nach kurzer Zeit aus.

Ursache: Die Satellitentelefone wurde für die Einsatzbereitschaft permanent geladen/steckten in der Ladestation. Dadurch kam es über die Zeit zu einer Überladung der Akkus und zum Defekt. Die periodischen Funktionskontrollen dauerten aber nur wenige Minuten, womit dieser Defekt erst im Einsatz aufgefallen ist.

Hinweis: Dieses Problem entsteht auch in vielen anderen Bereichen. Besonders gefährdet sind Handfunkgeräte von Kommandanten, die nicht so oft im Außeneinsatz sind und daher das Funkgerät permanent laden.

Kommentare: Handfunkgeräte durchrotieren lassen wird zunehmend problematischer, weil im Zuge der Digitalisierung (z.B. bei Tetra) die Geräte teilweise personalisiert werden.
Abhilfe können nur intelligente Ladegeräte bringen, die meist aus Kostengründen entfallen. Oder Akkus regelmäßig mit anderen in Betrieb befindlichen Geräten tauschen. Wolf Höller

Man darf nie erwarten, dass Geräte, Anlagen oder Abläufe, die nicht laufend im Alltag verwendet werden, in einem Ernstfall funktionieren. Auch punktuelle Übungen, können dieses Problem in der Regel nicht beheben. Daher befolgen moderne Konzepte zunehmen die Regel, “Keine toten Systeme” ( (c) Land Vorarlberg!?) und sehen redundante Parallelanlagen/-abläufe vor, die auch im Normalbetrieb laufend Anwendung finden. Hermann Bühler

Sonstige Punkte

  • Diverse Komponenten fallen für immer aus … Schaltuhren, etc.
  • Die Uhren gehen falsch … da die Zeit nicht abgeglichen wird

Sonstige Posts

Telekommunikation

Zappenduster war es Dienstagabend zwischen 21.18 Uhr und 21.32 Uhr in mehreren Stadtteilen Potsdams. Noch über zwei Stunden nach der Unterbrechung der Stromversorgung hatten Kunden des TV- und Telefon-Anbieters Telecolumbus mit Einschränkungen zu kämpfen. „Mehrere 10 000 TV-Kunden waren betroffen ebenso wie mehrere 1000 Internet- und Telefonkunden“, erklärte Pressesprecher Hannes Lindhuber. Da die Zentrale des Anbieters vor Ort selbst Opfer des Stromausfalls war, mussten die Kunden bis kurz vor Mitternacht warten, um wieder telefonieren und im Internet surfen zu können. „Um halb zwölf konnten wir unsere Modems wieder hochfahren“, sagte Lindhuber. Quelle: www.maz-online.de

Ein wichtiger Hinweis auf die Einschätzung, dass es nach einem Blackout wahrscheinlich Tage dauern wird, bis die Telekommunikationsversorgung wieder weitgehend funktionieren wird. Je länger der Stromausfall dauert bzw. je großflächiger dieser ist, desto größere Folgewirkungen im Telekommunikationssektor sind zu erwarten. Nicht linear, sondern exponentiell! Dieser Faktor wird leider häufig unterschätzt und damit auch die Auswirkungen auf die gesamte (Lebensmittel-)Versorgung.

Sonstige Posts

Andere Sektoren

  • Blackout – welche Folgen hat ein Stromausfall im Chemiewerk: Im Falle eines Blackouts fährt die gesamte Dow-Anlage in Böhlen herunter, viele Dinge, für deren Herstellung hier die Grundstoffe hergestellt werden, können dann knapp werden. Ein Ab- und wieder Anschalten der Anlage würde außerdem geraume Zeit in Anspruch nehmen. Quelle: www.lvz.de
  • Fahrgäste saßen in Deutschland stundenlang in ICE fest: Weil ihr ICE wegen eines Oberleitungsschadens liegen geblieben war, mussten Fahrgäste bei Worms (Deutschland) mehrere Stunden in dem Zug ausharren. Der ICE von Dortmund nach München sei gegen 19.20 Uhr in der Nähe einer Rheinbrücke zum Stehen gekommen. Die Evakuierung des Zuges habe bis spät in den Abend gedauert, weil der Brückenbereich nicht einfach zugänglich sei. Erst gegen kurz nach Mitternacht seien alle Passagiere in den zweiten Zug umgestiegen. Quelle: orf.at
  • Lokaler Stromausfall, 5:30 Stunden: Eine Bewohnerin konnte aufgrund des Stromausfalls in ihrem Pflegebett nicht mehr versorgt werden. Die Einsatzkräfte stellten mit Hilfe eines Stromerzeuger die weitere Versorgung sicher. Quelle: www.feuerwehr.de
  • Stromausfall bei BMW Regensburg: Einen Tag nach dem Stromausfall bei BMW Regensburg dem einstündigen Stromausfall beim BMW Group Werk Regensburg lief die Produktion wieder auf Hochtouren. Dennoch: Der Rückstand konnte bis Dienstag noch nicht aufgeholt werden. Zu groß sind die Auswirkungen auf das Werk, in dem alle 57 Sekunden ein Auto vom Band rollt. „Die Produktionsschritte im Karosseriebau, der Lackiererei und der Montage sind bei uns fein aufeinander abgestimmt.“ So muss beispielsweise der Karosseriebau stets so viel vorproduzieren, dass es auch etwas zu lackieren gibt. Dieses ausgeklügelte System hat der Stromausfall gestört. Nachdem das Band abrupt stoppt und zum Beispiel ein Roboter in einer bestimmten Bewegung „einfriert“, sei es auch wichtig, die Produktion später wieder sorgfältig hochzufahren. Das geschehe nicht nur aus Qualitäts-, sondern auch aus Sicherheitsgründen. Die Krux in diesem speziellen Fall war leider, dass sich einer der redundanten Trafos in Wartung befand, als der zweite unerwartet ausfiel. Quelle: www.mittelbayerische.de

WHO – Ebola Bekämpfung

“… war nicht vorbereitet auf einen Ausbruch dieser Größenordnung, der soweit verbreitet, so schwerwiegend und so komplex war … Doch viele Probleme waren hausgemacht … zu spät gehandelt … krass unterschätzt … solche Defizite liegen auch an den Strukturen, die einer dringenden Reform bedürfen …

Konsequenzen 5-Punkte-Plan: Besseres Krisenmanagement, schlankere Strukturen, bessere Kontrollmechanismen, eine Aufstockung von Experten und einen 100 Millionen Dollar Krisenfont”

Leider erfolgen solche Erkenntnisse immer erst im Nachhinein und immer nur für das gerade erlebte Ereignis, obwohl sich die Erkenntnisse auf viele anderen Bereiche auch übertragen lassen.