Auswirkungen eines Blackouts

 

Dominoeffekte

DominoeffekteEine europäische Großstörung (“Blackout”) würde sich innerhalb von wenigen Sekunden über weite Teile Europas ausbreiten. Grundsätzlich kann davon ausgegangen werden, dass nicht das gesamte europäische Stromversorgungssystem zeitgleich zusammenbricht, sondern dass es in Teilsegmente zerfällt. Der Stromausfall führt jedoch parallel dazu, dass ein Großteil der lebenswichtigen Strategischen Infrastrukturen ebenfalls ausfallen.

kettenreaktion

Eine exponentielle Entwicklung

Dabei ist zu beobachten, dass Menschen die Auswirkungen von lokalen Stromausfällen auf Großstörungen übertragen und damit völlig unterschätzen. Hier erfolgt eine lineare Projektion und Skalierung. In der Realität erfolgt jedoch keine lineare, sondern eine exponentielle Entwicklung der negativen Auswirkungen. Das bedeutet, dass sich bildlich ausgedrückt, mit jeder Stunde Ausfall die Auswirkungen verdoppeln. Dementsprechend wird es auch mit jeder Stunde Ausfall schwieriger, wieder zu einer Normalität zurückzukehren.

(Zur Tonaufnahme siehe Stromkollaps im Extremwinter)

Exponentielle Entwicklungen in Folge eines Blackouts

Exponentielle Entwicklungen in Folge eines Blackouts

Was alles nicht mehr geht …

Sensitivitätsanalyse nach Frederic Vester

Im Rahmen der Masterarbeit “Die Netzwerkgesellschaft und Krisenmanagement 2.0” wurde eine  Sensitivitätsanalyse nach Frederic Vester für  die Fragestellung: „Welche Wechselwirkungen sind bei einem Blackout im urbanen Raum zu erwarten?“ durchgeführt. Als besondere Hebeln – und gleichzeitig auch Gefahrenpotenziale – wurden die Telekommunikation, die Wasserversorgung, die Treibstoffversorgung sowie die Abwasserentsorgung identifiziert. Das bedeutet, dass man hier viel Schaden abwenden kann. Wenn man nichts oder zu wenig in diese Richtung unternimmt, steigt der mögliche Schaden. Als Risikofaktoren wurden das staatliche und lokale Krisenmanagement sowie das Verhalten der Bevölkerung identifiziert. Was die Annahmen bestätigte, dass gerade die Krisenkommunikation – aber auch die die vorangegangene Sicherheitskommunikation – sowie die aktive Einbindung der Bevölkerung ganz wesentlich sind. Und gerade bei diesen Faktoren sind wir derzeit nicht besonders gut aufgestellt. Siehe dazu auch den Forschungsbericht BlackÖ.2: Blackoutprävention und –intervention – Endbericht.

Rollenverteilung

Auswirkungen auf Treibstoffversorgung, Kommunikation und Einsatzkräfte

Folie15

Nur Einrichtungen mit einer Notstromversorgung können bei einem Blackout –  und nur solange ausreichend Treibstoff in den Tanks vorhanden ist – weiterbetrieben werden. Fast alle Tankstellen fallen sofort aus. Die gesamten technischen Informations- und Kommunikationsnetze (Handy, Festnetz, Internet) fallen nach und nach aus. Damit wird eine Koordinierung der Einsatzorganisationen und Krisenstäbe zunehmend schwieriger, der fehlende Treibstoffnachschub (es gibt kaum Notstromversorgte Tankstellen) verschlimmert die Situation zusätzlich, da mobile bzw. notstromversorgte Kommunikationseinrichtungen im Lauf der Zeit ebenfalls ausfallen. Die Einsatzorganisationen werden durch eine Vielzahl von Aufgaben bei gleichzeitig eigener Betroffenheit relativ rasch an die eigenen Grenzen stoßen. Je nach Jahres- und Tageszeit können damit ganz erhebliche Herausforderungen verbunden sein.

Auswirkungen auf Wasser, Abwasser, Logistik, Verkehr

Folie18Die Versorgung mit dem lebenswichtigen Gut Wasser wird, außer in Gebieten mit Eigendruckversorgung, beeinträchtigt. Auch zur Abwasserentsorgung braucht man beinahe überall Strom. Besonders nachteilig wirkt sich das etablierte „Just-in-time“ Logistikverfahren aus. Dadurch kann es auch in notstromversorgten Einrichtungen, wie etwa in Krankenhäusern, relativ rasch zu Engpässen kommen. Durch den Ausfall der Verkehrsleitsysteme und durch Unfälle kommt der öffentliche und private Verkehr in urbanen Räumen rasch zum Erliegen. Der strombetriebene öffentliche Verkehr bleibt auf der Strecke liegen.

(Zur Tonaufnahme siehe auch SRF-Blackout Thementag – Zusammenfassung)

Auswirkungen auf die Landwirtschaft

Auch die Massentierhaltung und Glashäuser wären massiv betroffen – mit Langzeitfolgen auf die Versorgung der Bevölkerung.

(Zu den Tonaufnahmen siehe auch SRF-Blackout Thementag – Zusammenfassung)

Auswirkungen auf andere Bereiche …

Blackout - Eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung (11)Aber die Auswirkungen gehen noch viel weiter. Man stelle sich ein Blackout im Winter in der Skisaison vor. Wenn tausende Menschen auf Skiliften stecken bleiben. Grundsätzlich gibt es dafür Vorkehrungen – aber für Einzelereignisse und nicht für einen großflächigen Stillstand. Und so gibt es wohl noch zahlreiche andere Bereiche, auf die man im ersten Moment nicht denkt.

Wiederherstellungsphase dauert

Auch bei einer Wiederherstellung der Stromversorgung innerhalb von 24 Stunden wird eine Normalisierung der gesamten Versorgung (auch mit Lebensmitteln!) Tage und wesentlich länger dauern. Zum einen deshalb, weil die Logistikketten erst wieder hochgefahren werden müssen, und zum anderen, weil Hamsterkäufe zu erwarten sind. Siehe auch Studie “Ernährungsvorsorge in Österreich“.

(Zu den Tonaufnahmen siehe auch SRF-Blackout Thementag – Zusammenfassung)

Eine vorbereitete Gesellschaft wird weniger hart getroffen

Folie22Mittlerweile gibt es zahlreiche Ansätze, um die Verwundbarkeit unserer Gesellschaft gegen diese neue Bedrohung zu reduzieren. Dennoch ist unsere Gesellschaft auf ein solches Szenario nicht ausreichend vorbereitet.

Die gute Nachricht: bereits eine kurze Auseinandersetzung mit den Folgen eines großflächigen Stromausfalls kann ein entscheidender Impuls zur Aktivierung der Selbsthilfefähigkeit sein. Damit ist die Voraussetzung für eine ‚bottom up’-Regeneration gegeben, die gemeinsam mit staatlichen oder anderen zentralen Hilfeleistungen die Bewältigung eines Blackouts möglich macht.

 

 

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Weiterführende Informationen

 

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