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Die Energiewende – Fiktion und Wirklichkeit

 

Quelle: www.hanswernersinn.de, Update 24.06.18: Verbund-Chef: “Wir bräuchten zwei Mal die Donau noch zusätzlich”

Ein sehr ernüchternder Vortrag von Hans-Werner Sinn, der die Grenzen der derzeitigen Denkmodelle bei der Energiewende aufzeigt. Dabei hat er kein einziges Wort zum Thema Netzstabilität oder Netzbetrieb unter diesen Rahmenbedingungen verloren, was noch eine ganz andere Klasse ist. Auch aus physikalischen Gründen. Hier wird mit Hochdruck an etwas gebastelt, dass nicht zu Ende gedacht wurde und so rein physikalisch nicht funktionieren kann. Daher gilt wie so oft bei komplexen Problemen, die erste Antwort scheint zwar plausible, ist aber meistens falsch. Siehe etwa auch die Erkenntnisse zur Streichen von Subventionen für fossile Energie. Um komplexe Probleme wirklich nachhaltig lösen zu können, muss man sich zuerst viel Zeit nehmen und sich mit dem Problem befassen. Oder wie Albert Einstein es ausgedrückt haben soll: Wenn ich eine Stunde Zeit habe, um die Welt zu retten, dann nutze ich 55 Minuten für die Problembeschreibung und die restlichen 5 Minuten für die Lösung. Die ergeben sich dann automatisch

Oder anders ausgedrückt: “Wenn du es eilig hast, gehe langsam. Wenn du es noch eiliger hast, mach einen Umweg.” – Japanische Weisheit

Zusätzliche Anmerkungen Franz Hein: Die Zahlenangaben hinsichtlich der Mengen bezweifle ich nicht. Aber die Rechenmethoden, basierend auf bisher gültigen Modellen und die Verwendung von momentan gültigen Preisen als Basis zu nehmen, um “linear” in die Zukunft zu extrapolieren und daraus nicht Szenarien, sondern Prognosen abzuleiten, das ist wenig wissenschaftlich (genauer: auch eine Art von Täuschung). Im Übrigen geschieht dies bei so manchen Klimaforschern genauso. Bezüglich des Verkehrs in New York noch zu Pferdekutschenzeiten ergab auch eine solche Art der Hochrechnung, dass die Kutschen aufgrund der vielen Pferdeäpfel auf den Straßen nicht mehr werden fahren können. Jetzt sind es Autos, die allerdings auch sehr oft im Stau stehen. Die Zukunft vorhersagen, ist offenbar schwierig. Aber wir müssen sie trotzdem jetzt gestalten.

Wir brauchen Lösungsideen und keine gnadenlose Vernichtung eines ohnehin sehr, sehr schwach ausgeprägten Optimismus hinsichtlich des Gelingens der Energiewende. Das einzig Positive an dem nachfolgenden Beitrag sehe ich darin, dass das ein Weckruf ist, endlich die anstehende Thematik ernst zu nehmen, mit den leichtfertigen Behauptungen und vor allem mit den Selbsttäuschungen sowie Verdummung der Bevölkerung rigoros Schluss zu machen.

Mit großem Nachdruck wird versucht, das Stromversorgungssystem zu dekarbonisieren. Was wohl wenigen Bewusst sein dürfte ist, dass wir derzeit realistischer Weise nur von 3,4% Ersatz für die Kernkraft sprechen. Die 12,8% Strom aus Kohle, Erdgas und Erdöl sind mit der derzeitigen Energiewende nicht auf absehbare Zeit machbar. Wie dann die 71,1% für Verkehr, Raum-, Wasser- und Prozesswärme zu stemmen sein werden, ist noch völlig unbeantwortet. Eines lässt sich aber davon ableiten: Ein weiter wie bisher wird rein physikalisch nicht funktionieren!

Hinzukommt noch, dass hier nur von Deutschland gesprochen wird …

Zum anderen riskieren wir mit der derzeitigen Vorgangsweise unseren gesamten Wohlstand. Denn sollte wie erwartbar die Netzstabilität zusammenbrechen (“Blackout”), dann wäre der volkswirtschaftliche Schaden immens und würde wohl in Europa zur größten Katastrophe nach dem zweiten Weltkrieg führen.

 

Leider sehen wir im Alltag laufend, dass mit Zahlen herumgeworfen wird, die mit der tatsächlichen Realität nur wenig zu tun haben. Aber auch das passt in die generelle Realität der Zahlengläubigkeit und Zahlentrickserei. Oder glaubt wirklich jemand, dass sich die bestehenden (Staats)schulden irgendwo ohne Crash auflösen lassen?

Wie viele Wunschvorstellungen werden jedoch in Smart Grids und “intelligente” Netzsteuerung gesetzt? Die Risiken werden dabei völlig außen vor gelassen. Das eigentliche Ziel bzw. die Chance auf Erreichung hat man sich dabei wohl noch nirgends angesehen. Wie bei den Smart Meter, wo die erwartbare Energieeinsparung auch gegen Null geht, obwohl das das Hauptargument für die Einführung ist. Leider werden die Dinge zu wenig kritisch hinterfragt.

In Deutschland gibt es derzeit rund 40 Millionen Fahrzeuge. Auch hier wird uns immer wieder gesagt, dass Car2Grid eine Lösung ist. Aber offensichtlich für ein anderes Problem. Elektroautos können sicher im Rahmen einer Energiezelle einen Beitrag leisten, aber wohl kaum, für das Gesamtproblem.

Und welche Motivation hätte Norwegen, hier etwas zu ändern?

Update 24.06.18: Verbund-Chef: “Wir bräuchten zwei Mal die Donau noch zusätzlich”

Auch aus Österreich gibt es Beispiele, wo große Ansagen kaum mit der Realität standhalten können. Quelle: Die Presse

Er verteilt zwar Lob die vor wenigen Wochen beschlossene Energiestrategie der Regierung. In der Zielsetzung sei sie allerdings “eher euphorisch”. Innerhalb von zwölf Jahren soll die in Österreich verbrauchte Strommenge zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energieträgern gedeckt werden können. Derzeit sei man bei etwa 75 Prozent. “Wir bräuchten zwei Mal die Donau noch zusätzlich”, so Anzengruber. Es müssten nämlich noch einmal 30 bis 35 Terawattstunden an Leistung gebaut werden – das entspricht zwei Mal der ganzen Strommenge, die aus Donaukraftwerken gewonnen werden kann.

Die Genehmigung der 380-kV-Leitung in Salzburg liegt auch nach 15 Jahren noch nicht vor.

Dafür fehlen auch ausreichende Leitungskapazitäten. Der einzige sinnvolle Ansatz sind auch hier Energiezellen, also die lokale bzw. regionale Balancierung zwischen Verbrauch und Erzeugung. Die Frage ist, ob die Denkweise bereits soweit fortgeschritten ist.

Geld für Investitionen stünde zur Verfügung, manche fertig geplante Projekte könnten aber nicht verwirklicht werden, weil die Genehmigungen lange dauern oder nötige Stromleitungen fehlen. Für Anzengruber sind die großen Themen Speicher und Flexibilisierung – dazu gehören digitale Lösungen und Leitungen, um eine bessere Verbindung zwischen Stromerzeugern und Stromverbrauchern herzustellen.

Ein großes Thema ist die Stabilisierung des Strommarktes, die durch schwankende Produktion von Wind-, Solar- und Wasserkraft wichtiger wird. Dazu müssen fossile Kraftwerke in Reserve gehalten werden, um einzuspringen sobald die erneuerbare Produktion nicht passt.

Siehe hier etwa die Beispieltage am 21. und 22. Juni 2018.

Durch anklicken vergrößern.

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Der Verbund steuert in das Reservesystem das Kraftwerk Mellach bei, mit rund 850 MW Leistung. Das entspricht einem Viertel der gesamten benötigten Reserve von rund 3000 MW. Alleine die Reservehaltung von Mellach kostet – mit Schwankungen je nach Bedarf – in der Größenordnung von 10 Millionen Euro im Jahr.

Ohne Engpassmanagement werde es zumindest die nächsten zehn Jahre nicht gehen, sagt Anzengruber. Zuletzt hat die für das Stromnetz zuständige Verbund-Tochter APG an 300 von 365 Tagen zur Stabilisierung des Netzes eingreifen müssen, ein Jahr davor waren es erst 100 Tage. “Das wird nicht weniger werden”.

Siehe dazu die Kostenentwicklung im Engpassmanagement:

Entwicklung der Engpassmanagementkosten (Datenquelle: APG)

Entwicklung der Engpassmanagementkosten (Datenquelle: APG)

Unverändert schmerzhaft ist für Anzengruber, dass ab 1. Oktober die Strommärkte von Österreich und Deutschland getrennt werden. Wenn es also künftig Engpässe in Europa gibt, kann die Grenze zwischen Deutschland und Österreich für Stromtransfers dichtgemacht werden. Die maximale Durchleitung wird von 10.000 MWh auf 4.900 MWh halbiert. Damit werden Deutschland und Österreich künftig unterschiedliche Strompreise haben. “Wenn man physikalisch richtig handeln würde, müsste man Deutschland teilen” in einen Norden mit viel Windenergie und einen Süden. In Mitteldeutschland liege wegen fehlender Stromleitungen der Engpass, sagt Anzengruber. Die Trennung zwischen Österreich und Deutschland sei “irrational”. Allerdings bleibe nur ein kleiner Teil des Stroms, der derzeit von Deutschland nach Österreich kommt, in Österreich: 60 Prozent gehen weiter nach Osteuropa.

 

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