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Wenn nichts mehr geht

 

Quelle: www.eigeneszuhause.at Beilage Energie im Fokus im Der Standard vom 21.06.18

Ein europaweiter Strom- und Infrastrukturausfall, ein sogenanntes Blackout, ist für uns kaum vorstellbar. Gleichzeitig war die Gefahr noch nie so groß wie heute.

Wir leben in Österreich in der sichersten Zeit, die es jemals gab. Aber es gibt auch Schattenseiten, die wir kaum wahrnehmen. Durch die zunehmende technische Vernetzung entstehen immer mehr Abhängigkeiten. Auch wenn sehr viel für die Sicherheit getan wird, gibt es nirgends eine hundertprozentige Sicherheit.

So auch nicht in der Stromversorgung. Durch zahlreiche Parameter steigt seit Jahren die Wahrscheinlichkeit für einen europaweiten Strom- und Infrastrukturausfall. Würde ein solches Ereignis heute eintreten, was ich binnen der nächsten fünf Jahre erwarte, würde unsere Gesellschaft auf den Kopf gestellt werden.

Persönliche Vorsorge

Weniger wegen des Stromausfalls als vielmehr durch dessen Folgen. So muss etwa erwartet werden, dass es nach einem solchen Ereignis zumindest noch Tage dauern wird, bis die Telekommunikationsverbindungen wieder halbwegs stabil funktionieren. Folglich stehen bis dahin die gesamte Produktion, Logistik und auch viele andere Leistungen still. Weder Tankstellen noch Supermärkte funktionieren.

Eine Vielzahl von länger andauernden Versorgungsengpässen müssen erwartet werden. Gleichzeitig wissen wir aus einer Studie, dass sich rund ein Drittel der Bevölkerung nicht in der Lage sieht, sich länger als vier Tage selbst versorgen zu können. Nach sieben Tagen sind das bereits sechs Millionen Menschen. Dafür gibt es jedoch keinerlei Vorkehrungen, auf so etwas sind wir überhaupt nicht vorbereitet.

Dabei wäre es relativ einfach: Jeder von uns muss zumindest zwei Wochen über die Runden kommen können, ohne einkaufen gehen zu müssen. Die Einsatzorganisationen werden ebenfalls rasch an ihre Grenzen stoßen. Die persönliche Vorsorge ist daher überlebenswichtig. Dabei sollte nicht auf allfällig notwendige Medikamente oder den Erste-Hilfe-Kurs vergessen werden. Denn auch die Gesundheitsversorgung wird nur mehr sehr eingeschränkt funktionieren.

Rascher Wiederanlauf

Ein rascher Wiederanlauf und die Rückkehr zu einer Normalität werden nur dann gelingen, wenn möglichst viele Menschen vorgesorgt haben. Nur dann werden nämlich genügend Fachkräfte ihre Familien allein lassen können, um die Systeme wieder hochzufahren und die Schäden zu beheben. Gerade dieser Faktor wird sehr häufig vernachlässigt.

Eine breite Debatte über die drohende Gefahr ist daher unverzichtbar. Natürlich wird eine solche Auseinandersetzung die Menschen aufrütteln. Aus Erfahrung führt der darauffolgende Nachdenkprozess aber in vielen Fällen zu kreativen Lösungen. Und dieses Potenzial gilt es zu nutzen!

Gemeinde und Bürgermeister

Die Auseinandersetzung muss dann vor allem in der Gemeinde fortgesetzt werden. Denn viele wichtige Infrastrukturleistungen, wie Wasserver-, Abwasserent-, Gesundheits-, Abfallentsorgungs- oder Teile der Lebensmittelversorgung erfolgen auf dieser Ebene. Und auch die Krisenbewältigung wird sich hauptsächlich hier abspielen.

Daher ist jeder Bürgermeister/jede Bürgermeisterin gefordert, hier konkrete Schritte zu setzen. Die Menschen erwarten sich das und ihnen ist die Wahrheit zumutbar. Eine vorbereitete Gesellschaft kann auch mit solchen Szenarien umgehen.

 

 

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