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Komplexität meistern – Selbstführung & Ableitungen für Infrastruktursysteme

 

Quelle: karrierenews.diepresse.com (siehe auch weitere Beiträge zu Maria Pruckner auf dieser Seite)

Wer Komplexes meistern will, muss bei der Selbstführung beginnen.

Hing im Steinzeitalter das eigene Schicksal noch davon ab, wie gut man mit den Phänomenen der freien Natur umgehen konnte, hängt es heute davon ab, wie gut man mit komplexen Systemen umgeht. Galt im 20. Jahrhundert noch alle Aufmerksamkeit den Phänomenen von Energie und Materie, so gilt sie heute denen der Information und Kommunikation, Selbststeuerung und Selbstregulierung. Kam es im 20. Jahrhundert vor allem auf Äußerlichkeiten an, geht es im 21. Jahrhundert vor allem innere Zustände und Vorgänge. Ging es bis vor wenigen Jahrzehnten noch darum, was man tun sollte, geht es heute darum, was man wissen und denken sollte. Waren bis dahin Mechaniken wie etwa Uhrwerke das Leitmodell für eine gute Organisation, so ist es heute der menschliche Organismus. „Mensch, erkenne dich selbst, dann weißt du alles“, wusste schon der gute alte Sokrates.

Kommentar

Siehe auch Transformation zur Netzwerkgesellschaft.

Mensch, gedenke, du bist komplex…

Dennoch versuchen wir weiterhin mit aller Kraft die Menschen an die (IT-)Technik anzupassen, statt umgekehrt. Das bisherige Lehrgeld war offensichtlich noch nicht ausreichend.

Zu viel Information für ein Gehirn

Daher ist vernetztes Denken und Handeln die Voraussetzung,  um mit den neuen Herausforderungen, die durch unsere technische Vernetzung geschaffen werden, umzugehen. Leider sind wir jedoch noch in vielen Bereichen in “Silos” organisiert und halten an in der Vergangenheit erfolgreichen (Denk-)Modellen fest. Zum anderen steht uns unser auf Konkurrenz ausgerichtet Wirtschaftssystem im Weg, um kooperativ an die Herausforderungen herangehen zu können.

Nicht vollkommen analysierbar

Wir gehen nach wie vor mit unserem vorherrschendem mechanistischen/linearen Weltbild an die neuen Herausforderungen heran.

Nicht sicher vorhersehbar

Daher sind Prognosen und Rechenmodelle nur bedingt tauglich, um mit komplexen Systemen umzugehen, wenngleich immer ein sowohl-als-auch gilt. Wenn man sich der Grenzen und Schattenseiten, sowie der Konsequenzen bewusst ist, dann können sie durchaus nützlich sein. Wir neigen jedoch dazu, nur eine Seite der Medaille zu betrachten. Gerade die Wettervorhersagen zeigen uns immer wieder, dass es trotz aller Raffinessen Ausreißer gibt, die im Stromversorgungssystem katastrophal enden können.

Veränderung durch jede Information

Und gerade hier trägt die chaotische Vernetzung zu einer zunehmenden dynamischen und unvorhersehbaren Entwicklung bei, was selten bewusst ist.

Unbeschreiblich

Daher greifen (IT-)Sicherheitsmaßnahmen oft nur bedingt bis gar nicht, da sich die Dinge zu rasch weiterentwickeln.

Nicht direkt beeinflussbar

Hier kommen dann einfache Verschwörungstheorien auf den Plan, die vorgeben, alles einfach erklären zu können.

Geschichtsabhängigkeit

Die Schattenseite ist dabei, dass wir uns große und weitreichende Infrastrukturausfälle nicht vorstellen können, weil wir so etwas noch nicht erlebt haben. Daher ist eine Eigenvorsorge als essentielle Basis auch nur schwer zu vermitteln, was aber doch auch mit der fehlenden Information (siehe Veränderung durch jede Information) zusammenhängt.

Irreversibilität

Ein europaweiter Strom- und Infrastrukturausfall (“Blackout”) sollte nie passieren. Dennoch wird er passieren, weil wir uns die Zusammenhänge und Wechselwirkungen (“unsichtbare Fäden“) dieses größten, jemals von Menschen geschaffenem technischen Systems nicht vorstellen können und daher glauben, es mit unseren bisherigen Methoden und Denkweisen beherrschen zu können. Auch die Titanic galt als unsinkbar

Fehler-, Stör- und Krisenanfälligkeit

Sie, alle anderen Menschen und komplexen Systeme werden umso fehler-, stör- und krisenanfälliger, je komplexer Sie/sie sind und je schlechter als System konfiguriert bzw. organisiert. Ihre Organisation als Person und die anderer Menschen ergibt sich vor allem durch Ihre/deren körperliche, geistige und seelische Gesundheit, Bildung, Kooperations- und Lernfähigkeit sowie ethische Haltung. Bei anderen komplexen Systemen würde man von organisationaler Gesundheit und bei der Bildung von Programmen sprechen. Alles andere nennt man wie bei den Menschen selbst. Es ist typisch für alle komplexen Systeme, dass winzigste Impulse zu enormen Wirkungen führen können, während gigantische Maßnahmen vollkommen wirkungslos verpuffen können. Es kommt auf das jeweilige System – auf das Zusammenwirken von allen und allem an.

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte … Die Anzahl der Netzeingriffe in Deutschland zur Verhinderung eines Blackouts (siehe Auswertungen Redispatching). Und das ist nur ein Teil der Probleme, die im europäischen Stromversorgungssystem täglich bewältigt werden müssen.

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