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Wie sicher ist das Stromnetz vor dem Blackout?

 

Quelle: www.swp.de

Das europäische Verbundnetz ist das größte, einheitlich getaktete Elektrizitätsnetz der Welt.

Dass die Folgen verheerend wären, hat sich nicht erst nach dem Erfolg des Bestsellers „Blackout“ herumgesprochen. Marc Elsberg schildert darin die Folgen eines flächendeckenden Stromausfalls nach einer Hacker-Attacke. Dass diese keine Fiktion sind, hat das Büro für Technikfolgenabschätzung des Bundestags gezeigt. Es hat ein Szenario erarbeitet, welches die Auswirkungen eines solchen Blackouts beschreibt. Mit großer Sachlichkeit schildert der Bericht, wie Deutschland innerhalb weniger Tage in endzeitliche Zustände katapultiert würde. Kein Strom bedeutet keine Kommunikation, keine Mobilität, kein Essen, kein Wasser, keine Sicherheit.

Experten warnen seit langem, dass sowohl Cyberterroristen als auch Hackergruppen mit staatlichem Hintergrund immer ausgefeiltere Strategien entwickeln.

„Es könnte jederzeit zu einem Gau kommen“, sagt Sebastian Schreiber, IT-Sicherheitsunternehmer, der regelmäßig von Energieversorgern und Netzbetreibern aufgefordert wird, Testangriffe auf ihre Systeme auszuführen. Es stehe außer Frage, dass Hacker in Süddeutschland ein Stromnetz lahmlegen werden. „Die Frage ist nur wann.“ Vor allem kleinere Stadtwerke seien „viel zu schwach vorbereitet“, es fehle an nötigen Sicherheitsexperten.

Netz neigt zu Kettenreaktionen

Für die Arte-Dokumentation „Netwars“ etwa hat ein Profi-Hacker innerhalb von zwei Tagen in das System der Ettlinger Stadtwerke eindringen können. Notfallpläne aber, was es nach einem Angriff zu tun gilt, hätten nur die wenigsten Stadtwerke, sagt Schreiber. Und das ist ein Problem. Denn die Ettlinger sind wie jedes andere Stadtwerk an das „Synchronous Grid of Continental Europe“ angeschlossen. Das europäische Stromnetz ist das größte, einheitlich getaktete Netz der Welt. Das bedeutet: Der Strom muss in komplett Europa zu jedem Zeitpunkt mit einer Frequenz von etwa 50 Hertz durch das Netz fließen. Fällt ein ausreichend großer Teil des Netzes aus, würde das die Frequenz ändern und könnte sich in einer Kettenreaktion auf weitere Teile des Netzes auswirken.

Ein einziges lahmgelegtes Netz eines Stadtwerks würde für einen solchen Effekt zwar nicht ausreichen. Allerdings bergen die kommunalen Energieversorger noch ein weiteres Risiko: Die Beinahe-Monokultur ihrer Softwaresysteme. Der Fraunhofer-Wissenschaftler Mathias Dalheimer schätzt, dass bundesweit nur etwa drei Softwaresysteme genutzt werden. Finden Hacker eine Lücke darin, könnten sie diese auf zahlreiche Stadtwerke anwenden. „Wenn sie da gezielt angreifen, werden sie großen Schaden anrichten.“

Ist das Netz einmal unten, ist es alles andere als einfach, es wieder hochzufahren. 

Trotz der europäischen Dimension dieses Problems gibt es allerdings noch immer keine europäischen Mindeststandards für den Schutz kritischer Infrastrukturen wie etwa dem Energie-, oder dem Kommunikationssektor. Auf Anfrage teilt die Europäische Agentur für Netze und IT-Sicherheit (ENISA) mit, dass es aber eine der Hauptaufgaben für 2017 sei, Mindeststandards „zu identifizieren und zu definieren“.

Kommentar

Sehr gut recherchierten Artikel. Leider gibt es nicht nur IT-Sicherheitsprobleme, sondern das System selbst wird zunehmend durch Komplexitätsüberlastung instabiler, womit wahrscheinlich in letzter Konsequenz auch eine Kleinigkeit ausreichen wird, um das System zu kippen zu bringen … der berühmte Tropfen.

Die größte Gefahr geht eigentlich nicht von einem möglichen Kollaps des europäischen Verbundsystems aus, sondern von uns selbst, indem wir diese Möglichkeit de facto ausschließen und sowohl die Bevölkerung als auch die gesamte Wirtschaft und Gesellschaft so gut wie unvorbereitet sind, was erst die wirkliche Katastrophe auslöst. Wenn sich etwa binnen wenigen Tagen Millionen Menschen nicht mehr selbst versorgen können … dann gibt es auch keine externe Hilfe.

Aber leider muss wohl erst etwas passieren, bevor etwas passiert … obwohl wir uns das mit Sicherheit nicht leisten wollen und können. Dazu auch das aktuelle Radiointerview auf Deutschlandradio.

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