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Stromnetz kurz vor dem Zusammenbruch

 

Quelle: FAZ

Das deutsche [europäische!!] Stromnetz ist in einem besorgniserregenden Zustand. Der Ausbau geht zu langsam und die Krisen häufen sich. Nun spricht ein Betreiber Klartext.

Das deutsche Stromnetz hat im Winter nach Angaben des Netzbetreibers Amprion mehrmals kurz vor dem Zusammenbruch gestanden. „Es haben nur wenige Tropfen gefehlt, und es wäre zum Überlaufen gekommen, das heißt Blackout“, sagte der Technische Geschäftsführer Klaus Kleinekorte am Donnerstag. Grund für die zeitweise extrem hohe Transportbelastung des Elektrizitätsnetzes zwischen Dezember und Februar sei das Zusammentreffen mehrerer kritischer Faktoren gewesen. So seien Kernkraftwerke in Frankreich und Belgien unerwartet ausgefallen, auch eines in Süddeutschland. Historisch niedrige Wasserfüllstände in den Speicherseen der Alpen hätten die Stromlieferungen der Wasserkraftwerke begrenzt. Deutsche Betreiber von Windkraft- und Solaranlagen wegen des dunklen und windarmen Winterwetters („Dunkelflaute“) zudem kaum Elektrizität ins Netz abgegeben.

Das reduzierte Stromangebot stieß auf eine große Nachfrage, die nicht zuletzt dem kalten Winterwetter auch in Frankreich geschuldet war. Amprion, dessen Netz im Westen Deutschlands an die Grenze zu den Niederlanden, Belgien und Frankreich stößt, musste die fehlende Erzeugung durch das Einschalten lokaler Kohle- und Gaskraftwerke ausgleichen, was zu 20 Millionen Euro Extrakosten für diesen „Redispatch“ führte.

Die Faktoren waren bekannt, doch hat bisher kein Netzbetreiber ihre Folgen so drastisch beschrieben. „Wir waren am Limit“, sagte Kleinekorte. Wenn sich nur eine große Leitung wegen Überlastung abgeschaltet hätte, wäre es womöglich zu einer Kaskade von Abschaltungen und Stromausfällen gekommen. „Von Dezember bis Februar gab es immer wieder Stunden an verschiedenen Abenden, wo wir hart an der Kante waren.“

Am 18. Januar etwa hatte Amprion nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung die Netzagentur und das Wirtschaftsministerium in einer Alarmmail auf den „temporären Verlust der n-1-sicheren Netzführung“ hingewiesen. Das bedeutet, dass das Netz ohne den ansonsten vorgeschriebenen Sicherheitspuffer gefahren wurde.

Die Problematik werde sich verschärfen, wenn die Kernkraftwerke in Süddeutschland vom Netz gingen. Im Jahre 2022 soll das letzte deutsche Atomkraftwerk abgeschaltet werden: „Mit dem Wegfall der Kernkraftwerke im Süden Deutschlands wird der hohe Transportbedarf zur Regel werden“, sagte Kleinekorte.

Kommentar

Siehe auch die systemische Betrachtung unter Wasserkraft verhinderte Blackout. Am 07. Juni 2017 wurde um 13 Uhr in Deutschland gleich viel Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt, wie am Sonntag davor in ganz Deutschland verbraucht wurde. Zu anderen Zeiten wiederum wird nur ein Bruchteil des Verbrauchs produziert, was durch andere Kraftwerke kompensiert werden muss, die meist nicht so flexibel sind, wie die volatile Erzeugung. Am Abend des 07. Juni kam es etwa in Österreich zu einer massiven Abweichung zwischen prognostizierter und tatsächlicher Windstromproduktion von 945 MW, was nur durch den kurzfristigen Einsatz von mehreren Gaskraftwerken kompensiert werden konnte. Am 10. Juni wiederum mussten 1.126 MW wegen des kurzfristigen Überschusses abgeregelt werden.

Im europäischen Stromversorgungssystem muss jedoch zu jedem Augenblick die Balance zwischen Erzeugung und Verbrauch sichergestellt werden. Ansonsten kommt es zum Kollaps. Wir reden daher längst nicht nur um ein Problem im vergangenem Winter, sondern um eine Zuspitzung, die laufend fortschreitet.

Und es geht längst nicht nur um den sicher auch erforderlichen Übertragungsnetzausbau, sondern um einen kompletten Systemumbau in ein Energiezellensystem, damit diese Entwicklungen beherrschbar bleiben. Denn das Thema Energiebevorratung kommt nach wie vor kaum vor, ohne die eine Energiewende zu Erneuerbaren Energien nicht funktionieren kann. Aber offensichtlich werden wir das erst glauben, wenn es zu spät ist.

Stromproduktion DEU 02.-09.06.17

Differenz AUT am 07.06.17 – kurzfristige fehlende Produktion aus Windstrom

Differenz AUT am 10.06.17 – kurzfristiger Leistungsüberschuss durch Mehrproduktion aus Windstrom

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