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Stromausfall war der Grund für das Computerchaos

 

Quelle: orf.atwww.golem.de

Ein Stromausfall war der Grund für das Computerchaos bei der Fluglinie British Airways (BA) am Wochenende – mögliche Ursache: menschliches Versagen. Ein Mitarbeiter eines externen Dienstleisters soll irrtümlich den Strom im Datencenter abgedreht und damit eine fatale Kettenreaktion ausgelöst haben.

Dabei soll eine eigentlich nicht zu unterbrechende Stromversorgung unterbrochen worden sein. Nach einigen wenigen Minuten totalem Stromausfall soll der Strom in einer „unkontrollierten und ungeplanten“ Art und Weise wieder aufgedreht worden sein, was auch zu einem physischen Schaden am System geführt und das Problem weiter verschlimmert habe, zitierte der „Guardian“. Offenbar versagten bei dem Ausfall auch sämtliche Back-ups und Notstromlösungen.

Im ungünstigsten Fall könnten die Serversysteme dadurch kurzzeitig mit der doppelten Spannung versorgt worden sein, weil Batterien und Generatoren in Reihe geschaltet wurden.

Durch den Aufall der Systeme musste die Fluglinie am Samstag alle Flüge von Heathrow und Gatwick streichen, 75.000 Menschen saßen alleine dort fest.

Wie die „Times“ berichtete, soll die Fluglinie Warnungen ignoriert haben, wonach die Auslagerung von Jobs, Kostenstreichungen und der Verlust erfahrener Mitarbeiter die Sicherheit der IT-System bedrohten.

Der „Guardian“ rechnete mit rund 100 Mio. Pfund Kosten. Es dauerte mehrere Tage, bis die Systeme wieder alle zuverlässig liefen. Ein Informant sagte dem britischen Boulevardblatt The Sun, dass es aufgrund beschädigter Daten noch monatelang zu Beeinträchtigungen kommen kann.

Kommentar

Kleine Ursache, große Wirkung, einmal mehr ein Beispiel für ein systemisches Risiko in einem komplexen System. Und es bestätigt leider meine  Befürchtungen, was die Verwundbarkeit der IKT-Systeme im Fall eines Blackouts betrifft :-(. Hier war nur ein Unternehmen und ein Standort betroffen. Wenn weite Teile Europas davon gleichzeitig betroffen sein werden, dann wird das Chaos noch um Dimensionen größer sein, auch wenn nicht alle Not- und Backup-Maßnahmen versagen werden, zumindest nicht in den ersten Stunden. Das Thema “Auslagerung von Jobs, Kostenstreichungen und der Verlust erfahrener Mitarbeiter” ist hier leider auch kein Einzelfall, sondern weit verbreitete Praxis, was den Wiederanlauf der Systeme erheblich erschweren wird. Siehe auch Schwarmdumm – So blöd sind wir nur gemeinsam.

ZIB2: Computer-Panne bei British Airways: Meine Einschätzung vom Montag wurde bestätigt. Der Redakteur fragte mich noch, wie das passieren kann und dass das Buchungssystem ja eigentlich kein Teil der Kritischen Infrastruktur sei … Genau so ist es. Aber in einem komplexen System hilft keine Siloeinteilung und eine Meldung gem. NIS-Richtlinie, oder sonst einer rechtlichen Grundlage – siehe Im Blickpunkt: Das IT-Sicherheitsgesetz – Risikofaktor Scheinsicherheit. Es ist wohl auch wenig plausible, dass EIN Mitarbeiter einen so weitreichenden Schaden auslösen kann. Hier müssen bereits im Vorfeld eine ganze Reihe von Maßnahmen versagt haben (Designfehler), damit es zum Ausfall sämtlicher Backup- und Eigenschutzsysteme kommen konnte. Aber auch das ist nicht erst zum ersten Mal passiert: Stromausfall legte den Flugverkehr in Belgien lahm oder Systemausfall: Delta-Flugzeuge können nicht starten

Nicht-Linearität und fehlende Ursache-Wirkungsketten, ebenfalls Kennzeichen von komplexen Systemen. Aber ein Schuldiger wird trotzdem schnell gefunden. Ein ähnliches Beispiel gab es ja auch unlängst beim großen Ausfall bei amazon (Tippfehler löste Störung in Amazons Webservice aus). Es deutet daher eher darauf hin, dass wir mit einfachen Erklärungsmodellen komplexe Zusammenhänge begreifen wollen, was zum Scheitern verurteilt ist. Daher sollte uns die Doku: Wir hacken Deutschland umso mehr Sorgen und Kopfzerbrechen bereiten. Aber wir werden es erst glauben, wenn es bestätigt wurde, dass es möglich ist. Ein Schwarzer Schwan, der längst schon ziemlich grau geworden ist.

Update 16.06.17 – Computerpanne kostet British Airways 80 Mio. Pfund

Quelle: orf.at

Die dreitägige Computerpanne bei British Airways Ende Mai kostet die Airline rund 80 Mio. Pfund (91 Mio. Euro). Das habe eine erste Schätzung ergeben. British Airways hatte über das Wochenende 726 Flüge absagen müssen, knapp 30 Prozent. Rund 75.000 Passagiere waren betroffen.

 

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