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SRF-Blackout – Fragen und Antworten zum Thema Stromausfall

 

Quelle: alertswiss.ch

Hier sammeln wir laufend Fragen und Antworten zum Thema Stromausfall, welche im Rahmen des SRF Thementages «SRF Blackout» eingehen. Haben auch Sie eine Frage? Stellen Sie diese direkt an die Expertinnen und Experten des Bundesamts für Bevölkerungsschutz (BABS) im Blackout-Chat oder unter der Blackout-Infoline: 0800 80 80 66 (Gratisnummer).

Wie wahrscheinlich ist ein Szenario Stromausfall in der Schweiz?

Ein grossflächiger, länger andauernden Stromausfall ist in der Schweiz etwa einmal in 30 Jahren zu erwarten. Die wahrscheinlichsten Gründe für einen solchen Stromausfall sind Naturgefahren (Eisbildung, Sturm usw.) oder technische Ursachen (Netzprobleme). Nicht auszuschliessen sind auch Sabotage, Terrorismus oder Cyber-Angriffe.

Wenn man bedenkt, wie viele 100-jährige Hochwässer es in den letzten 15 Jahren gab und dass das letzte europäische Blackout bald 41 Jahre aus ist, dann sollte das zum Nachdenken anregen. Zudem hat die Schweiz kein Inselnetz, sondern ist Teil des europäischen Verbundsystems – wo überall die gleichen physikalischen Gesetze gelten, auch im Fall des Ausfalls!

Natürlich gibt es keinen Zusammenhang zwischen Blackouts und Hochwässern. Damit soll nur zum Ausdruck gebracht werden, wie zuverlässig solche Wahrscheinlichkeitsberechnungen in anderen Bereichen sind. Mir wäre kein Beispiel bekannt, wo sich diese nicht in der Realität zu unserem Nachteil ausgewirkt hätten (z. B. Nuklearunfälle). Daher sind Wahrscheinlichkeitsberechnungen bei extrem seltenen Ereignissen sehr kritisch zu betrachten. Viel entscheidender ist daher das Potential der möglichen Auswirkungen, was gerade bei der Stromversorgung aufgrund der sehr hohen wechselseitigen Abhängigkeiten verheerend sein kann.

Wie kann ich mich auf einen Stromausfall vorbereiten?

Für die persönliche Vorsorge empfiehlt das BABS den Alertswiss-Notfallplan zu erstellen und einen Notvorrat für einige Tage bereit zu halten. Damit sollten Sie sich selber versorgen können, bis sich die Lage entweder normalisiert oder die staatliche Hilfe anspringt. Wie viel Sie genau benötigen, hängt von Ihren Lebensumständen ab. Möglichst Lebensmittel wählen, welche ohne Kühlung gelagert und ohne Strom zubereitet werden können. Was und wie viel in den Notvorrat gehört, können Sie hier nachlesen.

Siehe auch Was kann ICH tun?

Ist es empfehlenswert jetzt ein Radio mit Batteriebetrieb zu kaufen?

Ja, eine Anschaffung eines batteriebetriebenen Radios ist auf jeden Fall empfehlenswert.

Wie lange dauert es bei einem gesamten Stromausfall in der Schweiz, bis die Stromversorgung wieder funktioniert?

Je nach Ursache und Ausmass des Stromausfalls dauert es unterschiedlich lange, bis das Stromnetz wieder flächendeckend und stabil funktioniert. Man geht jedoch davon aus, dass die Stromversorgung in der Regel innerhalb einiger Tage wieder soweit zur Verfügung steht, dass die Bevölkerung und Wirtschaft damit versorgt werden können.

Auch wenn der Strom wieder da ist, ist davon auszugehen, dass es Tage, Wochen und zum Teil Monate dauern wird, bis sich die Situation wieder normalisiert. Vor allem in der hoch synchronisierten Just-in-Time Lebensmittelversorgung. In der Schweiz gibt es auch dafür staatliche Vorsorgen, die aber frühestens nach 3 Tagen zu greifen beginnen. In Österreich gibt es keine vergleichbaren Vorkehrungen, dafür sind aber rund 1/3 der Bevölkerung (~ 3 Millionen Menschen) spätestens am 4. Tag einer Blackout-bedingten Versorgungsunterbrechung nicht mehr in der Lage, sich ausreichend selbst zu versorgen. Siehe Studie: Ernährungsvorsorge in Österreich.

Ganz abgesehen davon, dass die deutsche TAB-Studie bereits 2011 zum Schluss kam:

Aufgrund der nahezu vollständigen Durchdringung der Lebens- und Arbeitswelt mit elektrisch betriebenen Geräten würden sich die Folgen eines langandauernden und großflächigen Stromausfalls zu einer Schadenslage von besonderer Qualität summieren. Betroffen wären alle Kritischen Infrastrukturen, und ein Kollaps der gesamten Gesellschaft wäre kaum zu verhindern. Trotz dieses Gefahren- und Katastrophenpotenzials ist ein diesbezügliches gesellschaftliches Risikobewusstsein nur in Ansätzen vorhanden. Eine „nationale Katastrophe“ wäre ein langandauernder Stromausfall aber auch deshalb, weil weder die Bevölkerung noch die Unternehmen, noch der Staat hierauf vorbereitet sind. Spätestens am Ende der ersten Woche wäre eine Katastrophe zu erwarten, d. h. die gesundheitliche Schädigung bzw. der Tod sehr vieler Menschen sowie eine mit lokal bzw. regional verfügbaren Mitteln und personellen Kapazitäten nicht mehr zu bewältigende Problemlage.

Warum habe ich in der Wohnung kein Wasser, wenn der Strom ausfällt?

Je nach Topographie kann die Wasserversorgung lokal auch ohne Strom funktionieren. Im Allgemeinen gilt jedoch, dass die Wasserversorgung (Frisch- und Abwasser) aufgrund von Pumpen vom Stromnetz abhängig ist.

Stromausfall auf dem Sessellift oder im Gotthardtunnel – was nun?

Quelle: www.srf.ch

Im Skigebiet auf dem Sessellift, mitten im Gotthard-Strassentunnel oder im Krematorium: Was passiert wo, wenn wir von einem Blackout überrascht werden? Und wie ist man an diesen Orten darauf vorbereitet?

Wenn ein Blackout eintrifft, dann geschieht dies voraussichtlich vollkommen unerwartet. Was passiert, wenn man zu diesem Zeitpunkt auf dem Sessellift in einem Skigebiet festsitzt? Wenn man gerade im Auto den Gotthardtunnel durchquert? Wie wären Supermärkte oder sogar Krematorien von einem längeren Blackout betroffen? Wir haben an verschiedenen Orten in der Schweiz nachgefragt.

Oben blau, unten grau! In den Skigebieten tummeln sich tausende Menschen – und mitten am Tag fallen plötzlich alle Anlagen aus: Blackout! Natürlich ahnt zu Beginn niemand, dass es sich um einen lang andauernden Ausfall handelt.

Deshalb reagieren die Bergbahnen vermutlich zunächst nicht und lassen die Wintersportler auf dem Sessellift ausharren. Erst wenn sich abzeichnet, dass das Blackout länger dauert, werden die Bergbahnen entscheiden, die Passagiere von den Sesseln herunter zu holen.

Das Seilbahngesetz schreibt vor, dass alle Bergbahnen ein Konzept haben müssen, gemäss dem die Passagiere innert zwei Stunden von den Liften geholt werden können. Egal ob bei Sonnenschein, Nebel oder Regen! Solche Rettungsaktionen müssen regelmässig vor der Wintersaison geprobt werden.

Im Falle eines Blackouts können die meisten Sessel- und Gondelbahnen in der Schweiz auf ein Notstromaggregat zurückgreifen, um die Passagiere innert nützlicher Frist zurück auf den Boden zu holen – allerdings nur, wenn die Notstromaggregate im Falle eines Falles auch funktionieren.

Die Frage ist dennoch, ob damit auch der gleichzeitige Ausfall aller Lifte bzw. die Liftbergung abgedeckt ist. Wohl kaum, was vor allem eine personelle Frage sein wird. Ein Thema, dass auch in Österreich bisher nicht besser analysiert ist. Siehe VuK-Newsletter #23 – Achtsamkeit ist weiterhin notwendig

In Yaoundée, der Hauptstadt Kameruns

Stromausfälle gehören in vielen Drittwelt-Ländern wie beispielsweise Kamerun zur Tagesordnung. Die Menschen dort können sich auf das schlecht ausgebaute, unzuverlässige Stromnetz nicht verlassen. Gerade deshalb sind sie auf ein Blackout besser vorbereitet als wir. Gekocht wird vielerorts ohnehin mit Gas.

Jede Woche wird in der Millionenmetropole Yaoundée an einem Tag das Wasser abgestellt, da sonst die Wasserversorgung überlastet wäre. Einen Wasser-Notvorrat haben daher praktisch alle Bewohner ohnehin angelegt. Wenn der Strom aus ist, wird auf Kerzen oder Taschenlampen umgestiegen – auch sie gehören zur Pflichtausstattung der Haushalte. Die Bewohner Yaoundées würde auch ein mehrtägiger Stromausfall nicht aus der Ruhe bringen – anders als bei uns!

Genau das ist die massiv unterschätzte Achillesferse der mitteleuropäischen Gesellschaften.

 

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