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Lehren aus Infrastrukturausfällen nach Extremwetterereignissen

 

Mit diesem Beitrag wird versucht, Anhaltspunkte und Ableitungen zu finden, die für das Thema Krisenvorsorge, insbesondere mit Blick auf die Vorbereitung auf einen möglichen europaweiten Strom- und Infrastrukturausfalls (“Blackout”), relevant sein könnten. Auch um eigene Einschätzungen zu bestärken oder zu widerlegen, wenngleich das immer mit Unsicherheiten verbunden bleiben wird. Als Startpunkt werden die weitreichenden Infrastrukturausfälle nach den Hurrikans 2017 genommen.

Stromausfall und seine Folgen

Nach fünf Tagen ohne Strom findet Chelsea Jones, dass sie ihrem Ärger schon mal freien Lauf lassen kann. Im Kühlschrank vergammeln die Lebensmittel. Das faulige Wasser aus der Leitung müsste abgekocht werden, um es trinken zu können, solange die Klärwerke ausgefallen sind. Doch kochen kann sie nichts, weil ein Elektroherd ohne Elektrizität nun mal nicht funktioniert. Am schlimmsten aber ist, dass Quinn leidet, ihr 17 Monate alter Sohn. Chronisch krank, braucht er Medikamente und Spezialnahrung, was wiederum beides gekühlt werden muss.

Eine Weile lief noch das Notstromaggregat, nun aber ist das Benzin aufgebraucht. Um Benzin zu bekommen an einer der wenigen Tankstellen, die schon wieder offen sind, muss man sich für Stunden in eine Warteschlange einreihen, sechs Stunden lang, sagen die Nachbarn. Quelle; derstandard.at

Irgendwie ist es beachtlich, dass es nach fünf Tagen Stromausfall noch nicht zu mehr Eskalationen gekommen ist. Jedoch sei hier davor gewarnt, die Situation 1:1 auf Europa zu  übertragen. A) Sind die Menschen in der betroffenen Region öfters von Extremwetterereignissen betroffen und sicher besser vorbereitet, um mit Versorgungsausfällen umgehen zu können. B) Gab es eine Vorwarnzeit, um sich noch mit Nahrung einzudecken. Man wusste dann auch schon, dass es danach länger dauern kann, bis wieder alles läuft. C) Die zerstörte Infrastruktur wirkt sich noch schlimmer auf die Situation aus. Andererseits können die Menschen das anders fassen, wie wenn nicht zerstört ist und trotzdem nichts geht. Zudem sind sie wohl auch mit der direkten Schadensbeseitigung beschäftigt, was sie wiederum ablenkt. D) Trotz allem ist noch eine Hilfe von außen möglich, was bei einem Blackout nicht mehr der Fall sein wird.

Sicherheitskommunikation und Krisenvorsorge

Tatsächlich hat die Wissenschaft bei der Hurrikan-Vorhersage große Fortschritte gemacht. Die Meteorologie sei eines der wenigen Felder, “wo es Mensch und Maschine mit vereinten Kräften gelingt, die Kompliziertheiten der Natur zu verstehen”, schreibt Nate Silver in seinem Buch “Die Berechnung der Zukunft”. Darin untersucht der amerikanische Statistiker, warum Hurrikan Katrina im Jahr 2005 solch verheerende Schäden in New Orleans anrichten konnte. Silvers Fazit: Die Prognosen hätten richtig gelegen, Politik und Anwohner hätten die Warnungen der Fachleute aber nicht ernst genug genommen.

Wir sind hier beim Thema Infrastrukturausfall in einem ähnlichen Dilemma und werden danach dieselben Schlüsse ziehen können … siehe etwa aktuell System “an der Grenze der Belastungsfähigkeit”

In den USA ist für die Warnungen das Nationale Hurrikan-Zentrum in Miami zuständig. Die Behörde führt eine Statistik darüber, wie weit ihre Vorhersagen von der tatsächlichen Route der Stürme abweichen. In den vergangenen 25 Jahren hat sich der Prognosefehler mehr als halbiert. Doch 24 Stunden im Voraus liegt er nach wie vor bei durchschnittlich 160 Kilometern, drei Tage vorher liegen die Wissenschaftler 370 Kilometer daneben. Von Naples an Floridas Westküste bis nach Miami im Osten sind es etwa 200 Kilometer.

Unsere Zahlengläubigkeit, die uns blind für die Realität macht. Daher auch immer wieder die Fragestellung: “Wie wahrscheinlich ist ein Blackout?” oder “Gibt es eine gesetzliche Verpflichtung zur Vorbereitung?” um nichts tun zu müssen.

Doch diese eingeschränkten Modelle sind anfällig für Fehler. Denn in der Atmosphäre hängt alles mit allem zusammen, es gelten die Gesetze der Chaostheorie. Sie besagen, dass kleine Ereignisse riesige Konsequenzen haben. Am anschaulichsten beschrieb das der Meteorologe Edward Lorenz, der den Begriff des Butterfly-Effekts prägte: “Der Flügelschlag eines Schmetterlings in Brasilien kann einen Tornado in Texas auslösen.”

Ein komplexes System … so wie wir auch gerade unsere Infrastruktursysteme durch die Vernetzung (“Digitalisierung”) zu immer größeren komplexen Systemen umformen. Die Beherrschbarkeit sinkt.

Daher gab es von Anfang an die Möglichkeit, dass Irma nicht an der Ost-, sondern an der Westküste der Florida-Halbinsel aufs Festland treffen könnte. Deshalb ist die Überraschung dieses Wochenendes nicht so sehr eine Geschichte über falsche Prognosen, sondern über die mangelhafte Fähigkeit des Menschen, mit Ungewissheit umzugehen. Quelle: www.sueddeutsche.de

Puerto Rico

23.09.17: Fast alle 3,4 Millionen Einwohner der Insel seien weiter ohne Strom.

Seit 19.09, also 4 Tage

30.12.17: Auch rund 100 Tage nach dem verheerenden Wirbelsturm “Maria” haben fast die Hälfte der Puerto Ricaner noch immer keinen Strom. Erst 55 Prozent der Haushalte seien wieder an das Elektrizitätsnetz angeschlossen. Keine einzige Gemeinde des US-Außengebiets wird vollständig mit Elektrizität versorgt. Allerdings werden Krankenhäuser, Einkaufszentren und Fabriken bevorzugt mit Energie versorgt.

New Orleans, 2005

When I visited my home town of New Orleans five months after Katrina in 2005, the city had been reduced from some 600,000 to only 80,000 people. I saw no children at all during those two weeks and few women. No school was open. Many of the men present were Hispanics doing the dirtiest work. Residents were at least able to move elsewhere while the city was rebuilt.

If most people are left on these Caribbean islands, their civility will be tested to the extreme. Power grids need to rebuilt entirely, and then water and sewage lines may need to be completely overhauled. The help must be massive and long-term.

Modern civilization is highly complex, efficient in many ways, but increasingly vulnerable to disruption. As British historian Timothy Gordon Ash put it in the wake of Katrina, “Katrina’s big lesson is that the crust of civilisation on which we tread is always wafer thin. One tremor, and you’ve fallen through, scratching and gouging for your life like a wild dog.”

Quelle: energytransition.org

— wird fortgesetzt —

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