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Truthahn-Illusion: «Das Risiko des Blackout spielt eine untergeordnete Rolle»

 

Quelle: www.derbund.ch

In der Schweiz gibt es am am 27. November eine Abstimmung, ob ein rascher Atomausstieg erfolgen soll. Laut derzeitigen Umfragen sind 56 Prozent dafür.

Wenn Atomkraftwerke vorzeitig abgestellt werden, breche das Stromnetz zusammen, sagt der Gewerbeverband. Was sagen Sie dazu?
Grundsätzlich haben wir in Europa genügend Kapazitäten, um Strom zu erzeugen, selbst wenn Beznau 1 und 2 und Mühleberg 2017 vom Netz genommen würden. Es gibt europaweit Stromerzeugungsanlagen, die zusätzlich in Betrieb genommen werden müssten, um den Bedarf mittelfristig zu decken.

Laut Swissgrid bräuchte es zusätzliche Infrastruktur, wenn Beznau 1 und 2 und Mühleberg abgeschaltet werden.
Richtig. Eine Schwierigkeit ist, dass Strom das Kraftwerk in einer anderen Spannung verlässt, als wir ihn aus der Steckdose benötigen. Hier braucht es unter anderem zusätzliche Transformatoren und Leitungen an technisch sensiblen Punkten des Stromnetzes.

Laut Initiativbefürwortern besteht die Gefahr von Zusammenbrüchen vor allem bei Schnellabschaltungen, welche die Initiative nicht nach sich ziehen würde. Trifft das zu?
Wir sehen heute, dass selbst Schnellabschaltungen durch Importe und Pumpspeicherkraftwerke kurzfristig gut aufgefangen werden können. Allerdings würde eine Annahme der Initiative die Häufung von Schwankungen im Stromnetz klar erhöhen. Während gewissen Zeiten können keine erneuerbare Energien produziert werden – Solarstrom bei Dunkelheit, Windenergie bei Windstille. Um das auszugleichen, braucht es Produktionsanlagen wie Pumpspeicherkraftwerke.

Was können wir von Deutschland lernen, das seit 2011 9 von 17 Meilern abgeschaltet hat?
In Deutschland entfällt ein grosser Teil der erneuerbaren Produktion auf den Norden, etwa Windparks in der Nordsee. Gleichzeitig wird ein grosser Teil der Energie im Süden verbraucht. Das Leitungsnetz ist dafür noch nicht genügend ausgerüstet. Auch in der Schweiz wären teure Investitionen ins Netz nötig.

Wenn man Ihnen zuhört, könnte man Sie für einen Befürworter der Initiative halten.
Ich bin dezidierter Gegner der Initiative. Für mich spielt das Risiko eines Blackout aber eine untergeordnete Rolle. Wir von Avenir Suisse argumentieren ökonomisch.

Kommentar

Es ist spannend, wenn sich alle in Europa darauf verlassen, dass eh die anderen genug Erzeugungskapazitäten haben … nur scheinbar wird die Rechnung ohne den Wirten gemacht. Interessanter Weise hatte gerade die Schweiz im vergangenen Winter massive Probleme, die auch für heuer erwartet werden, da man eben nicht genug Strom importieren kann. Siehe Schweiz: Wieso uns bald ein Blackout drohen kann

Nicht, dass ich gegen die Abschaltung von AKWs wäre, ganz im Gegenteil. Nur wenn jeder macht, was er will und alle in unterschiedliche Richtungen gehen – wie das derzeit passiert, dann droht uns eine unvorstellbare Katastrophe. Das europäische Verbundsystem steht bereits heute durch diese Vorgehensweise an der Kippe und die Gefahr steigt mit jeder weiteren unkoordinierten Maßnahme, was ja auch aus dem Artikel hervorgeht: Fehlende Infrastrukturen (Transformatoren mit einer Einzelanfertigungszeit von mindestens einem Jahr!; Netze, die keine haben will), Häufung von Schwankungen

Daher ist die Aussage «Das Risiko des Blackout spielt eine untergeordnete Rolle» wohl eher eine gefährliche Truthahn-Illusion, die die möglichen Folgen eines Blackouts nicht kennt bzw. berücksichtigt – nämlich auch die Möglichkeit, dass es in Folge eines Blackouts irgendwo in Europa auch zu einem Super-GAU kommt! Siehe unter Nukleare Sicherheit.

Siehe auch Winterplanung SWISSGRID 2016/17

 

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