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Selbsthilfe beim Mega-Blackout

 

Quelle: Potsdamer Neueste Nachrichten

Die Gemeinde Schwielowsee spielt den Fall eines mehrtägigen Stromausfalls in allen Einzelheiten durch. Sie ist die erste Gemeinde des Landkreises, die Konsequenzen aus einer neuen Risikoanalyse zieht.

Im Schulhaus hat die Gemeinde ein Versorgungszentrum für Notleidende eingerichtet. [Siehe Kat-Leuchtturm]

Das Rathaus Schwielowsee bereitet sich mit einem Sonderplan auf einen langanhaltenden Blackout vor, andere Gemeinden im Landkreis werden demnächst wohl folgen. Hintergrund ist eine Initiative, die das Landratsamt schon vor anderthalb Jahren gestartet hat: Es geht darum, die bisherigen Notfallpläne, die für örtliche Gefahrenlagen wie Massenunfälle, Großbrände oder Überschwemmungen geschrieben wurden, um den Fall eines flächendeckenden, mehrtägigen Stromausfalls zu ergänzen.

Katastrophenschützer warnen seit Jahren vor großem Blackout

Regenerative Energien liefern keinen konstanten Strom, das deutsche Stromnetz ist deshalb in den vergangenen Jahren labiler geworden. Und damit auch die Gefahr eines langanhaltenden Stromausfalls, wie Katastrophenschützer seit Jahren warnen. Es dauere sechs Tage plus X, die Stromversorgung nach einem europaweiten Crash wieder zu stabilisieren, sagt Stephan Boy – mit massiven Folgen für die öffentliche Daseinsfürsorge, für die Lebensmittel- und Gesundheitsversorgung oder Mobilität. „Mit den bisherigen Strategien zur Gefahrenabwehr wird sich das nicht händeln lassen“, so Boy.

Sein Berliner „Kompetenzzentrum Kritische Infrastruktur“ in Berlin hat für alle Kommunen des Landkreises deshalb eine Risikoanalyse erstellt. Schon im Oktober wurde sie vorgestellt, jetzt ist es an den Kommunen, Konsequenzen zu ziehen. Schwielowsee sei die Gemeinde, die am ernsthaftesten mit den Risiken eines Blackouts umgeht, sagt Boy. In anderen Landkreisen sei das Thema, zu dem auch das Land den Kommunen empfiehlt, dringend tätig zu werden, angesichts der mit der Flüchtlingskrise verbundenen Aufgaben derweil aus dem Blickfeld geraten.

Wichtig sei auch, die Bevölkerung für eine solche Gefahrenlage zu sensibilisieren. „Zum Beispiel ist die inzwischen etwas belächelte Vorratshaltung ja doch nicht so schlecht“, sagt Hoppe.

„Wenn man wie Schwielowsee ein paar Dinge berücksichtigt und die Bürger darauf vorbereitet, kann man die Folgen eines Blackouts erheblich abmildern“, sagt Katastrophenexperte Boy. Bisweilen gehe es um Dinge, die wenig kosten, wie Notfallpläne in gedruckter Form oder ein Überblick über private Heizölkessel, um Dieselvorräte für zentrale Wärmstellen und Katastrophenschutzfahrzeuge auffüllen zu können. „Die Ölheizungen“, sagt Boy, „gehen ohne Strom ja ohnehin nicht mehr.“

Kommentar

Das 6 Tage+ Szenario wird hoffentlich in Österreich ausbleiben (siehe Blackout – Das Undenkbare zu denken wagen), sofern es sich “nur” um den erwarteten Systemkollaps handelt. Dennoch werden die Auswirkungen auch in Österreich durch die vielen transnationalen Abhängigkeiten massiv zu spüren sein (siehe Ernährungsvorsorge in Österreich).

Es freut mich ganz besonders, dass ich gerade die Neue Stadt Feldbach bei der Entwicklung des Vorsorge-Modells Blackout begleiten darf. Auch hier werden die Erkenntnisse bestätigt, dass es ohne einer breiten Einbindung und Mobilisierung der Bevölkerung nicht geht. Zudem steigt auch in Österreich das Interesse, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen.

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