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Infrastrukturausfälle & Nukleare Sicherheit

 

Quelle: www.deutschlandfunk.de

Mit der zunehmenden Digitalisierung wächst die Gefahr, dass auch Kernkraftwerke ins Visier von Hackern geraten. Wie so etwas aussehen könnte, hat die Stuxnet-Attacke auf das iranische Atomprogramm gezeigt. Auch in der Ukraine gab es kürzlich einen Fall, der Grund zur Sorge gibt.

Die Saboteure wollten die Stromversorgung zur Krim unterbrechen, als sie 2015 in der Ukraine mehrere Freileitungen sprengten. Ihre Aktion hatte einen Kollateralschaden: Weil das Netz den Strom nicht mehr aufnahm, kam es bei den Kernkraftwerken Saparoshje und Südukraine zu automatischen Lastabwürfen: Ventile schlossen die Dampfzufuhr zu den Turbinen, die Leistung von Reaktoren wurde schnell heruntergefahren: “Die Anlage braucht aber selber Strom, um die Hauptkühlmittelpumpen noch weiter betreiben zu können. Ja, und diese Leistung muss also im Kernkraftwerk noch bereitgestellt werden.”

Die Kernspaltung soll in diesem Fall möglichst so weit gedrosselt werden, dass das Atomkraftwerk gerade noch genügend Strom für sich selbst produziert, erklärt Christian Küppers vom Ökoinstitut Darmstadt. Fällt die Leistung zu stark, müssen die Notstromdiesel dran: “Wenn jetzt ein Stromnetz größerflächig ausgefallen ist, dann ist es auch schwierig, dieses Stromnetz wieder in Betrieb zu nehmen. Das kann sich über einen längeren Zeitraum hinziehen. Und für solche Zeiträume sind die Notstromdiesel eigentlich nicht gedacht.”

Im vergangenen Jahr ging in der Ukraine alles gut. Ein paar Wochen später mussten Mitarbeiter in den Kontrollräumen von drei ukrainischen Netzzentralen dann hilflos zusehen, wie Hacker ein Ortsnetz nach dem anderen abschalteten. Diesmal kam es nicht zu Lastabwürfen, aber die Stromversorgung war wieder angegriffen worden: “In Fällen, wo durch eine Attacke auf Überlandleitungen so etwas verursacht wird, oder eine Cyberattacke stattfindet auf das Stromnetz, da muss man sich schon ernsthaft Sorgen machen, dass dann die Kernkraftwerke da noch in der Lage sind, ihre Kühlung aufrechtzuerhalten.”

Beide Attacken zielten nicht auf die Kernkraftwerke, aber sie bedeuten ein Risiko. Und die Cyberattacke belegt die Probleme, die die Digitalisierung im Nuklearbereich bringt: “In vielen Belegschaften gibt es die Einstellung, dass Cyber-Sicherheit kein Thema ist, weil die Steuerungssysteme für die Reaktoren und Sicherheitseinrichtungen nicht mit dem Internet verbunden sind. Das ist jedoch ein Irrtum.”

“Meiner Meinung nach können Aufsichtsbehörden und Betreiber nicht mit der immens schnellen Entwicklung im IT-Bereich Schritt halten.”

Kommentar

Leider einmal mehr eine Bestätigung für die hier immer wieder geäußerte Sorge um die Nukleare Sicherheit im Fall eines Blackouts. Europa spielt mit der Ignoranz der Möglichkeit eines solchen Ereignisses ziemlich mit dem Feuer. Ein Super-GAU in Mitteleuropa ist für viele Menschen noch viel unvorstellbarer, als ein Blackout. Gleichzeitig gibt es hier eine gefährliche Abhängigkeit. Einmal mehr sei daher hier auf die Erfahrungen in Japan (Fukushima) verwiesen. Die Erfahrung, dass nicht immer nur das Internet an schweren Cyber-Zwischenfällen schuld sein muss, hat die österreichische Energiewirtschaft 2013 im Rahmen der Leittechnikstörung gewonnen, eine Erfahrung, die außerhalb Österreichs oder in anderen Sektoren wieder wenig bekannt ist.

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