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Ein möglicher europaweiter Strom- und Infrastrukturausfall und die Wintersportregionen

 

Erging an seilbahnen@wkv.at, tourismus@wkv.at und blieb unbeantwortet.

Sehr geehrte Damen und Herren,
ich beschäftige mich seit mehreren Jahren mit dem möglichen und realistischen Szenario eines europaweiten Strom- und Infrastrukturausfalls (“Blackout”) (siehe auch das aktuelle Interview auf FM4). Vor wenigen Wochen durfte ich dazu den Landesfeuerwehrverband Vorarlberg im Zuge einer zweitägigen Schulung für Führungskräfte begleiten bzw. die TeilnehmerInnen gemeinsam mit Vertretern der Illwerke/VKW sensibilisieren. Dabei ist ein Thema aufgekommen, dass vor allem Ihre Mitgliedsunternehmen massiv betrifft.
Grundsätzlich gibt es Notfallpläne, wie man in im Fall eines Stromausfalls/Betriebsstörung eine Liftbergung durchführt. Jedoch beziehen sich diese auf einzelne Lifte und nicht auf den Ausfall aller Lifte zum gleichen Zeitpunkt, wie das bei einem Blackout zu erwarten ist. Damit kommt es zu einem massiven Ressourcenmangel/Gleichzeitigkeitsbedarf. Eine andere Fragestellung betraf, wie man Menschen, die in nicht bewohnten Tälern von Skiliftschaukeln gestrandet sind, wieder herausholen kann, wenn alle die gleichen Ressourcen benötigen. Und wenn die Liftbergung erfolgreich war, kommen viele Gäste zeitgleich – möglicherweise schon durchfrohren – in die Beherbergungsbetriebe, die ebenfalls vom Stromausfall betroffen sein werden. Und wir sprechen hier nicht von einem kurzen Ausfall, sondern von rund 12 Stunden aufwärts. Und auch wenn in Vorarlberg nach dieser Zeit bereits wieder eine Stromversorgung funktionieren sollte, dann wird das in anderen Teilen Europas noch nicht der Fall sein, womit die Telekommunikations- und Logistikversorgung weiterhin nicht bzw. erst Tage nach dem unmittelbaren Stromausfall wieder funktionieren werden. Damit entstehen bei einem möglichen Blackout im Winter für die Skiregionen enorme Herausforderungen, die ohne eine Vorbereitung rasch im Chaos enden könnten. Ganz abgesehen davon, dass das eigene Personal und deren Familien genauso betroffen sind. Auch die Feuerwehren werden dadurch nur beschränkt zur Verfügung stehen bzw. können auf keinen Fall alle erwarteten Problemlagen bewältigen.
Ein weiteres Thema, dass ich bereits über “Hotels der Zukunft” kommuniziert habe, betrifft das elektronische Zutrittssystem in Hotels.
Ein Hersteller dieser Zutrittssysteme schätzt, dass etwa 40% der 5-/4-Stern-Hotels damit ausgestattet sind. Die Hälfte davon als Online-System, das ohne Strom überhaupt nicht funktioniert, sollte nicht eine entsprechende Notstromversorgung vorhanden sein. Bei den  Offline-Systemen ist zumindest nach Ablauf der Zimmerbuchung mit Problemen zu rechnen. Das würde bedeuten, dass zumindest bei etwa 500 Betrieben in Österreich das Zimmerzutrittssystem bei einem Blackout nicht mehr funktioniert und die Gäste ausgeschlossen werden. Auch wenn ein mechanisches Übersperren möglich sein sollte, würde das Hotelpersonal neben der vielen anderen Problemen wohl ziemlich rasch an Grenzen stoßen.
Zum anderen müssen größere Beherbergungsbetriebe in jeden Fall bei mit massiven Herausforderungen rechnen, wenn nichts mehr geht und eine Hilfe von “außen” nicht wirklich erwartbar ist.
Der Eintritt eines solchen Ereignisses ist in absehbarer Zukunft durchaus sehr realistisch. Der deutsche Innenminister hat erst im Sommer von der wahrscheinlichsten Groß-Katastrophe gesprochen. Die Schweiz hat, wie im vergangenem Winter auch im kommenden Winter ein großes Problem bei der Sicherstellung der Stromversorgung, dass auch in einem regionalen Blackout enden und wo aufgrund der räumlichen Nähe auch Vorarlberg betroffen sein könnte. Gleichzeitig sind wir als Gesellschaft überhaupt nicht darauf vorbereitet, weil wir uns  das nicht vorstellen können. Dabei könnte mit einfachen Maßnahmen, welche eine entsprechende Informationen und Kommunikation erfordern, der potenzielle Schaden bereits deutlich abgefedert werden. Oftmals geht es nur um organisatorische und kommunikative Belange, die wenig Geld kosten. Es fehlt derzeit vor allem an einer umfassenden öffentlichen Risikokommunikation, weil sich niemand richtig zuständig fühlt bzw. dieses Thema aufgreifen will, sieht man von einzelnen Meldungen wie Blackout als wahrscheinlichster Notfall ab.
Ich habe meine Ansprechpartner beim Landesfeuerwehrverband Vorarlberg auch gebeten, dass sie die erkannten Herausforderungen außerhalb der Feuerwehr auch an die entsprechenden Stellen kommunizieren.
Ich stehe gerne für weitere Informationen zur Verfügung und hoffe, dass Sie dieses gesellschaftswichtige Thema aufgreifen und an Ihre Mitgliedsunternehmen kommunizieren.
Bitte senden Sie diese Nachricht auch innerhalb der WKO an die anderen Länder-Organisationen, wo eine ähnliche Herausforderung zu erwarten ist.
Mit den besten Grüßen
Herbert Saurugg
 

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