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Wie sicher ist unsere Erdgasversorgung wirklich?

 

Gasspeicherstand Österreich

Quelle: https://transparency.gie.eu

DatumProzentFüllstand VorjahrDifferenzGleicher Stand Vorjahr amEU-28 ProzentEU-28 Prozent Vorjahr
01.04.1622%13%-9%11.03.1534%26%
01.03.1629%29%0%01.03.1542%36%
15.02.1634%39%5%14.02.1548%44%
01.02.1636%50%14%18.02.1553%56%
15.01.1646%62%16%06.02.1563%67%
01.01.1653%69%16%29.01.1570%75%
15.12.1559%78%19%20.01.1573%82%
01.12.1565%86%21%08.01.1578%89%
01.11.1572%92%20%11.07.1484%94%
15.10.1571%96%25%08.07.1484%93%
01.10.1567%95%28%28.06.1482%92%
15.09.1563%94%31%20.06.1478%91%
01.09.1560%92%32%14.06.1473%88%

Update 01.04.16

Durch den milden Winter hat sich die Situation noch umgedreht und es stehen heuer noch mehr Reserven als im letzten Jahr zur Verfügung, was sich am 01.02.16 noch ganz anders abzeichnete.

Update 01.03.16

Durch den milden Winter 2015/16 wird die Gasmenge bis zur Ende der Saison (Mitte April) ausreichen. Bei einem anderen Wetterverlauf hätte es wahrscheinlich nicht so rosig ausgesehen. Im April 2015 gab es nach dem Winter nur mehr eine Reserve von 9 %. (siehe weiter unten).

Interessanter Link: Entwicklung des Österreichischen Gaspreisindex

Hochgerechneter Erdgasverbrauch ab Februar 2016 berichtigt

Update: Hochrechnung des Erdgasverbrauchs am 01.02.16

Gas - 02-05 16 Hochrechnung

 

Natürlich steht das europäische Gasnetz als Backup noch zur Verfügung. Bei einer derartigen Prognose kann man aber nicht von Krisenresistenz sprechen. Zum anderen ist zu berücksichtigen, dass die europäischen Kuppelstellen die erforderliche Menge zum Zeitpunkt des Bedarfs auch transportieren können müssen. Also doch einige Fragezeichen. Sollte das Wetter so mild bleiben, wie bisher, dann sollte es sich wohl ausgehen. Wenn nicht?


Widersprüchliche Daten

Der Standard-Artikel vom 14.12.15 liefert eigentlich zur Transparenzplattform widersprüchliche Daten, was auch daran liegen könnte, dass ca. die Hälfte der österreichischen Speicherkapazitäten in ausländischer Hand sind.

Tatsächlich ist die Auslastung der Speicher in Österreich niedrig wie schon lange nicht. So lag der Füllstand aller in Österreich befindlichen Speicher Mitte November bei durchschnittlich 71 Prozent, ein Jahr davor bei 90 Prozent. Damit waren die Speicher schlechter gefüllt als zum selben Zeitpunkt 2013 (75 Prozent). In dem Jahr war der Russland/Ukraine-Konflikt am Hochkochen, was sich im Sommer mit Liefereinschränkungen und im Winter mit Lieferausfällen niederschlug. Momentan lagern nach Auskunft der RAG in deren Speichern (siehe Grafik) 3,6 Mrd. Kubikmeter (m3). Das entspricht einem Füllstand von 63 Prozent. Ein Jahr davor waren es noch 4,6 Mrd. Kubikmeter. Die OMV gibt den Füllstand ihrer drei Speicher mit 70 Prozent an, das sind zehn Prozentpunkte weniger als im Dezember 2014. Insgesamt fassen Österreichs Speicher rund 8,3 Mrd. m3 Erdgas. – Quelle: Der Standard, 14.12.15

Stresstest: Österreich kann Winter ohne russisches Gas überstehen

Die Presse am 28.08.2014:

Die heimischen Gasspeicher sind ab nächster Woche so voll, dass Österreich auch ohne russischem Gas mehrere Monate durchkommen würde. Das sagte E-Control-Vorstand Walter Boltz am Donnerstag.

Österreich könne mehrere Wochen oder sogar Monate ohne ernsthafte Versorgungsprobleme durchkommen.

Bei einem Ausfall der Gaslieferungen über die Ukraine – und dann weiter über die Slowakei -wären die Auswirkungen überhaupt minimal: Dann seien praktisch für keine Kunden in Österreich Versorgungsausfälle zu befürchten, erklärte Boltz vor Journalisten.

Ein, zwei, drei Monate Ausfall an Russen-Gas könnten “relativ unproblematisch” überbrückt werden, meinte der E-Control-Vorstand, “aber nach dem nächsten Winter müssten wir die Speicher wieder auffüllen”.

Die Gasspeicher-Kapazitäten in Österreich lägen bei 110 Prozent des jährlichen Eigenverbrauchs – auch wenn ein Drittel bis zur Hälfte davon Ausländern gehöre, etwa aus Deutschland, aber auch der Gazprom selbst, die damit näher an ihren Kunden sein wolle. Derzeit seien die Speicher zu 92 Prozent voll und rein rechnerisch schon am 7. September zu annähernd 100 Prozent. Das sei “eine sehr gute Ausgangslage für den kommenden Winter”, meinte Boltz.

Stresstest: Österreich kann Winter ohne russisches Gas überstehen

Die Presse am 07.10.2014

Österreichs Gasspeicher sind voll genug, um “die nächsten sechs Monate zu überstehen”, sollte kein Gas aus Russland geliefert werden. Dies ist der Ergebnis des Gasversorgungs-Stresstests, erklärte Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) nach dem Ministerrat. Derzeit seien die Speicher “zu 90 Prozent voll”. Basis der Berechnungen seien der Zeitraum ab 1. September sowie die “Durchschnittstemperaturen” der vergangenen Winter gewesen, erläuterte er.

Analyse & Kommentar

Bekanntlich ist eine Gaskrise ausgeblieben und die Gasversorgung hat einwandfrei funktioniert. Alles in Ordnung! Oder könnte der Schein trügen? Wenn man hinter die Kulissen blickt, entsteht rasch dieser Eindruck. Zum Glück herrscht in einigen Bereichen doch etwas Transparenz vor und es gibt eine entsprechende Plattform, die diesen Blick hinter die Kulissen ermöglicht: Gas Infrastructure Europe

Gas Infrastructure Europe (GIE) is a representative organisation towards the European Institutions (European Commission, European Parliament, Council of the European Union) as well as the European bodies of regulators (ERGEG, CEER) and other stakeholders.

GIE aims to find market-based solutions in order to best meet the interests of the network users; with regard to regulated activities of our members we advocate a stable and predictable regulatory framework consistent throughout the European Union in order to create an environment that facilitates investments. This is of particular importance since infrastructure is a prerequisite both for security of supply and for creating competition. Only if investments into infrastructure and the creation of new capacity are sufficient in order to cope with the rising demand for natural gas can natural gas remain a cornerstone of the European energy mix.

Ein Blick auf die historischen Daten führt zu Tage, dass am 21. April 2015 in Österreich ein Füllstand von nur noch 9,15% gegen war (siehe auch Post vom 16.02.15)!

Storage Data for Austria 04-05 2015

Legende

Leider fehlt hier ein Screenshot, aber das war europaweit der geringste Wert! Noch aufschlußreicher ist ein Blick auf die Verlaufsgrafik (Storage Data for Austria):

150620 - Graph of Storage Data for Austria (values in MCM)

Einheit: mcm = million cubic metre

Höchster Füllstand        Tiefster Füllstand
 10/2012 – 3.500 mcm  04/2013 – 400 mcm
 11/2013 – 2.760 mcm  03/2014 – 1.200 mcm
 10/2014 – 4.500 mcm  04/2015 – 435 mcm

Obwohl 2013 ein niedriger Füllstand als 2015 erreicht wurde, wurde dieser von einem 1.000 mcm niedrigeren Ausgangsfüllstand (3.500 mcm zu 4.500 mcm) erreicht. Der Winter 2014/2015 war zudem von keinen außergewöhnlichen Ereignissen geprägt, wie etwa einer Kältewelle. Die max. Entnahmemöglichkeit beträgt derzeit 54 mcm (DTMTW). Am 06.02.2015 wurden 46 mcm entnommen. Zum Glück wurde dieses Limit 2014 von 44 auf 54 mcm aufgestockt, da es ansonst zu einem Engpass gekommen wäre. Oder anders ausgedrückt, hätte es im vergangenen Winter eine Kältewelle über realistische 10 Tage gegeben, wären die Gasspeicher nicht mehr als Puffer zur Verfügun gestanden!! Der Gasbedarf hätte nur durch Importe/Einschränkung der Exporte gedeckt werden können.

Mit 20.06.2015 sind die österreichischen Speicher mit rund 29% oder 1.350 mcm gefüllt. Derzeit werden sie mit einer Rate von rund 21 mcm pro Tag befüllt. In den vergangenen Jahren lag die maximale Befüllrate bei etwa 30 mcm. Die durchschnittliche Befüllrate lag 2014 bei weniger als 13 mcm. Das würde bedeuten, dass mit dieser Rate bis 01.11.2015 nur ein Befüllungsstand von 3.500 mcm (75%) erreicht werden würde! Mit der derzeitigen Befüllrate von 21 mcm würde ein Befüllungsstand von 4.200 mcm (89%) erreicht werden können.

Zusammenfassung

MikadostäbchenOb die Gasversorgung für Monate gesichert ist, sollte es zu Lieferengpässen/-einschränkungen kommen, ist damit wohl sehr fraglich. Es besteht auf jeden Fall der Eindruck, dass wir auch in diesem Bereich auf sehr dünnem Eis unterwegs sind. Von Reserven kann nicht wirklich gesprochen werden. Gleichzeitig zeigen etwa die Erkenntnisse aus dem Sicherheitsforschungsprojekt „Ernährungsvorsorge in Österreich“, dass die Lebensmittelproduktion (thermische Prozesse) massiv von der Gasversorgung  abhängig ist. Einmal mehr gibt es hier sehr viele wackelige Mikadostäbe, die aufeinander liegen, ohne dass uns dies wirklich bewusst ist. Wir leben generell in einer sehr hohen Scheinsicherheit. Erst Bücher wie Blackout – Morgen ist es zu spät verdeutlichen diese Abhängigkeiten und führen sie einer breiten Masse vor Augen. Gas und Erdöl wird etwa für viele (Vor-)Produkte und Prozessschritte benötigt, was wir aber selten wissen oder so wahrnehmen.

Noch eine Anmerkung zum Schluss: Die hier angeführten Speicherkapazitäten bedeutet nicht zwangsläufig, dass der Inhalt auch Österreich/östereichischen Firmen gehört! Das ist wie in einem Parkhaus: die Autos gehören auch nicht dem Betreiber, nur weil die bei ihm stehen. So kann jede Firma Gas einlagern und an wen auch immer verkaufen! Verkauft wird wie immer an den Meistbietenden.

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  1. […] Hier könnte es durchaus auch Rückwirkungen auf Europa geben, denn auch die Speicher in Europa sind verhältnismäßig schlecht gefüllt. Während am 28.08.2014 die österreichischen Speicher zu 92.64% gefüllt waren, sind sie am 28.08.15 nur zu 58.94% gefüllt. Zu berücksichtigen ist dabei, dass der vergangene Winter schon kaum einen Spielraum für Engpässe zulies. Siehe unter Wie sicher ist unsere Erdgasversorgung wirklich? […]

  2. […] droht Energieknappheit – siehe auch Wie sicher ist unsere Erdgasversorgung wirklich?: Update 06.09.15: Die österreichischen Gasspeicher sind zu 60.94% gefüllt. 2014 betrug […]

  3. […] Wie sicher ist unsere Erdgasversorgung wirklich? – Der aktuelle Füllstand (Österreich) mit 15.10.15 beträgt 71 %. Im Vergleich, am 15.10.14 betrug der Füllstand fast 96 %. Damit besteht eine Differenz von 25 % gegenüber dem Vorjahr! Im April 2015 gab es nach dem Winter nur mehr eine Reserve von 9 %. […]

  4. […] Warum die Gefahreneinschätzung für eine Strommangellage in der Schweiz derart hoch ist, entzieht sich bisher meinen Erkenntnissen. Fakt ist aber, dass mit einer Strommangellage auch die Gefahr eines Blackouts signifikant steigt, da mit der Mangellage auch die Instabilitäten und Störanfälligkeit zunimmt. Die Folgen einer Mangellage wurden in der Schweiz im Zuge der Sicherheitsverbundübung 2014 umfassend analysiert, etwa mit der Erkenntnis 70 % Strom != 70 % funktionierender Alltag! Fakt ist auch, dass die Probleme nicht an den nationalen Grenzen halt machen, sondern das gesamte europäische Verbundnetz betreffen. Stromabschaltpläne gibt es auch bereits seit dem letzten Winter für Belgien. In Polen war man im August knapp vor dem finalen Schritt – 8.000 Unternehmen mussten den Stromverbrauch droßeln bzw. komplett einstellen. Wie daher der österreichische Regulator (E-Control) zum Schluss kommen kann, das Blackout: „Wahrscheinlichkeit geringer als vor 10 Jahren“, ist ein gut gehütetes Geheimnis. Insbesondere, wenn man sich die professionellen Risikoeinschätzungen der vergangenen Jahre ansieht. Zur Gassituation siehe den Beitrag Wie sicher ist unsere Erdgasversorgung wirklich? […]

  5. […] Wie sicher ist unsere Erdgasversorgung wirklich? – Der aktuelle Füllstand (Österreich) beträgt mit 13.11.15 71 %. Am 13.11.14 betrug der Füllstand fast 90 %. Damit besteht weiterhin eine Differenz von 19 % gegenüber dem Vorjahr! Heuer wirkt sich jedoch das milde Wetter positiv aus. Während bisher noch kein Volumenrückgang zu verbuchen ist, gab es im vergangen Jahr im gleichen Zeitraum bereits einen Rückgang um 5 %. […]

  6. […] Wie sicher ist unsere Erdgasversorgung wirklich? – „Guat is gangen, nix is gschehn“ – Nach dem Winter ist vor dem Winter […]

  7. […] der bisherige Tiefstwert seit 2001 betrug zu diesem Zeitpunkt 40%. Letztes Jahr hatten wir eine ähnliche Situation mit den Gasspeichern, die auch gut gegangen ist. Zum Glück, denn mit der heurigen Wintersituation wäre sich […]

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