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Von der Natur lernen – Bionik

 

Quelle: Querspur Das Zukunftsmagazin des ÖAMTC 15-07

Wir müssen das Rad nicht neu erfinden“, rät ein Sprichwort für jene Fälle, in denen es bereits eine Lösung gibt. Das Rad gilt als genuin menschliche Erfindung. Seine Benutzung setzt ebene, befestigte Wege voraus, wie sie in der Natur kaum vorkommen. Es repräsentiert auch die erste und vielleicht wichtigste Beobachtung, warum Ideen nach dem Vorbild der Natur noch nicht flächendeckend im Einsatz sind: Einmal etablierte Lösungen werden nur in Ausnahmefällen ernsthaft hinterfragt, verdrängt oder radikal erneuert. Viel eher wird Bestehendes optimiert, an der Form gefeilt oder das Material verbessert (erstes Prinzip).

Die belebte Natur hat in Sachen Fortbewegung also einen riesigen Vorsprung. 3,4 Milliarden Jahre Leben auf der Erde bedeuten ebenso viel Zeit, um ungeeignete Entwürfe einzustampfen. Was wir heute an Artenvielfalt sehen, ist das jeweils bestgeeignete Ergebnis von knallharten Bewährungsproben. Im Unterschied zum Menschen plant die Natur nicht. Sie würfelt und prüft. Ihr Werkzeug heißt Evolution (zweites Prinzip). Diese arbeitet mit langen Zeiträumen und zufälligen Mutationen in Material, Form und Bauplan.

Für eine geniale Konstruktion, die wir zum Vorbild nehmen könnten, wurden etliche Versuche aussortiert. Hier zeigt sich die belebte Natur verschwenderisch und gnadenlos. Von tausend und mehr Nachkommen überleben nur wenige und geben das Erbgut an die nächste Generation weiter. Das gilt für Pfl anzensamen ebenso wie für menschliche Spermien. Gleichzeitig wird auf diese Weise bewahrt, was sich bewährt.

Im Lauf der Evolution wurde jeweils das Gesamtsystem immer besser an die Lebensaufgaben eines Vogels angepasst (drittes Prinzip). Die Einzelteile wie Schnabel, Fuß oder Flügel wurden nicht isoliert optimiert, wie es bei der gezielten Planung eines Vogels wohl der Fall wäre.

Beispiel für die letzte Beobachtung: Es lohnt sich, um die Ecke zu denken.

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