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Der Schwarze Schwan im Finanzsystem

 

Quelle: Die Presse

Ganz rational ist es nicht mehr, was sich auf den Märkten abspielt. Besonders an der deutschen Börse: Die in immer schnellerer Folge nach oben angepassten Kursziele für den deutschen Leitindex DAX werden derzeit im Wochentakt durchbrochen. Erst vor einer Woche hatten Analysten ein Zwölfmonatskursziel von 11.000 Punkten für den DAX ausgegeben. Am Freitag stand das Frankfurter Börsenbarometer schon bei über 11.900.

150315 - DAX

Wir wissen schon: Der Hintergrund sind die Anleihenkäufe der EZB zwecks Liquiditätsversorgung des Bankenapparats und der Umstand, dass dieses Geld fast eins zu eins in den Aktienmarkt fließt. Eine DAX-Steigerung um 20 Prozent seit Jahresbeginn und um 40Prozent seit vergangenem Herbst hat mit der wirtschaftlichen Entwicklung in der Eurozone jedenfalls nichts mehr zu tun. Da tut sich eine Blase auf, die geradezu nach einer saftigen Korrektur schreit.

Wir wissen nicht, wie lang der Boom noch anhält. Prognosen sind in diesem Kursterritorium sinnlos.

Kommentar

Bereits im letzten September gab es zahlreiche warnende Stimmen, die vor dem Platzen der bereits damals aufgebauten Blase gewarnt haben. 6 Monate später ist es immer noch nicht passiert … ganz im Gegenteil, die Entwicklungen sind munter weiter gegangen. Die Belastungsgrenze eines Systems ist durchaus elastisch – aber nicht unendlich! Die Grenzen wurden hier schon deutlich überdehnt. Leider handelt es sich hier um kein isoliertes System, wo bei einer Bereinigung nur die Spieler betroffen wären. Eine Bereinigung/Kollaps wird noch schwerwiegendere Folgen wie nach dem letzten Crash 2007/2008 in der Realwelt hervorrufen. Auch hier stellt sich die Frage, wären wir darauf vorbereitet? Wohl eher nicht, da wir die Zusammenhänge und Verbindungen nicht sehen (wollen).

Sollte am kommenden Freitag (Sonnenfinsternis) etwas schief gehen – was aufgrund der aktuellen Wetterprognosen durchaus nicht ausgeschlossen werden kann – dann würden die Dominosteine wohl nicht nur in der Realwelt umfallen.

Und wie immer, es geht hier nicht um die Vorhersage von Ereignissen oder deren Eintrittszeitpunkt, sondern nur um die damit verbundenen Konsequenzen, auf die wir kaum Antworten haben! Die Schwarzen Schwäne sind hier schon sehr grau … und heftige Turbulenzen nicht ausgeschlossen.

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  1. […] Ja, hier werden sich viele Fragen auftun, wenn dieser Fall einmal auftritt. Doch alle Rechtsstreitigkeiten werden den Schaden nicht mehr rückgängig machen können. Daher wäre es wünschenswert, wenn bereits vorab die Rechtsmeinungen stärker artikuliert werden würden, um auch den verantwortlichen Personen klarer zu machen, was sie erwarten könnte. Das Problem ist jedoch, dass ein Blackout in der Regel durch eine Kumulation von an und für sich beherrschbaren Einzelereignissen ausgelöst wird. Eine rechtlich saubere Ursache-Wirkungszuordnung ist sehr unwahrscheinlich. Damit besteht die Gefahr, dass einzelne Bauernopfer übrig bleiben. Zum anderen würde ein Blackout morgen Mittag, dass 24 Stunden dauert, alleine für Österreich einen Primärschaden von rund einer Milliarde Euro auslösen (www.blackout-simulator.com). Da hilft wohl eine Haftung auch nicht mehr viel. Ganz abgesehen von möglichen weiteren Dominoeffekten. […]

  2. […] Die angeblichen rationalen Börsianer scheinen doch sehr abergläubisch zu sein … und zudem weiter an die Berechenbarkeit des Systems zu glauben – siehe Der Schwarze Schwan im Finanzsystem. […]

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