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Was das Aus von Grafenrheinfeld bedeutet

 

Quelle: www.sueddeutsche.de

Am 27. Juni ist Schluss mit der Produktion von Atomstrom in Unterfranken. Weil Grafenrheinfeld zu den größten Energieerzeugern Bayerns zählt, fürchtet die Wirtschaft künftig Stromausfälle. Eine realistische Sorge?

Nun steht das Ende von Grafenrheinfeld bevor. Kommenden Samstag geht der Reaktor vom Netz. Nach dem Aus für Isar 1 am 17. März 2011 ist der nächste Samstag der zweite Meilenstein auf dem Weg ins atomkraftfreie Bayern.

Grafenrheinfeld ist einer der stärksten Reaktoren der Welt. Die 1345-Megawatt-Anlage war seit Ende 1981 Eckpfeiler der Energiewirtschaft in Bayern. 10,5 Milliarden Kilowattstunden Strom produzierte Grafenrheinfeld im Jahr: genug für 3,8 Millionen Haushalte.

Grafenrheinfeld ist wie alle Atomanlagen ein Grundlastkraftwerk. Anders als Windräder oder Solarmodule produziert es seinen Strom sehr konstant und zuverlässig. Das ist wichtig für die Stabilität des Leitungsnetzes und die Sicherheit der Stromversorgung.

2014 wurden in Deutschland 1766 neue Windräder aufgestellt. Ihre Gesamtleistung: 4750 Megawatt. Rein rechnerisch sind das dreieinhalb Atomkraftwerke von der Leistung Grafenrheinfelds. Am Jahresende 2014 drehten sich in Deutschland knapp 25 000 Windräder mit 38 000 Megawatt Gesamtleistung. 2015 und 2016 werden Anlagen mit 3300 bis 3600 Megawatt Gesamtleistung hinzukommen – pro Jahr. Die Produktion von Sonnenstrom legte ebenfalls gewaltig zu. 2014 flossen knapp 35 Milliarden Kilowattstunden Sonnenstrom ins deutsche Leitungsnetz, 12,6 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Auch die Sicherheit der Stromversorgung bleibt gewährleistet. Blackouts und Leitungsengpässe wegen der Abschaltung werden nicht passieren. Der Netzbetreiber Tennet hat längst alle wichtigen Netzknotenpunkte aufgerüstet und verstärkt. Und die Bundesnetzagentur hat wegen der Abschaltung Reservekraftwerke mit 550 Megawatt Gesamtleistung geordert. Sollte einmal – warum auch immer – nicht genug Strom von Norddeutschland in den Freistaat fließen, springen sie sofort an.

Diese Reservekraftwerke werden nur bis Mitte 2016 benötigt. Dann geht die Thüringer Strombrücke in Betrieb. Sie schließt die letzte, 30 Kilometer kurze Lücke einer Starkstromleitung von Sachsen-Anhalt nach Grafenrheinfeld. Durch sie können Unmengen Windstrom aus Ostdeutschland nach Bayern fließen, die bisher nicht oder nur über Umwege hierher gelangen.

Kommentar

Grundsätzlich ein geplantes Ereignis, das beherrschbar sein sollte. Interessant wird, ob sich wie 2011 etwas in der Anzahl der Netzeingriffe verändert (Tennet: 2010 ~300 Eingriffe, ab 2011 ~1.000 Eingriffe pro Jahr).

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