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Regierungsanalyse warnt vor 1.000 Toten nach einem Stromausfall in Folge eines Groß-Orkans

 

Quelle: www.finanznachrichten.de

Ein Wintersturm mit einer Sturmflut wie an diesem Wochenende könnte in Deutschland im schlimmsten Fall bis zu über 1.000 Todesopfer fordern und die Stromversorgung für bis zu sechs Millionen Menschen wochenlang lahmlegen.

Durch den Orkan könne es zudem im gesamten Bundesgebiet “zu schweren Schäden an Infrastrukturen der Energieversorgung” kommen, “was zu großflächigen Stromausfällen führt”. Die Folgen wären dem Regierungs-Report zufolge dramatisch: Sechs Millionen Menschen wären vom Strom-Blackout betroffen.

Bis zu drei Millionen könnten für eine Woche, 600.000 sogar für bis zu drei Wochen vom Strom abgeschnitten bleiben. Durch den Stromausfall sowie die sturmbedingten Verkehrsbehinderungen könnten Lebensmittel, Trinkwasser und Benzin knapp werden. Viele Krankenhäuser müssten wegen des Stromausfalls die Versorgung von Patienten einschränken, heißt es in dem Bericht. Allein wegen der Stromausfälle könnten der Regierungsanalyse zufolge bis zu 1.000 Menschen sterben, 150 weitere wegen den Folgen der Sturmflut und 110 durch Unfälle infolge von Sturmböen im Hinterland.

Bericht zur Risikoanalyse im Bevölkerungsschutz 2014

Deutscher Bundestag – Unterrichtung durch die Bundesregierung – Bericht zur Risikoanalyse im Bevölkerungsschutz 2014, 23.12.2014

Die Risikoanalyse erfolgt auf fachlicher Basis. Sie ist als sachlich-nüchterne Bestandsaufnahme dessen zu verstehen, womit bei Eintreten unterschiedlicher Gefahren in Deutschland zu rechnen ist. Sie nimmt weder eine Priorisierung einzelner Szenarien noch eine politische Bewertung von Risiken oder zu ergreifenden Vorsorgemaßnahmen vorweg.

Infolge des Sturms kommt es zudem zu schweren Schäden an Infrastrukturen der Energieversorgung, was zu großflächigen Stromausfällen führt.

Gleichzeitig sind von den teils langanhaltenden Stromausfällen infolge des Sturms bundesweit zeitweise mehr als 6 Mio. Personen betroffen. Das für das Ereignis anzunehmende Schadensausmaß sowie die besonderen Herausforderungen für seine Bewältigung resultieren insbesondere aus der Kombination der drei Faktoren „Orkan“, „sehr schwere Sturmflut“ und „Stromausfall“. Ein wesentlicher Aspekt ist hierbei auch die teils kombinierten Auswirkungen dieser Ereignisse auf die Funktionsfähigkeit von Kritischen Infrastrukturen und damit auf die (Nicht-) Verfügbarkeit ihrer Versorgungsleistungen für die Bevölkerung. Hierzu zählen beispielhaft:

  • bundesweite Schäden und Zerstörung an Infrastrukturen der Elektrizitätsversorgung auf allen Spannungsebenen (Leitungstrassen, Transformatorstationen, Umspannwerke usw.) und damit verbundene Stromausfälle
  • bundesweit erhebliche Einschränkungen der Verkehrswege (u. a. im Schienen- und Straßenverkehr) sowie zeitweise Komplettsperrung des deutschen Luftraumes
  • bundesweit massive Auslastung des Notfall- und Rettungswesens einschließlich Katastrophenschutz
    bundesweite Einschränkungen in der Lebensmittelversorgung der Bevölkerung,
  • Engpässe in der Treibstoffversorgung
  • in den von Überflutung und Stromausfall betroffenen Gebieten massive Einschränkungen der Gesundheitsversorgung und im Pflegewesen
  • gebietsweiser Ausfall der leitungsgebundenen Trinkwasserversorgung, insbesondere in den von Überflutung betroffenen Gebieten
  • insbesondere in den Stromausfallgebieten massive Einschränkungen bis hin zu Totalausfall der Telekommunikations- und Informationsinfrastruktur

Sektor GESUNDHEIT – Zusätzliche Auswirkungen durch Sturm und Stromausfall:

  • Das Gesundheitswesen ist durch die Erstversorgung der durch den Sturm Verletzten vor Ort und deren Behandlung in den Krankenhäusern gefordert. In besonders stark betroffenen Regionen sind die Notaufnahmen der Krankenhäuser aufgrund der Vielzahl an Verletzten überlastet.
  • Aufgrund des Stromausfalls und der damit einhergehenden erschwerten Kommunikation wird die Koordinierung der medizinischen Versorgung erschwert.
  • zunächst aufrechterhalten (Operationssäle, lebenserhaltende Komponenten – insbesondere auf der Intensivstation, Kühlsysteme, Patientenaufzüge, Notbeleuchtung usw.). Der Betrieb wird aber stark heruntergefahren, d. h. neue Operationen werden während des Stromausfalls nicht begonnen. Notoperationen werden durchgeführt, sofern der medizinischen Notlage nicht auf anderem Wege abgeholfen oder der Eingriff aufgeschoben werden kann. Nicht notstromversorgt sind in der Regel unter anderem die Küche, die Verwaltung, der Großteil der EDV-Technik, die Warmwasserversorgung und spezielle Diagnosegeräte wie CT. Ausgelagerte Dienstleistungen, die nicht mehr durch das Krankenhaus selbst erbracht werden, sind ebenfalls nicht an eine Notstromversorgung angebunden (Wäscheaufbereitung, Besteckdesinfektion, usw.). Der Treibstoffvorrat der Notstromversorgung von Krankenhäusern reicht in der Regel für ein bis zwei Tage, sodass ab diesem Zeitpunkt die Versorgung mit Treibstoff eine der vordringlichen Aufgaben der Einsatzkräfte wird. Infolge des Stromausfalls kommt es auch zu Beeinträchtigungen der Wasserversorgung
  • Arztpraxen verfügen in der Regel nicht über Notstromversorgung (einige wenige Ärztezentren stellen Ausnahmen dar). In den Stromausfallgebieten kann nur eine Grundversorgung durch niedergelassene Ärzte aufrechterhalten werden, Behandlungen und Untersuchungen, die auf strombetriebene Geräte angewiesen sind, sind nicht mehr möglich. Auch dort, wo eine Notstromversorgung vorhanden ist, fällt diese nach wenigen Stunden aus, da die Treibstoffvorräte aufgebraucht sind. Eine kontinuierliche Nachlieferung von Treibstoff ist nicht möglich, da die Versorgung der Krankenhäuser im Vordergrund steht, in denen überlebenswichtige Behandlungen und Untersuchungen vorgenommen werden.
  • Ein Teil der Alten- und Pflegeheime verfügt ebenfalls über Notstromversorgung, mit denen ein Grundbetrieb aufrechterhalten werden kann, wobei ähnliche Einschränkungen wie im Bereich der Krankenhäuser bestehen (z. B. durch Beeinträchtigung der Wasserversorgung).
  • Besonders gefährdete Patienten oder Bewohner betroffener Krankenhäuser und Heime, die über keine bzw. keine ausreichende Notstromversorgung verfügen bzw. deren Notstromversorgung nicht kontinuierlich gewährleistet werden kann, müssen evakuiert werden. Dazu zählen z. B. Personen, die auf medizinische Geräte angewiesen sind oder für die niedrige Innenraumtemperaturen (z. B. bei Ausfall der Heizung) gesundheitsgefährdend wären.80 Gleichzeitig muss sichergestellt werden, dass weiterhin Dialysen durchgeführt werden können, was die Versorgung von Dialysezentren mit Notstrom, die Einrichtung von zentralen Dialysestellen in Krankenhäusern, den vorrangigen Transport von Dialyseflüssigkeit und/oder die Evakuierung der Einrichtung notwendig macht. Auch auf Dialysezentren in nicht betroffenen Gebieten muss ausgewichen werden. Auch Patienten, die zu Hause im Überflutungs- bzw. Stromausfallgebiet auf strombetriebene Geräte angewiesen sind (z. B. Beatmungsgeräte), müssen evakuiert werden. Bei der Evakuierung stellen teils lange An- und Abfahrtswege die Rettungskräfte vor besondere Schwierigkeiten.
  • Insgesamt kommt es in den von Stromausfall betroffenen Gebieten trotz einer zielgerichteten Bewältigung der Lage im Rahmen der verfügbaren Möglichkeiten zu einer gravierenden Verschlechterung der Qualität der medizinischen Versorgung in allen Bereichen.

Grundlegende Annahmen aus dem Szenario

Mehr als 6 Mio. Menschen leben in den vom Stromausfall betroffenen Gebieten. Diese Zahl nimmt im Zuge der sukzessiven Wiederherstellung der Stromversorgung im zeitlichen Verlauf wie folgt ab:

  • unmittelbar: mehr als 6 Mio. vom Stromausfall Betroffene,
  • nach 24 Stunden: mindestens 4,8 Mio. vom Stromausfall Betroffene,
  • nach 1 Woche: mindestens 3 Mio. vom Stromausfall Betroffene,
  • noch nach 3 Wochen: mindestens 600.000 vom Stromausfall Betroffene.

Ermittlung Schadensausmaß

Stromausfallbedingt: ca. 1.000 Tote

Herleitung:

Einwohner in Stromausfallgebieten: ca. 6,3 Mio. Dies entspricht ca. 90% der für die Risikoanalyse Wintersturm angenommenen 7 Mio. Einwohner.

  • Risikoanalyse Wintersturm: ca. 100 Tote unmittelbar (z.B. durch Autounfälle aufgrund ausgefallener Ampelanlagen), zusätzlich ca. 1.000 Tote infolge von Pflegebedürftigkeit ( z.B. durch Evakuierungen, kältebedingt erhöhter
    Herz-Kreislauf-Morbidität, Mortalität aufgrund des Ausfalls von Heizungen)

    • Herleitung: Für die Risikoanalyse Wintersturm wurde angenommen, dass in den Stromausfallgebieten 36.000 Patienten in Krankenhäusern, 430.000 Pflegebedürftigen/Personen in häuslicher Pflege leben (Abschätzung auf folgender Grundlage: Statistische Ämter des Bundes und der Länder (Hrsg., 2008): Demographischer Wandel in Deutschland Heft 2. Auswirkungen auf Krankenhausbehandlungen und Pflegebedürftige im Bund und in den Ländern. Wiesbaden). Annahme für die Risikoanalyse Wintersturm: davon versterben 0,2% infolge von Pflegebedürftigkeit.
  • vereinfachte Annahme: davon jeweils 90%: 90 Tote unmittelbar, 900 Tote infolge von Pflegebedürftigkeit

Darüber hinaus werden auch psychologische Auswirkungen auf mehrere Tausend Menschen angenommen, die zwar nicht unmittelbar durch den Stromausfall betroffen sind, jedoch mittelbare hierdurch belastet werden (z. B. Sorge um Angehörige, Trauer infolge von Verlusten)

Kommentar

Die Risikoanalyse stuft das analysierte Ausgangsszenario Sturmflut als ‘sehr unwahrscheinlich’ ein – ein Ereignis, das statistisch seltener als einmal in einem Zeitraum von 10.000 Jahren eintritt (Seite 60). Man könnte hier auch von einem ‘Schwarzer Schwan‘ sprechen, insbesondere, wenn man die absehbaren Klimaveränderungen mitberücksichtigt. Zusätzlich sei erwähnt, dass es eine solche Klassifizierung auch für Atomkraftwerksunfälle gab.

Nichtsdestotrotz sind die Aussagen zum angenommenen großräumigen und länger anhaltenden Stromausfall (‘Blackout‘) durchaus beachtenswert und wohl auch allgemeingültig. Hier wird erstmals offiziell eine Zahl für die erwartbaren Todesfälle genannt. Bisher gab es eine inoffizielle Zahl von rund 40-60.000 Toten bei einem bundesweiten Blackout über mehrere Stunden. Wobei diese Zahl natürlich wesentlich von der Dauer des Stromausfalls abhängig sein wird. Diese ist bei dem angenommenen Szenario durch die erheblichen Infrastrukturschäden doch deutlich länger anzusetzen. Wie man das Ganze auch sehen mag, Todesfolgen wurden im Zusammenhang mit einem Blackout bisher nicht thematisiert. Sie werden uns aber mit Sicherheit zusätzlich schockieren und entsprechende Nachwirkungen verursachen, insbesondere, wenn die Gesellschaft völlig unvorbereitet von einem solchen Ereignis getroffen wird.

Einmal mehr sei hier auf die unzureichende integrierte Sicherheitskommunikation verwiesen.

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  1. […] All die mit Paukenschlag angekündigten Maßnahmen werden auch in Zukunft nicht 100% vor terroristischen Anschlägen schützen. Sie stellen lediglich eine Symptombehandlung dar und wiegen uns in eine falsche Sicherheit. Wobei nicht alle Maßnahmen gleich abzulehnen sind – hier ist natürlich auch ein sowohl-als-auch-Denken erforderlich. Dennoch wäre es an der Zeit, einzugestehen, dass wir nicht alles schützen können und dass wir uns von möglichen Ereignissen nicht zu unüberlegten Handlungen antreiben lassen dürfen. Dazu ist aber eine entsprechende (Un-)Sicherheitskommunikation erforderlich. Siehe hierzu etwa auch: “US-Präsident Bush wollte eine digitale Atombombe”  oder “Regierungsanalyse warnt vor 1.000 Toten nach einem Stromausfall in Folge eines Groß-Orkans“. […]

  2. […] Was wären die Auswirkungen auf die Gesundheitsversorgung? Natürlich wäre das Gesundheitswesen betroffen: Patienten sterben, weil beispielsweise der Strom für die lebenserhaltenden Maschinen in kleineren Spitälern ohne Notstromgruppen ausfällt. Insgesamt müsste in einem Szenario, wie es vom SRF dargestellt wird, mit bis zu hundert Toten gerechnet werden (siehe auch Regierungsanalyse warnt vor 1.000 Toten nach einem Stromausfall in Folge eines Groß-Orkans). […]

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