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Medikamentenversorgung bei Stromausfall in Berlin

 

Quelle: Bachelorarbeit Zeidler, Benjamin: “Medikamentenversorgung bei Stromausfall in Berlin: Auswirkungen auf die pharmazeutische Versorgung und Evaluation im Rahmen des Forschungsprojektes Kat -Leuchttürme“. Fachhochschule Köln: 2015

Siehe auch Katastrophenschutz-Leuchttürme Berlin.

Kurzfassung

Ein Stromausfall in Berlin führt unmittelbar zum teilweisen oder gänzlichen Ausfall der öffentlichen Apotheken. Geschlossene Arztpraxen und eine funktionierende Infrastruktur in Krankenhäusern führen zu einer überdurchschnittlichen Belastung der Krankenhäuser und damit verbunden der Krankenhausapotheken. Die gesetzlich festgelegten Vorräte der Krankenhausapotheken reichen für zwei Wochen, während normale Apotheken lediglich Vorräte für eine Woche vorhalten müssen. Im Bereich Rettungsdienst ist mit einem höheren Bedarf an Sauerstoff zu rechnen, da Heimbeatmungsgeräte und Sauerstoffkonzentratoren wenn überhaupt nur über wenige Stunden Batteriepufferung verfügen. Das vorhandene Wissen im Bereich der Medikamentenversorgung im Katastrophenfall ist auf wenige Experten beschränkt und Übersichten zu notstromversorgten Apotheken existieren nicht. Vorhandene Studien treffen unterschiedliche Aussagen dazu, wie dramatisch die Auswirkungen für die Bevölkerung wären, sind sich jedoch einig darin, dass ein Ereignis mit einer Dauer von über einer Woche katastrophale Folgen hätte und zum Tod vieler Menschen führen würde. Im Bereich der Stabsarbeit der Berufsfeuerwehr Berlin ist es daher schwierig, vorausschauend zu handeln um drohenden Gefahren für die Medikamentenversorgung entgegen zu wirken. Durch Maßnahmen wie einer Expertenrunde unter Teilnahme aller Beteiligten sowie dem Erstellen einer Liste der notstromversorgten Apotheken, könnte die Gefährdung für den Sektor Medikamentenversorgung im Ernstfall stark reduziert werden.

Auszüge

Im Bereich der Medikamentenversorgung, kann bereits ein kleines Ereignis schon große Folgen haben, wie die Krankenhausapotheke des Kreiskrankenhauses Lübben (Brandenburg) feststellen musste. Durch einen Blitzeinschlag im August 2011 fiel in der Krankenhausapotheke der Strom aus. Zur Vermeidung einer Unterbrechung der Kühlkette und zur Inbetriebhaltung des Lagerungssystems wurde bis zur regulären Wiederherstellung der Energieversorgung im Laufe des Tages durch das Technische Hilfswerk (THW) eine Ersatzstromversorgung eingerichtet. [Siehe auch Schäden nach Stromausfall an Uni Bochum noch nicht absehbar]

Grundlagen

Generell ist bei einem Stromausfall aufgrund von gesetzlich geregelten Vorräten so wie Vorräten der Hersteller und Großhändler die Medikamentenversorgung als unkritisch anzusehen (8, S. 74). Diese Aussage beruht jedoch auf theoretischen Studien, da auf diesem Gebiet in Deutschland bisher kaum Erfahrungswerte gesammelt werden konnten.

Viele unterschiedliche Teilnehmer sorgen für die medizinisch-pharmazeutische Versorgung der Bevölkerung. Die dezentrale und hochgradig arbeitsteilige Organisation dieses Sektors erschwert vorbeugende und reaktive Maßnahmen.

Da nur ein Teil der Einrichtungen des Gesundheitswesens notstromversorgt sind, wird es zu eingeschränkter Betriebsbereitschaft oder Schließungen kommen. Selbst in Krankenhäusern mit Notstromversorgung ist nur noch ein rudimentärer Betrieb möglich, da nur die wichtigsten und nicht stark energiebedürftigen Geräte durch das Notstromaggregat versorgt werden können.

Das für die Aufrechterhaltung des Betriebes benötigte Personal kann durch den Ausfall der öffentlichen Verkehrsmittel oder die Auslastung im familiären Umfeld möglicherweise nicht zur Arbeit erscheinen.

Bereits ohne Stromausfall kann es im Arzneimittelsektor zu Lieferengpässen kommen. Hierfür verantwortlich sind meist wirtschaftliche Gründe (13). Just-in-time Lösungen aus denen zwangsläufig ein Rückgang der Lagerhaltung resultiert und die Konzentration auf weniger Standorte sind Gründe für Lieferengpässe, die die Auswirkungen bei einem Stromausfall verschärfen können (14, S. 37).

In Krisensituationen sowie bei Großschadensereignissen und Katastrophen bedeutet dies Anforderungen, die deutlich über den täglichen Betrieb und die damit verbundene Logistik hinausgehen. Um diesen Anforderungen gewachsen zu sein, müssen sich Apotheker und deren Mitarbeiter darauf vorbereiten und für das pharmazeutische Notfallmanagement ausgebildet werden.

Wissenschaftlicher Stand

Obwohl viele Inhalte der TAB-Studie, im Bereich des Gesundheitswesens, aus der Prognos-Studie entnommen wurden, kommen beide Studien zu unterschiedlichen Ergebnissen bezüglich der Letalität eines solchen Ereignisses .

Die Untersuchung im Auftrag des Büros für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag, veröffentlicht im November 2010, weist auf die schwerwiegenden Auswirkungen im Bereich des Gesundheitswesens inklusive der pharmazeutischen Versorgung der Bevölkerung hin. Der Betrieb in Arztpraxen und Apotheken wird aufgrund der hohen Abhängigkeit von strombasierten Systemen zum Erliegen kommen, wodurch diese geschlossen werden. Rettungsdienste werden am meisten mit Kommunikationsproblemen zu kämpfen haben und damit schwerwiegende Probleme in der präklinischen medizinischen Versorgung bekommen. Innerhalb der ersten Woche werden Arzneimittel zunehmend knapper, da Produktion und Vertrieb bei den ebenfalls betroffenen pharmazeutischen Unternehmen zum Erliegen kommen. Einige Krankenhäuser werden aufgrund ihrer größeren Vorräte zunächst handlungsfähig bleiben und dadurch zentraler Knotenpunkt in der medizinischen Versorgung. Diese vorhandene Kapazität droht durch ein Überlaufen aus Alten – und Pflegeheimen sowie Dialysezentren zusammenzubrechen. Ohne die Zuführung von medizinischen Gütern, Infrastruktur und Fachpersonal werden spätestens am Ende der ersten Woche katastrophale Zustände zu erwarten sein und zum Tod sehr vieler Menschen führen. (9, S. 151–164)

Durch den Schaden einer Hauptstromleitung in der Innenstadt Aucklands 1998 mit einer Dauer von 5 Wochen, wurden in vielen Gebäuden Notstromgeneratoren angeschafft um bei einem zukünftigen Ereignis vorbereitet zu sein. Nicht nur die Technik, sondern auch die Menschen müssen auf ein solches Ereignis vorbereitet sein, um zukünftig Geschehnisse wie Brände beim Befüllen von laufenden Generatoren, medizinische Notfälle aufgrund der Generatordämpfe und Brände durch überhitzende Generatoren, bei langen Ereignissen, zu vermeiden. (25)

Während einige Länder bereits Erfahrungen mit den Folgen eines flächendeckenden langanhaltenden Stromausfalls hatten, können andere Länder nur aus diesen Erfahrungen lernen und die eigene vorbeugende Gefahrenabwehr dahingehend optimieren.

Die Medikamentenvorräte der Schweiz sind für den Kriegs – oder Katastrophenfall auf drei Monate ausgelegt. Trotz der kantonalen Hoheit im Gesundheitswesen haben alle Kantone das Konzept des koordinierten Sanitätsdienstes akzeptiert. Auf freiwilliger Basis existiert eine enge Zusammenarbeit zwischen Militär
und Pharmaindustrie.

Die Ereignisse des großflächigen Stromausfalls in den USA und Kanada im Jahr 2003 haben gezeigt, dass Apotheken zu einem der wichtigsten Ansprechpartner für die Bevölkerung werden (27). Nach 12 Stunden war die Stromversorgung in großen Teilen des betroffenen Gebietes wiederhergestellt, in einigen Bereichen dauerte dies jedoch bis zu 72 Stunden. Für die Notfallrettung und Krankenhäuser wurde belastend deutlich, dass die meisten Menschen nur einen sehr geringen Vorrat an Medikamenten vorhalten und diese bei Ausbleiben üblicher Bezugswege über den Rettungsdienst beziehungsweise Krankenhäuser erhalten wollen. Bei Patienten, die auf Sauerstoff angewiesen sind, war selbiges zu beobachten. Nur geringe Vorräte, der Ausfall von Sauerstoffkonzentratoren sowie der Ausfall von Beatmungsgeräten mangels Batteriekapazität führten zu einer zusätzlichen Auslastung des Rettungsdienstes.

Des Weiteren wurden Defizite im Bereich der Krankenhausapotheken deutlich, bei denen Kühlschränke nicht an die Notstromversorgung angeschlossen waren und ausfielen. Moderne Lagerhaltungssysteme fielen aus, so dass kein Zugriff auf Medikamente möglich war. Gleichzeitig stieg der Bedarf an Medikamenten durch unkritische Patienten aus Pflegeheimen, die aufgrund fehlender Notstromversorgung den Betrieb einstellten und man zudem nicht auf das übliche Personal zurückgreifen konnte, da dieses mit der Betreuung von Kindern und pflegebedürftigen Menschen im familiären Umfeld gebunden war. (28)

Dem Apotheker wird als leicht zugänglicher Ansprechpartner und Knotenpunkt zwischen den Beteiligten des Gesundheitssystems eine zentrale Position zugesprochen. Je nach ihrer Tätigkeit sollen die Apotheker tätig werden, um im Vorfeld sowie während einer Katastrophe effektiv zu einem milden Ausgang beizutragen.

Die Apothekerverbände sollen sich als vereinende Stelle zusammen mit den Regierungen um die organisatorischen Aspekte der Vorausplanung und Bevorratung kümmern und zudem die Apotheker aller Bereiche für die Notfall – und Katastrophenpharmazie sensibilisieren.

Auswirkungen auf die Arzneimittelversorgungskette

Sehr wichtig für ein langes Ereignis, ab einer Dauer von mehr als zwei Tagen, sind die Seuchenprophylaxe und ausreichend vorhandene Desinfektionsmittel.

Ein Ausfall der Energieversorgung hat einen vollständigen Ausfall der (pharmazeutischen) Produktion zur Folge. Des Weiteren führt er zur Beeinträchtigung der Lagerung von Wirkstoffen und Arzneimitteln. Bislang gibt es keinerlei staatliche Regelung zur Notstromversorgung, wodurch es bei einem längeren Ausfall zu Problem in der Lieferkette kommen kann. Es ist davon auszugehen, dass Ereignisse von wenigen Tagen und Wochen durch die Bestände der Hersteller zu kompensieren sind, sofern diese nicht kühlungspflichtig sind.

Durchschnittlich werden Apotheken drei Mal täglich beliefert.

Rettungsdienst

In Folge des Stromausfalls wird es in der Notfallrettung zu einer Einsatzzunahme kommen. Eine Auswertung der Leitstellendaten im Rahmen eines Stromausfalls in New York im Jahr 2003 ergab eine Zunahme von 58%. Die stärkste Zunahme konnte im Bereich der respiratorischen Notfälle verzeichnet werden, 189% mehr im Vergleich zu den Tagen vor und nach dem Stromausfall. Der Hauptgrund hierfür waren die vom Stromausfall betroffenen Patienten mit häuslicher Beatmung, die spätestens nach einigen Stunden mangels Akkuleistung nicht mehr von ihren Beatmungsgeräten versorgt werden konnten.

Trotz der Zunahme an Alarmierungen wurden prozentual weniger Transporte durchgeführt, da es durch die hohe Auslastung zu erhöhten Wartezeiten kam und so vor allem unkritische Patienten nicht mehr vor Ort angetroffen werden konnten. (45)

Die Alarmierungen sind jedoch von einem funktionierenden Telekommunikationsnetz abhängig.

Apotheken

Von den insgesamt 81 Berliner Krankenhäusern haben 70 keine Apotheke und werden einerseits von der Apotheke eines anderen Krankenhauses und andererseits von einer öffentlichen Apotheke versorgt (3, S. 24).

Zur Verringerung der Chaos-Phase im Ernstfall ist eine genaue Vorbereitung auf ein mögliches Ereignis erforderlich. Dies muss zum einen über die Einbindung des Personals in die vorbereitenden Maßnahmen, zum anderen durch das Erstellen von Checklisten in Zusammenarbeit mit dem Krisenmanagement des Krankenhauses geschehen. Vertiefungen der Ausbildung im Bereich des pharmazeutischen Notfallmanagements ermöglichen die Einbindung der Mitarbeiter in anstehende Aufgaben. (47, S. 53 –56)

Eine zusätzliche Belastung für die Krankenhausapotheken kann durch das Eintreffen von unkritischen Patienten aus Pflegeeinrichtungen entstehen sowie durch gesunde Personen, die das Krankenhaus aufgrund der funktionierenden Infrastruktur bevölkern und Medikamente benötigen (28).

Da mangels gesetzlicher Regelungen nur die wenigsten Apotheken über eine Notstromversorgung verfügen, ist mit eingeschränkten Öffnungszeiten zu rechnen. Elektronische Lagersysteme, Beleuchtung und Kassensysteme sind direkt vom Stromausfall betroffen und können nicht mehr genutzt werden.

In der zweiten Phase (8-48h) wird ein Teil der kühlungspflichtige n Medikamente unbrauchbar, so dass Kunden an Krankenhäuser weiter verwiesen werden müssen, sofern die Apotheke noch geöffnet hat. (8, S. 157–158)

Die Auswertungen des Stromausfalls in Amerika und Kanada im Jahr 2003 zeigte, mit welchen neuen Herausforderungen Apotheker konfrontiert waren. Beispielsweise musste ein Apotheker entscheiden, wie er mit einem ihm bekannten Betäubungsmittel (BTM)-bedürftigen Schmerzpatienten umgehen soll, der keine Möglichkeit hatte, an das übliche Rezept zu gelangen, jedoch unter massiven Schmerzen litt. Außerdem wurden Apotheken zum Ansprechpartner der Bevölkerung in
Gesundheitsfragen, da Arztpraxen geschlossen hatten. (27)

Verbraucher (Bürger)

Für jeden Bürger empfiehlt das BBK in der Broschüre – Ratgeber für Notfallvorsorge und richtiges Handeln in Notsituationen – eine Bevorratung zur autarken Lebensweise für eine Dauer von 14 Tagen. Dies bedeutet unter anderem 28 Liter Wasser pro Person, mehrere Kilo an Lebensmitteln sowie die wichtigsten verschriebenen Medikamente. Des Weiteren Schmerzmittel, Mittel gegen Erkältungskrankheiten und Durchfall sowie Haut und Wunddesinfektionsmittel. (51)

Altersheime / Pflegeeinrichtungen

Bei der Medikamentenversorgung der Pflegeeinrichtungen zeigte sich, dass es bereits nach zwei Tagen in den ersten Einrichtungen zu Engpässen kommen kann.

Bedeutung für die Stabsarbeit

Die meisten Bürger haben zumindest für einige Tage einen eigenen Medikamentenvorrat und es ist anzunehmen, dass nur bei etwa einem Viertel eine ernsthafte Krankheit dahinter steckt. Die Daten würden eine überschaubare Lage in diesem Bereich bedeuten, auf die das Wegfallen der meisten Apotheken nur einen geringen Einfluss hätte. Die Erfahrungen aus New York zeigen hingegen einen stärkeren Hilfebedarf der Bürger in diesem Bereich. Die tatsächlichen Auswirkungen sind im Rahmen von Studien nur begrenzt zu erfassen, da sie von sehr vielen Faktoren beeinflusst werden.

Stabsübung Forschungsprojekt Kat -Leuchttürme

Während der Recherche für die vorliegende Bachelorarbeit zeigte sich, dass sich Verantwortliche in vielen Bereichen der Medikamentenversorgung bisher kaum mit dem Szenario Stromausfall beschäftigt haben.

Es zeigte sich in der Übung, dass Vorbereitungen im Bereich der Medikamentenversorgung notwendig sind, um die unterbrechungsfreie Versorgung der Bevölkerung zu gewährleisten.

Zusammenfassung

Aufgrund des Mangels an Informationen in Expertenkreisen zu diesem Thema wurde im Rahmen der abschließenden Stabsübung des Forschungsprojektes Kat -Leuchttürme der Umgang des Feuerwehrstabes mit den Auswirkungen auf die Medikamentenversorgung beobachtet und für weitere Handlungsempfehlungen analysiert. Hierbei zeigte sich, dass eine Abstimmung alle r Beteiligten zur Medikamentenversorgung der Bevölkerung notwendig ist.

Die genauen Auswirkungen auf die Medikamentenversorgung sind schwierig zu bestimmen, da existierende Studien teils veraltet sind und nicht auf Erfahrungswerte in Deutschland zurückgegriffen werden kann. Sofern den zuständigen Stellen mögliche Beschaffungswege bekannt sind, kann ein Großteil durch vorhandene Lager, Großhändler und Hersteller überbrückt werden, so dass Ereignisse bis zur Dauer von einer Woche bewältigbar scheinen. Nach diesem Zeitraum haben die öffentlichen Apotheken gemäß der gesetzlich festgelegten Vorhaltungsmengen leere Lager und stärker als normal belastete Krankenhäuser möglicherweise nicht für die angedachten zwei Wochen die notwendigen Vorräte. Hinzu kommt, dass nach einer Woche auch die Vorräte vieler Menschen und der meisten Pflegeheime erschöpft sein werden. Hohe Einsatzzahlen im Rettungsdienst lassen auch hier die Präparate zur Neige gehen.

Wie in vielen Bereichen ist auch bei der Medikamentenversorgung die Dauer des Ereignisses entscheidend. Je kürzer das Ereignis, desto eher ist es zu bewältigen. Auch die Rettungsdienste könnten solch kurze Lieferengpässe für Sauerstoff und Medikamente überstehen. Ob Apotheken und Krankenhausapotheken die nötigsten Medikamente in Eigenherstellung erstellen können, ist aufgrund fehlender Erfahrungswerte ungewiss. Die Auswirkungen auf die Akteure der Medikamentenversorgung sind in Tabelle 18 (Anhang, S. A-9) noch einmal übersichtlich zusammengefasst.

Um Problemen entgegen zu wirken, kann durch einfache, wenn auch zeitaufwendige Maßnahmen die Versorgung der Bevölkerung gesichert werden. In erster Linie ist die Erstellung einer Übersicht aller notstromversorgte n Apotheken notwendig. Durch die Einbeziehung von Apotheken in die Notstromversorgung von Einkaufscentern, könnten auch diese weiterhin agieren. Diese Maßnahmen sollten im Rahmen der operativen Gefahrenabwehr angegangen werden.

Fazit und Ausblick

Studien zu Stromausfällen sowie Studien zur Sicherheit der Medikamentenversorgung gehen nur in wenigen Sätzen auf das Ereignis Stromausfall ein. Für Vorbereitungen im Bereich der Notfall – und Katastrophenpharmazie gab es bisher keine Möglichkeit, die Wirksamkeit unter Beweis zu stellen und vorhandenes Wissen ist meist auf wenige Experten konzentriert, die im Bedarfsfall nicht unbedingt zur Verfügung stehen.

Eine Expertendiskussion zur Erstellung eines Maßnahmenkatalogs könnte sich im Bereich der Medikamentenversorgung bei Stromausfall als äußerst hilfreich erweisen. Durch die Bearbeitung wurde deutlich, dass die Problematik des Themas bekannt ist, bisher jedoch aufgrund von finanziellen und personellen Mängeln nicht angegangen wurde. Die nun vorliegende Arbeit hofft, einen kleinen Beitrag leisten zu können, in diese Lücke zu stoßen. Zweifellos wird aber weitere Forschung in diesem Bereich notwendig sein, die unter anderem Simulationen von Notfall-Szenarien in größerem Umfang beinhalten sollten.

Im Rahmen von durchgeführten Gesprächen konnten Lücken erkannt werden, was in einem Fall dazu führte, dass der Autor zur Erstellung eins Konzepts zur richtigen Einbeziehung einer Krankenhausapotheke in das Ereignis Stromausfall des Krankenhausnotfallplans einbezogen wurde.

Kommentar

Die vorliegende Forschungsarbeit liefert wieder einige wichtige Puzzelsteine für die Auseinandersetzung mit dem Szenario “Blackout”. Dabei treten durchaus auch widersprüchliche Aussagen zu Tage, aber wie richtig angemerkt wurde, ist durchaus anzunehmen, dass gewisse Aussagen aufgrund fehlender praktischer Erfahrungen auch gewissen Wunschvorstellungen widerspiegeln könnten. Es ist durchaus plausibel, dass gewisse Dinge besser funktionieren werden, als wir heute erwarten würden – aber auch umgekehrt. Ein besonderer Hinweis für zweiteres geht von den mehrfach erwähntem “Unsicherheitsfaktor Mensch/Personal” aus, welcher mit Sicherheit durch eine aktive öffentliche Diskussion und Auseinandersetzung reduziert werden kann. Denn wenn die Bevölkerung weiß, was auf sie zukommen könnte und wo die Grenzen der organisierten Hilfe sind, kann es durchaus zu einem selbstverantwortlichen Verhalten führen, was wiederum die organisierte Hilfe entlastet. Aber das sollte bereits vorher kommuniziert worden sein – in der Krise tritt bekanntlich ein Tunnelblick ein. Damit werden auch einmal mehr die bisherigen Annahmen meinerseits bestätigt! Entscheidend ist nicht, dass alles (technisch) abgesichert wird, sondern dass die organisatorischen Herausforderungen einmal angegangen werden und das Wissen rund um dieses Szenario erhöht wird. Dazu gehört auch die Ermächtigung zum selbstständigen und eigenverantwortlichen Handeln!

Wie ich immer wieder feststelle, gibt es eine gewisse gedankliche Einengung. Diese betrifft die Dauer eines möglichen Blackouts. Vor allem, was man genau unter “langanhaltend” versteht. Ich denke, das ist ziemlich unerheblich, da am Beginn eines solchen Ereignises nicht abschätzbar ist, wie lange es wirklich dauern wird. Zum anderen bin ich davon überzeugt, dass bereits ein 24 Stündiger Stromausfall ausreichen würde, um unsere Gesellschaft gewaltig auf den Kopf zu stellen. Denn 24 Stunden ohne Strom bedeuten ja nicht, dass danach gleich wieder Normalität herrscht, ganz im Gegenteil! Auch dieses “kurze” Szenario lässt schon weitreichende Folgen erwarten – bis alle anderen Infrastrukturen wieder funktionieren und die hohe Synchronisation hergestellt ist, wird es einfach dauern – und damit werden auch nach dem Stromausfall noch viele Probleme auftreten, die wir uns heute noch kaum vorstellen können – wahrscheinlich auch in der Medikamentenversorgung. Siehe dazu etwa auch unter Mein Unternehmen auf ein Blackout vorbereiten.

Einige wichtige Kernaussagen:

  • Vorhandenes Wissen ist meist auf wenige Experten konzentriert, die im Bedarfsfall nicht unbedingt zur Verfügung stehen.
  • Während einige Länder bereits Erfahrungen mit den Folgen eines flächendeckenden langanhaltenden Stromausfalls hatten, können andere Länder nur aus diesen Erfahrungen lernen und die eigene vorbeugende Gefahrenabwehr dahingehend optimieren.
  • Trotz der kantonalen Hoheit im Gesundheitswesen (Schweiz) haben alle Kantone das Konzept des koordinierten Sanitätsdienstes akzeptiert.
  • Um Problemen entgegen zu wirken, kann durch einfache, wenn auch zeitaufwendige Maßnahmen die Versorgung der Bevölkerung gesichert werden. In erster Linie ist die Erstellung einer Übersicht aller notstromversorgte n Apotheken notwendig.
  • Zur Verringerung der Chaos-Phase im Ernstfall ist eine genaue Vorbereitung auf ein mögliches Ereignis erforderlich. Dies muss zum einen über die Einbindung des Personals in die vorbereitenden Maßnahmen, zum anderen durch das Erstellen von Checklisten in Zusammenarbeit mit dem Krisenmanagement des Krankenhauses geschehen.
  • Dem Apotheker wird als leicht zugänglicher Ansprechpartner und Knotenpunkt zwischen den Beteiligten des Gesundheitssystems eine zentrale Position zugesprochen. Je nach ihrer Tätigkeit sollen die Apotheker tätig werden, um im Vorfeld sowie während einer Katastrophe effektiv zu einem milden Ausgang beizutragen.

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  3. […] Die Apotheke sollte in der Lage sein, selbst Medikamente herzustellen zu können (siehe auch Medikamentenversorgung bei Stromausfall in Berlin). […]

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