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Eine Analyse der Situation rund um Weihnachten 2015

 

Analog zu den Auswertungen rund um Weihnachten 2013 und 2014 wurde auch für 2015 wieder eine Analyse angestellt. Die Weihnachtszeit hat sich in den vergangenen Jahren als besondere Herausforderung für das europäische Stromversorgungssystem dargestellt, da es einerseit zu einer erhöhten Windstromproduktion kam/kommen kann und auf der anderen Seite sehr viele Großverbraucher (Unternehmen) ihren Bedarf/die Nachfrage während dieser Zeit stark reduzieren. Beispielsweise liegt der Minimalverbrauch während der Weihnachtsfeiertage in Deutschland bei rund 36 GW (Nacht) bzw. 47 GW (Tag), während der Spitzenverbrauch ansonsten zwischen 55 und 85 GW liegt. Dadurch kann es zu umfangreichen Negativpreisbildungen und gleichzeitig zu einer deutlich höheren Belastung der Infrastrukturen kommen.

2015 kam hinzu, dass es bereits im November zu erheblichen Belastungen mit Spitzen von bis zu 48 GW aus Erneuerbaren Energien gekommen ist (Stromnetze an der Belastungsgrenze) und auch in der Schweiz große Herausforderungen erwartet werden (Schweiz: Wieso uns bald ein Blackout drohen kann). Faktoren, die die Gesamtsituation vor neue Dimensionen stellen. Die Anzahl der erforderlichen Netzeingriffe zur Netzstabilisierung steigen weiter im Umfang und in der Qualität an (siehe dazu auch Auswertung Redispatching & Intraday-Stops).

Update 25.12.15/29.12.15

Diese Weihnachten sind im Vergleich zu den vorangegangenen Jahren im Stromnetz recht ruhig verlaufen. Die Windstromproduktion hat sich in Grenzen gehalten. Daher gab es auch keine auffälligen Auswirkungen auf die Systemsicherheit. Das hatte aber mehr mit Glück, als mit sonstigen Faktoren zu tun.

Strompreis, Stromerzeugung und Stromverbrauch 18.12.14 – 31.12.14

Strompreis, Stromerzeugung und Stromverbrauch 18.12.15 – 31.12.15

Besonders im Zeitraum 24.-26.12. kam es im Vergleich zu 2014 zu einer geringeren Windstromproduktion. Auffallend ist, dass es in beiden Jahren am 22.12. zu deutlichen Negativpreisentwicklungen kam.

151218-151231 - Stromerzeugung und Stromverbrauch

Am 25.12.15 hätte in den frühen Morgenstunden bereits der gesamte deutsche Strombedarf (rein rechnerisch) mit erneuerbaren Energien (EE) gedeckt werden können – 03:00 Uhr 35 GW Verbrauch – Produktion von 44 GW EE etwa am 22.12 10 Uhr. Klingt hervorragend, hat aber einige Schattenseiten, da etwa die rotierenden Massen als Momentanreserve fehlen können und damit kritische Systemzustände erreicht werden.

Update 21.12.15

Wie die nunmehrigen Wind-Prognosen (www.wetter.de) zeigen, ist am Mittwoch 23.12. doch eine erhebliche Windstromproduktion in Deutschland zu erwarten. Diese dürften auch noch am 24.12. anhalten. Erste Auswirkungen sind bereits bei den Strompreisen/Negativstrompreisen zu beobachten. Hier fehlen noch 10 Stunden, um den doppelten Wert von 2013 und 2014 zu erreichen (128 Stunden).

Die optimale Nennleistung von Windkraftwerken wird bei einer Windgeschwindigkeit von etwa 15 m/s (54 km/h) erreicht.

151223 - Wind Deutschland

Erste Lageeinschätzung Freitag 18.12.15

Gem. den derzeitigen Wetter/Wind-Prognosen (www.wetter.de) ergibt sich folgendes Bild: Das kommende Wochenende dürfte noch relativ ruhig verlaufen. Ab Montag ist eine deutliche Zunahme der Windstromproduktion zu erwarten, die auch noch am Dienstag und Mittwoch anhalten dürfte. Der Wind soll in weiterer Folge während der Feiertage abflauen, was die Lage entspannen würde.

Aus heutiger Sicht dürfte es zwar während der Weihnachtsfeiertage auch große Windstrommengen geben, aber die Lage sollte beherrschbar bleiben.

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  1. […] 2013 und 2014 gab es jeweils 64 Stunden mit Negativstrompreisen (siehe Die Energiewende im Stromsektor). 2015 gab es bis zum 26.Dezember bereits 125 Stunden mit Negativstrompreisen. 2014 gab es alleine vom 20.-25.12. 30 Stunden mit Negativstrompreisen, die aber 2015 nicht erreicht werden dürften, da die Windstromproduktion nicht derart hoch wie 2014 ausfallen dürfte. Siehe dazu auch Eine Analyse der Situation rund um Weihnachten 2015. […]

  2. […] zu den Auswertungen rund um Weihnachten 2013, 2014 und 2015 gibt es auch 2017 wieder eine solche. Die Weihnachtszeit hat sich in den vergangenen Jahren als […]

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