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Blackout ist grösstes Risiko in der Schweiz

 

Quelle: www.bevoelkerungsschutz.admin.chwww.luzernerzeitung.ch, siehe auch Gefährdungsdossier Ausfall Stromversorgung

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz BABS führt eine umfassende nationale Risikoanalyse „Katastrophen und Notlagen Schweiz“ durch. Als Ergebnis davon hat der Bundesrat heute den vom BABS erarbeiteten Risikobericht 2015 zur Kenntnis genommen. Als grösste Risiken werden darin die Gefährdungen Strommangellage und Pandemie identifiziert. Daneben gibt es eine ganze Reihe von weiteren Katastrophen und Notlagen, welche ebenfalls ein relativ grosses Risiko darstellen. Der Risikobericht 2015 dient als Grundlage für die Weiterentwicklung des Katastrophenschutzes als Bestandteil der gesamten Sicherheitspolitik in der Schweiz.

Die jüngere Vergangenheit zeigt, dass wir in der Schweiz Schadenereignisse mit lokalen oder regionalen Auswirkungen grundsätzlich gut bewältigen. Angesichts der rasant zunehmenden Vernetzung und der enormen Infrastrukturdichte steigt jedoch unsere Verletzlichkeit. Ein grosser Stromausfall ist in dieser Perspektive ein neues oder jedenfalls stark gestiegenes Risiko. 

Als grösstes Risiko wurde eine Stromunterversorgung von 30 Prozent während mehrerer Wintermonate identifiziert. Laut dem Bericht würde ein derartiges Szenario “zu grossen Personenschäden” und darüber hinaus “zu immensen ökonomischen und immateriellen Schäden für die Wirtschaft und für die Gesellschaft” führen. Insgesamt sei mit einem Schaden von über hundert Milliarden Franken zu rechnen. Die Häufigkeit für das Auftreten eines derartigen Ereignisses wird auf einmal in dreissig bis hundert Jahren geschätzt. Ähnlich hoch liegt das Risiko mit Bezug auf eine mögliche Pandemie: Bei etwa gleicher geschätzter Häufigkeit wird hier mit einem Schadensausmass von siebzig bis achtzig Milliarden Franken gerechnet.

Ausfall Stromversorgung (Szenario): Im Sommer fällt in mehreren Kantonen mit grossen Agglomerationen und hoher Infrastrukturdichte das Hochspannungsnetz aufgrund physischer Schäden aus. Folge ist ein vollständiger Stromausfall während zwei bis vier Tagen. Betroffen sind 0,8 bis 1,5 Millionen Personen. Es dauert Tage bis Wochen, bis sich die Situation normalisiert hat.

Der Risikobericht 2015 dient als Grundlage für die Weiterentwicklung des Katastrophenschutzes als Bestandteil der gesamten Sicherheitspolitik in der Schweiz.

Risikodiagramm Risikobericht Schweiz 2015

Risikodiagramm aus dem Risikobericht 2015

Top 10 Risiken

1. Langanhaltende Strommangellage
2. Pandemie
3. Hitzewelle
4. Erdbeben
5. Regionaler Stromausfall
6. Sturm
7. Ausfall IKT
8. Flüchtlingswelle
9. Absturz Flugobjekt
10. Tierseuche

Im Ergebnis stellt sich die Frage: Wie gut sind wir auf grosse, nationale Ereignisse mit komplexen Auswirkungen vorbereitet?

Unser subjektives Sicherheitsempfinden ist stark geprägt von Ereignissen, die erst kürzlich stattgefunden haben. Die nationale Risikoanalyse « Katastrophen und Notlagen Schweiz » untersucht dagegen auch Gefährdungen, die in der Schweiz bisher selten oder noch gar nicht eingetreten sind.

Wiegen wir uns in falscher Sicherheit? Die Schweiz ist in jüngster Zeit vor schwerwiegenden Katastrophen und Notlagen verschont geblieben. Aber auch hierzulande sind wir einem breiten Spektrum unterschiedlicher Gefährdungen ausgesetzt. Und im Vergleich zu lange zurückliegenden Ereignissen gibt es einen grossen Unterschied: Heute befinden sich sehr viel mehr Menschen, Infrastrukturen und Vermögenswerte auf gleichem Raum.

Kommentar

Die Schweiz setzt sich einmal mehr auf sehr hohem Niveau mit den möglichen Schattenseiten unserer Zukunft auseinander. Nach dem Risikobericht 2012 wir auch in der aktuellen Evaluierung  die Stromversorgung als kritischster Punkt identifiziert, wenngleich hier besonders die Strommangellage angesprochen wird, welche gem. den Übungserfahrungen aus 2014 wesentlich schwieriger zu bewältigen ist, als ein Blackout (70 % Strom != 70 % funktionierender Alltag; Die Aufrechterhaltung der Grundversorgung der Bevölkerung mit Gebrauchs- und Verbrauchsgütern wird sehr schnell zentral und sehr schwierig machbar.).

Auch wenn das Szenario eines europaweiten Stromausfalls nicht direkt angesprochen wird – bestätigt das regional begrenzte Szenario “Betroffen sind 0,8 bis 1,5 Millionen Personen. Es dauert Tage bis Wochen, bis sich die Situation normalisiert hat.” die bisherigen Einschätzungen. Daher sind die gestellten Fragen nur zu wiederholen:

Wie gut sind wir auf grosse, nationale Ereignisse mit komplexen Auswirkungen vorbereitet?

Wiegen wir uns in falscher Sicherheit?

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  1. […] 2015 veröffentlichte das Schweizer Bundesamt für Bevölkerungsschutz (BABS) seinen Risikobericht 2015. Darin wird unter anderem […]

  2. […] wichtig? Dieses Szenario gab es doch noch nie, warum also jetzt auf einmal? Der aktuelle Schweizer Risikobericht 2015 kommt etwa zum […]

  3. […] hazards including the risk of a power outage for their country (Hillson, 2004). [siehe auch Risikobericht 2015 bzw. Katastrophen und Notlagen Schweiz – Risikobericht […]

  4. […] Strommangel zum bedeutendsten nationalen Risiko. Eine Unterdeckung um etwa 30 Prozent wird, so der Bericht des Bundesamts für Bevölkerungsschutz, alle 30 bis 100 Jahre erwartet, mit einem Schadenpotenzial von rund 100 Milliarden Franken. […]

  5. […] Szenario doch letztes Jahr im Rahmen der Sicherheitsverbundsübung 2014 beübt. Und der Schweizer Risikobericht 2015 kommt etwa zum […]

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