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Blackout in der Türkei: War eine Kette von Fehlern verantwortlich?

 

Quelle: www.deutsch-tuerkische-nachrichten.de

Die Türkei wurde am vergangenen Dienstag on einem gigantischen Stromausfall erschüttert. 76 Millionen Einwohner in 80 der 81 Provinzen des Landes waren betroffen. Welche Ursachen der neunstündige Blackout tatsächlich hatte, ist weiterhin unklar. Wahrscheinlich gibt es gleich mehrere.

Die wirtschaftlichen Gesamtkosten des Ausfalls sollen sich auf mindestens 700 Millionen US-Dollar belaufen.

Energieexpertin Merve Erdil zufolge läge die wahrscheinlichste Erklärung jedoch in einer Kette von Fehlern. Laut Erdils Theorie setzte demnach eine Art „Domino-Effekt“ ein, als gegen ein Uhr morgens ein Kraftwerk in der ägäischen Region plötzlich nicht mehr produzierte und in der Folge zu einem Versorgungsschnitt von über 2.000 Megawatt geführt hätte. Dieser sackte gegen 10.02 Uhr am Morgen noch weiter ab, als das Atlas Wärmekraftwerk in der südlichen Provinz Hatay und das Kraftwerk Dicle Hydro im Südosten des Landes um 10.44 Uhr zum Stillstand gekommen seien. Im Zuge dieser abnormen Schwankungen der Frequenz in der Türkei, hätte sich dann der Verband Europäischer Übertragungsnetzbetreiber (ENTSO-E) vorsichtshalber vom türkischen Netz getrennt. Dies habe jedoch eine Erhöhung der Instabilität des bereits geschwächten, türkischen Energienetzes zur Folge gehabt, was dann zum landesweiten Stromausfall geführt habe.

Schließlich könnte der Blackout auch auf strukturelle Probleme zurückzuführen sein. Dieser Theorie zufolge führte die Privatisierung aller 20 Stromverteilernetze im Jahr 2013 zu einem ausgesprochen unübersichtlichen Markt. Die Betreiber einzelner Erdgaskraftwerke etwa würden eigenmächtig über ihre Produktion entscheiden, so die Hürriyet. Problematisch sei das gerade an unprofitablen Stunden oder Tagen, wenn zudem die Preise niedrig seien.

Kommentar

Alle großen Blackouts der vergangenen Jahre wurden nicht von einem Einzelereignis ausgelöst, sondern durch die Komulation mehrerer an und für sich beherrschbarer Einzelereignisse. Daher war die rasche Nennung von möglichen Auslösern wenig glaubhaft. Das der Markt dabei eine Rolle gespielt haben könnte, ist durchaus plausible. Auch im europäischen Stromversorgungssystem kam es 2012 infolge von wahrscheinlichen Marktmanipulationen beinahe zum Blackout.

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