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VuK-Newsletter #4 – Kann ich es mir leisten, unvorbereitet überrascht zu werden?

 

Dieser Newsletter beschäftigt sich mit der Frage ‘Kann ich es mir leisten, unvorbereitet überrascht zu werden?’, die ein Unternehmer bei einer Veranstaltung gestellt hat.

Mein Unternehmen auf ein Blackout vorbereiten

Ich habe dazu gerade die Zusammenfassung  Mein Unternehmen auf ein Blackout vorbereiten fertiggestellt und darin meine Erfahrungen der letzten Monate zusammengefasst. Sie soll Unternehmern konkrete Fragestellungen und Anregungen zur eigenen Auseinandersetzung mit diesem Thema in die Hand geben. Verteilen Sie diese bitte gerne weiter.

Wird die Wasserversorgung unterschätzt?

Auch ich wurde wieder einmal wachgerüttelt. Auf dem Symposium Wasserversorgung der ÖVGW gab es einen Vortrag zum Hochwasser 2013 in Passau. Die Strom- und Wasserversorgung brach damals für rund 65.000 Menschen zusammen. Originalzitat: ‘Wir standen knapp vor dem Bürgerkrieg. Es gab einen enormen Druck, wieder schnell hochzufahren, wodurch erhebliche Infrastrukturschäden entstanden.’ Bei einem Blackout werden möglicherweise auch in Österreich hunderttausende Menschen zeitnah ohne Wasserversorgung da stehen. Daher wäre es sinnvoll, vorher darüber öffentlich zu diskutieren und abzuwägen, welche Maßnahmen wann und wie getroffen werden können, um im Anlassfall den Handlungsdruck zu reduzieren und um zusätzliche (Infrastruktur-)Schäden zu vermeiden. Wie sich dieses Szenario entwickelt, hängt von vielen Rahmenbedingungen ab, die großteils nicht vorhersehbar sind. Eine wesentliche Rolle spielt dabei sicher der Eintrittszeitpunkt. Etwa, ob die Wasserbehälter gerade gefüllt wurden oder knapp vor einer Füllung stehen. Oder wie die Menschen bei der Rückkehr der Versorgung reagieren. Durch die fehlende Sicherheitskommunikation könnte es hier rasch zu Überlastungen und Rückschlägen kommen. Zum anderen stellt eine unterbrochene Wasserversorgung eine sehr hohe psychische Belastung dar, nicht zuletzt auch wegen der eingeschränkten Hygienemöglichkeiten (WC!!). Eine entsprechende integrierte Sicherheitskommunikation mit der Aufforderung zur Eigenvorsorge könnte hier den Druck erheblich reduzieren.

Elektronische Geräte im Dauerbetrieb – Totalschaden durch zerstörte Bauteile

Ein bisher weitgehend kaum betrachtetes Thema stellt die Ausfallmöglichkeit von elektronischen Geräten/Steuerungen dar, die im Dauerbetrieb verwendet werden. Hier besteht die hohe Gefahr, dass elektronische Bauteile (Kondensatoren) austrocknen, was sich im normalen Betrieb nicht bemerkbar macht. Fällt der Strom aus, kann es beim Wiedereinschalten zu einer Zerstörung dieser kommen, was zu einem Totalausfall des Netzteiles/Gerätes führen würde. Solche Schwachstellen können nur durch periodische Tests rechtzeitig entdeckt werden. Hier muss einfach nur der Strom lokal abgeschaltet werden. Wichtige Systeme verfügen über Redundanzen. Damit kann auch die Funktionsfähigkeit dieser überprüft werden. Wie die tägliche Praxis zeigt, stehen nur regelmäßig überprüfte Redundanzen auch wirklich zur Verfügung. Ob das die tatsächliche Ausfallsicherheit oder den aktuellen Softwarestand betrifft, es gibt unzählige Bespiele, wo es im Anlassfall ein böses Erwachen gab.

Sehr hoher Gleichzeitigkeitsbedarf

Zur berücksichtigen ist auch, dass nach einem Blackout massive Ersatzteilengpässe erwartet werden müssen, sollte es zu einem massenhaften Ausfall von derartigen Komponenten auf europäischer Ebene kommen. Dies würde wiederum eine noch stärkere Beeinträchtigung der besonders IT-abhängigen Logistik mit weitreichenden Auswirkungen auf die gesamte Versorgung erwarten lassen. Der sehr hohe Gleichzeitigkeitsbedarf wird auch in anderen Bereichen auftreten und ganz unterschiedliche Ressourcen betreffen. Etwa die Treibstoffversorgung, wenn viele Betreiber von Notstromeinrichtungen versuchen werden, so rasch als möglich ihre Treibstoffvorräte wieder aufzufüllen, um auf ein mögliches Folgeereignis vorbereitet zu sein. Dafür sind die derzeitigen Logistikprozesse (Frächter) nicht ausgelegt. Auch bei der Lebensmittelversorgung müssen nach einem solchen Ereignis ‘Hamsterkäufe’ erwarten werden, was die Rückkehr zur Normalität zusätzlich erschweren würde. Auch hier zeigen die praktischen Erfahrungen, dass kommunikative Lenkungsversuche in der Krise scheitern. Dies funktioniert nur vor einer Krise.

Wiederhochfahrphase

Gerade das Wiederhochfahren von Infrastrukturen stellt eine besonders kritisch Phase dar, insbesondere, wenn das aus einem unsicheren bzw. instabilen Zustand erfolgen muss. So könnte es etwa beim Wiederhochfahren der Telekommunikationsinfrastrukturen rasch zu Überlastungen und zu einem neuerlichen Kollaps kommen. Was sich wiederum auf die Wiederherstellungszeit der Versorgungsketten negativ auswirken würde. Daher wird es in einzelnen Bereichen notwendig sein (etwa bei der Wasserversorgung oder Telekommunikation), die Infrastrukturen erst in den Nachtstunden wieder hochzufahren, um einer Überlastung in der kritischen Phase entgegenzuwirken. All das muss aber vorher durchdacht und vorbereitet werden.

Wie lange dauert ein Blackout?

Hier kann keine allgemeingültige Aussage getroffen werden, da dies von vielen Aspekten (Ursache, Netzsituation, Schäden, Tages- und Jahreszeit, etc.) abhängig ist. Je nach Region wird die Wiederherstellung kürzer oder länger dauern. Es sollte zumindest von einem halben Tag ausgegangen werden. Im schlimmsten Fall kann es sich aber auch über Tage ziehen. Dabei muss immer die europäische Dimension / das europäische Verbundsystem berücksichtigt werden. Sollte es gelingen, was realistisch ist, die österreichische Stromversorgung rascher wiederherzustellen, muss dennoch bedacht werden, dass es bei der Gesamtsynchronisation auf europäischer Ebene zu Rückschlägen und damit zu einem neuerlichen Kollaps kommen kann. Zum anderen sind in der Wirtschaft die internationalen Abhängigkeiten (Logistik) zu berücksichtigen. Daher reicht die lokale Stromversorgung noch lange nicht aus, um wieder zur Normalität zurückkehren zu können. Hier kann es sich durchaus bezahlt machen, etwas zuzuwarten und eine stabile Infrastrukturversorgung abzuwarten, da auch in anderen Bereichen, wie etwa in der Telekommunikationsversorgung, enorme Herausforderungen zu erwarten sind.

Integrierte Sicherheitskommunikation in der Schweiz – alertswiss.ch

Parallel zum diesjährigen Sirenentest am 04.02.15 lancierte das Schweizer Bundesamt für Bevölkerungsschutz (BABS) unter der Bezeichnung Alertswiss eine neue Website, eine App, einen Twitter-Account sowie einen YouTube-Kanal.  Alertswiss.ch ist ein Gemeinschaftsprojekt von Bund und Kantonen. Über diese zentrale Plattform wird die Öffentlichkeit über die vorsorglichen Maßnahmen zur Bewältigung von Katastrophen und Notlagen informiert. Künftig werden darauf auch aktuelle Warnungen, Alarmierungen und Informationen zu Katastrophen und Notlagen zu finden sein (Alert) – und zwar auf nationaler Ebene (Swiss). Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz BABS sorgt für die Infrastruktur und die Bewirtschaftung dieser Website. Die Informationen auf dem Blog und dem Social Hub stammen aus dem gesamten Bevölkerungsschutzverbund. Hierzu gehören nicht nur im engeren Sinn Feuerwehr, Polizei, Sanität, Zivilschutz und die technischen Betriebe, die im Ereignisfall vor Ort sind, sondern auch diverse Fachstellen, Führungsorgane und Infrastrukturbetreiber. Mehr Informationen finden Sie hier.

Verschiedene Meldungen und Berichte

Situation im europäischen Stromversorgungssystem

Die angeführten Beispiele stammen rein aus öffentlich verfügbaren Quellen. Sie zeigen die aktuellen Herausforderungen auf und sollten uns an die Truthahn-Illusion  erinnern.

 

1 Comment

  1. Risikokultur leben

    Eine Katastrophe hat viele Gesichter: IT-Attacken, Stromausfall, Einbruch, Hochwasser oder ein einfacher Brand – das alles sind Ereignisse, die Geschäftsprozesse zum Erliegen bringen können. Über die Implementierung eines Business Continuity Managements (BCM) sprach PROTECTOR mit Frank Romeike, Risikomanagement-Experte, Lehrbeauftragter und Fachautor.

    https://www.risknet.de/themen/risknews/risikokultur-leben/9256c6d786ab6866d3bb57cbdf9c5515/

  2. […] Der zweite Aspekt – die Eigenversorgungsfähigkeit der Bevölkerung – ist bei einem Blackout katastrophal! Nach einem europäischen Blackout wird es Tage, wenn nicht sogar Wochen dauern, bis wieder annähernd eine Normalisierung der Versorgung möglich sein wird. Einerseits müssen die hochsynchronisierten Logistikprozesse erst wieder hochgefahren werden und zum anderen ist mit, je nach Dauer des Stromausfalls, erheblichen Ausfällen in der Primärproduktion (Tierhaltung, Glashäuser) aber auch bei der Verarbeitung bzw. bei den Kühlketten zu rechnen. Ganz abgesehen von den nicht abschätzbaren Schäden in der IT. […]

  3. […] Tag mit tage- wenn nicht wochenlangen Versorgungsengpässen gerechnet werden. Dabei sind die nicht abschätzbaren Schäden in der IT und die weitere Zunahme der IT-Vernetzung in den Infrastrukturen noch gar nicht […]

  4. […] 24/7/365 betrieben werden, sind dafür massiv anfällig. Dabei kommt es zu einem Austrocknen von Kondensatoren, die dann bei einem Stromausfall/Wiedereinschalten zerstört werden. Wie die Praxis […]

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