Die Autoren und Geschäftsführer der österreichischen Firma WEB Windenergie AG analysieren in ihrem Buch “V=Z+S Die letzte Gleichung der Energiewende” mögliche Konzepte für eine erfolgreiche Energiewende im Stromversorgungssektor. Sie sprechen auch konkret die Notwendigkeit an, bisherige Lösungskonzepte zu überdenken bzw. durch neue Ansätze zu ersetzen:

Regionale und lokale Versorgungskonzepte bieten zukunftsfähige Antworten auf die Frage, wie nachhaltige Energieerzeugung auf globaler Ebene aussehen kann. Der Erzeugungsort wird sich dem Ort des Verbrauchs wesentlich stärker annähern als bisher. Die überregionale Vernetzung wird hingegen an Bedeutung verlieren. Das Energienetz von morgen wird dezentral und subsidiär angelegt sein.

Die aktuelle Instabilität hat auch damit zu tun, dass nur Teilaspekte in einem komplexen System geändert werden, bzw. die bisherigen Problemlösungswege angewendet werden:

Die etablierten, historisch gewachsenen Energieriesen setzen auch bei Regenerativenergien hauptsächlich auf große Produktionseinheiten.

Bottom-up: Denn hier schafft zunächst der Verbraucher für sich jene Voraussetzungen, die es ihm ermöglichen, Energie für den Eigenbedarf zu erzeugen und damit möglichst effizient umzugehen. Im nächsten Schritt vernetzt er sich lokal und regional, um damit eigene Verbrauchsspitzen auszugleichen. Erst auf einer dritten Ebene sind überregionale Strukturen notwendig, um Bedarfsspitzen zwischen den Regionen auszugleichen.

Damit die Energieerzeugung künftig möglichst nah am Ort des Bedarfs erfolgen kann, müssen zunächst alle Möglichkeiten zur regionalen Produktion ausgeschöpft werden. Dies wird regional unterschiedlich aussehen – je nachdem welche Ressourcen verfügbar sind.

Dabei erfolgt durchaus auch eine (selbst-)kritische Betrachtung:

Vor allem im Bereich der europäischen Netzinfrastruktur läuft die europaweite Diskussion derzeit in eine falsche Richtung – hier müssen mutige Wege beschritten und die Mittel intelligenter eingesetzt werden. Aber auch aktuelle Fördermodelle sollten hinterfragt und besser auf aktuelle technologische Entwicklungen hin abgestimmt werden.

In den ersten Jahren wurde der Fokus auf Technologien zur regenerativen Erzeugung gelegt, heute muss die Speicherung des nur zyklisch verfügbaren Ökostroms in den Vordergrund rücken. Ein neuer Förderschwerpunkt auf zukunftsfähige Speichersysteme könnte aber dazu beitragen, unsere Erzeugungs- und Verteilungsstruktur von Grund auf zu ändern und damit die letzte Gleichung der Energiewende zu lösen.

Offshore-Windenergie: Diese Strategie sollte aber ernsthaft hinterfragt werden, hat sie doch weitreichende Auswirkungen auf die zukünftige Netzstruktur. (…) fördert man indirekt den ungebremsten Ausbau der Stromnetze.

Eine Förderung im Fotovoltaikbereich ist aus unserer Sicht daher nicht mehr notwendig.

Die Wasserkraftnation Norwegen verfügt über die Hälfte der Speicherkapazität in Europa. Wie bereits erwähnt, ist diese Konzeption vor dem Hintergrund der hohen Infrastrukturkosten und sinnvoller Alternativen aber sehr kritisch zu bewerten.

Ein weiterer Faktor ist, dass für die Energiewende es nicht reicht, nur die Stromversorgung umzubauen:

Zur Umsetzung dieses Ziels (20-20-20) muss es gelingen, das Energieeinsparungspotenzial in allen Bereichen von Wirtschaft und Gesellschaft substanziell zu nutzen und dadurch Wirtschaftswachstum und Energieverbrauch nachhaltig zu entkoppeln.

Elektromotoren verbrauchen 45% des weltweiten Stroms. Effizientere Konstruktionen, innovative Motoren und Energierückgewinnung könnten die Systeme wesentlich verbessern, und bis zu 50% der heute benötigten Energie einsparen.

Und einmal mehr wird ein Aspekt angesprochen, der bisher in der Debatte weitgehend zu kurz kommt – die Energiewende wird nicht nur durch Technik zu erreichen sein, sondern muss vor allem die Betroffenen – die Menschen – WIR ALLE – die Konsumenten – einbinden!

Verbraucher, Konsumenten, Wähler, Bürger – wir Menschen sind die wahren Träger der Energiewende.

Weitere Aussagen aus dem Buch finden Sie in dieser Zusammenfassung.