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Kapazitäten der Bevölkerung zur Bewältigung eines lang anhaltenden flächendeckenden Stromausfalles

 

Quelle: Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe

Das Ziel dieser Studie ist die Schaffung einer wissenschaftlichen Grundlage zur Quantifizierung der Bewältigungskapazitäten der Bevölkerung gegenüber einem großflächigen langanhaltenden Stromausfalles. Des Weiteren soll der Einfluss der wesentlichen sozioökonomischen Faktoren auf diese Kapazitäten erfasst werden. Als flächendeckender lang anhaltender Stromausfall gilt im Rahmen dieser Ausarbeitung ein Stromausfall von mindestens ein bis zwei Wochen Dauer in einem Umkreis von 100 km um den betroffenen Haushalt. Staatliche Maßnahmen auf dem Gebiet des Bevölkerungsschutzes werden von dieser Studie nicht erfasst.

Um die oben genannten Ziele zu erreichen, wurde im Juni 2012 eine telefonische Bevölkerungsbefragung in Deutschland durchgeführt, an der 2.000 deutschsprachige Haushalte teilgenommen haben. Die Stichprobenziehung erfolgte als geschichtete Zufallsstichprobe auf Grundlage des ADM-Telefonstichproben-Systems. Als Zielperson wurde die haushaltsführende Person ausgewählt. Folgende wesentliche Erkenntnisse konnten aus der Auswertung der Befragungsdaten gewonnen werden:

  • Der überwiegende Teil der Bevölkerung betreibt keine Bevorratung im Sinne des Katastrophenschutzes, trotzdem sind nicht unerhebliche Kapazitäten, wenn auch unbewusst, in den deutschen Haushalten vorhanden.
  • Von den befragten Haushalten gaben 19% an, über keine Lebensmittel-, 13% über keine Trinkwasser- und 52% über keine Brauchwasserbevorratung zu verfügen. Einen Zugang zu einer natürlichen Wasserquelle besitzen vor allem Haushalte in Gemeinden mit gerin gerem Bevölkerungsanteil.
  • Die Bevorratungsdauer lebensnotwendiger Medikamente beträgt beim überwiegenden Teil der Bevölkerung (94%) mindestens eine Woche. Das Lebensalter übt dabei den stärksten Einfluss auf die Bevorratungsdauer der lebensnotwendigen Medikamente und den Zugang zu alternativen Unterbringungsmöglichkeiten aus.
  • Im direkten Vergleich sind Haushalte ohne Katastrophenerfahrung eher schlechter auf einen lang anhaltenden flächendeckenden Stromausfall vorbereitet.
  • Haushalte mit Migrationshintergrund gehen von eher weniger verlässlicher nachbarschaftlicher Hilfe aus.
  • Als einer der wesentlichen Beeinflussungsfaktoren stellte sich im Rahmen dieser Befragung das Wohnungseigentum heraus. Als Teil der Infrastruktur, in der die Haushalte eingebunden sind, übt die Variable wesentlichen Einfluss auf die in den Haushalten vorgehaltenen Bewältigungskapazitäten aus.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Bewältigungskapazitäten in der Bevölkerung grundsätzlich vorhanden sind, diese jedoch deutlich höher ausfallen, wenn der Haushalt bereits mit dem Thema des lang anhaltenden Stromausfalles konfrontiert worden ist. Eine Bevorratungsdauer von einer Woche erscheint bei der Bevorratung von Lebensmitteln, Trinkwasser und Brauchwasser am ehesten umsetzbar. Das Risikobewusstsein der Bevölkerung muss im Hinblick auf lang anhaltende Stromausfälle gesteigert werden.

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