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Energiewende in SH: Der „Blackout“ rückt näher

 

Quelle: Schleswig-Holsteinischer Landeszeitung

Flächendeckende Stromausfälle über mehrere Tage werden wahrscheinlicher. Fachleute bereiten sich auf den Ernstfall vor.

Doch was passiert, wenn das Netz über mehrere Tage zusammenbricht? Davor hat Landrat Dr. Rolf-Oliver Schwemer jetzt eindringlich gewarnt. „Die Wahrscheinlichkeit für dieses Szenario steigt“, sagte er gestern in seinem Verwaltungsbericht vor dem Kreistag. Experten bestätigen das – und sprechen von verheerenden Auswirkungen.

Jede größere Schwankung macht Netzeingriffe erforderlich. „Das kommt heute etwa 1000 Mal im Jahr vor, vor zehn Jahren waren es noch zwei bis drei“. „Wenn dabei etwas schiefgeht, kann es das Szenario eines flächendeckenden Stromausfalls nach sich ziehen.“

Was ein solcher „Schwarzfall“ (engl. Blackout) bedeutet, hat Dr. Thilo Rohlfs mit seinem Krisenstab jetzt drei Tage lang geübt. Rohlfs ist beim Kreis für den Katastrophenschutz verantwortlich.

Doch die größten Probleme stellen sich in Pflegeheimen und bei ambulanten Dialyse- und Beatmungspatienten“, sagt Rohlfs. Die Beatmungsgeräte können zwar eine Zeit lang per Batterie betrieben werden, doch ob das bis zum Eintreffen der Rettungskräfte reiche, sei offen. Deshalb ermittle die Verwaltung derzeit Pflegedienste sowie alle Pflegeheime und ob deren Stromversorgung einen Puffer vorhält. In der Imland-Klinik Rendsburg sei etwa eine komplette Versorgung der Patienten über eine Woche möglich.

„Wir wollen keine Panik verbreiten, müssen aber darauf hinweisen, dass länger anhaltende flächendeckende Stromausfälle möglich sind“, sagt Rohlfs. Er und sein Stab müssen dann „unpopuläre Entscheidungen“ treffen, denn zunächst seien Gefahren für Leib und Leben abzuwenden.

„Wie schnell das Netz wieder aufgebaut werden kann, hängt von der Größe des Ausfallgebiets ab“, erklärt Rohlfs. Jens Peter Solterbeck: „Auf lokaler Ebene dauert das nur wenige Stunden. Ein Ausfall im gesamten Kreis Rendsburg-Eckernförde ist in bis zu 24 Stunden behoben.“ Breite sich das Ausfallgebiet jedoch auf das ganze Land aus, könne die Wiederherstellung bis zu fünf Tage dauern, im gesamten Bundesgebiet bis zu acht Tage.

Kommentar

Die Hinweise mehren sich, dass man in Deutschland bereits mit einem mehrtägigen Stromausfall rechnet (siehe etwa auch Wenn für eine Woche der Strom wegbleibt). Niemand kann das wirklich vorhersagen. Daher ist es umso wichtiger, sich auch mit dieser Möglichkeit auseinanderzusetzen. Es ist durchaus möglich, dass es in Teilgebieten, etwa in Österreich gelingt, ein Teilversorgung rascher herzustellen. Jedoch würden die Auswirkungen in anderen Infrastruktursektoren (siehe Schweizer Erkenntnisse) dennoch verheerend sein. Wenn etwa in Deutschland die Wiederherstellung mehrere Tage benötigt, hätte das weitreichende Auswirkungen auf ganz Europa! Deutschland ist ein zentraler Logistik- und Warenknoten in Europa. Ganz abgesehen von den wirtschaftlichen Folgen, die bis hin zum Kollaps des Finanzsystems reichen können. Wären wir darauf vorbereitet? Können wir uns das leisten?

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