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Der Strommarkt nach gelungener Energiewende

 

Beitrag von Franz Hein

Seit dem ich Rentner bin, bemühe ich mich noch intensiver (jetzt aber deutlich unabhängiger als zuvor), das Gelingen der Energiewende voranzutreiben. Dazu halte ich Vorträge, schreibe Artikel und versuche dabei, mein seit 1973 im Berufsleben in mehreren Aufgabenbereichen erworbenes Wissen über die Zusammenhänge in der riesigen “Maschine” Energieversorgungssystem weiter zu geben. Gegenwärtig habe ich allerdings den Eindruck, dass die Energiewende in einer Sackgasse geraten ist. Mir scheint sogar, dass sie kurz davor ist, zu scheitern.

Die derzeit unüberwindbar sich offenbar auftürmende Barriere sehe ich darin, dass rundum ein geradezu extremes Interesse an der Aufrechterhaltung des ehemals so erfolgreichen und lukrativen Stromversorgungssystems besteht. Niemand will das bisherige Energie-Schlaraffenland, in dem der Strom einfach aus der Steckdose kam, verlassen. Das war unglaublich bequem und „bezahlbar“. Sehr sicher war es auch.

Die Grundlage dieses Schlaraffenlands war zwar der ungehemmte und seither immer noch zunehmende Verbrauch fossiler Rohenergien. Deren Endlichkeit wird jedoch weitgehend ignoriert oder das Versiegen dieser Energien wird gedanklich weit in die Zukunft verlegt. Der Handlungsdruck reicht damit nicht aus, uns endlich der Vernunft zuzuwenden und diese tatsächlich wieder wie früher erfolgreich anzuwenden.

Eine regelrechte Verirrung hinein in eine gewünschte, die physikalischen Zusammenhänge verneinende Phantasiewelt, ist die inzwischen weit verbreitete Vorstellung, dass ein “Markt” sämtliche bestehenden Herausforderungen über Geldströme bewältigt. Der „vollkommene Markt“ muss dazu nur endlich von bisherigen Unvollkommenheiten befreit werden. Dazu werden die Vorschriftenwerke und Gesetze immer noch weiter ausgedehnt und mit einer Detailtiefe versehen, die letztlich sich wie eine totale Entmündigung der Branche sowie der „Letztverbraucher“ auswirkt.

Die Marktteilnehmer werden zudem einer Ideologie des Trennens unterworfen (Unbundling genannt). Den “Letztverbrauchern” wird nur das Konsumieren zugetraut und keinerlei Verantwortungsübernahme für die Infrastrukturen, welche notwendig sind, damit das „Lebensmittel“ Energie mit der nun über Jahre gewohnten Versorgungssicherheit weiterhin unbegrenzt zur Verfügung steht. Diese bei uns beachtlich gute Versorgungssicherheit wird als Gewohnheitsrecht angesehen. Dazu sind schließlich die Netzbetreiber da, dafür bekommen sie doch Geld. Sie tragen die Verantwortung.

„Intelligente“ Messsysteme sollen nun „ausgerollt“ werden, wobei allein die Benennung, die jedoch offenbar automatisch, die Systeme intelligent macht. Unklar bleibt, wie technische Gebilde Intelligenz erwerben können. Software aufgrund heutiger Modelle der Wirklichkeit reicht nicht! Die Segnungen der Informationsund Kommunikationstechnik sollen natürlich genutzt werden. Die damit völlig neuartigen Fehlerund Störungsmöglichkeiten, längst in anderen Branchen aufgefallen, werden ignoriert. Weil in der Energiebranche so etwas nicht vorkommen kann, bzw. weil es nicht sein darf oder noch nicht genügend oft erlebt wurde, bleiben Gefahren unbeachtet.

Deshalb sollte dringend die Vernunft (wieder) eingeschaltet werden! Die Energienutzer und auch alle anderen Marktrollen sollten mit Techniken befähigt werden, ihrer Verantwortung gerecht werden zu können. Dann erst ist die Energiewende gelungen.

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  1. […] hinter die Kulissen zu blicken und mit einem nachhaltigen Systemumbau zu beginnen (siehe etwa Der Strommarkt nach gelungener Energiewende). Die derzeitige Umsetzung der Energiewende stellt in vielen Bereichen eine Sackgasse dar (siehe […]

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