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SVU’14 – Überwinden der Krise

 

Quelle: INFO SVU 14 – SEPTEMBER

Die «Allgemeine Lage» der Sicherheitsverbungsübung 2014 In den Modulen Notlage setzen sich die Übenden mit einem Szenario, «Allgemeine Lage» genannt, auseinander. Es wurde von der Übungsleitung u.a. in Zusammenarbeit mit Bundesstellen, Experten und Wirtschaftsvertretern erstellt. Das Szenario ist fiktiv, aber plausibel und möglich.

Es geht darin um folgendes:

Ab Mitte September 2014 ist der Strom in Westeuropa wegen eines Cyber-Angriffes nur noch teilweise verfügbar. Bis ins kommende Jahr muss die Schweiz mit einem reduzierten Stromangebot zurechtkommen. Dies führt zu einer nationalen Notlage. Das Stromangebot ist zu Beginn zufällig, nicht gesteuert und variiert sowohl zeitlich als auch geographisch. Später, am 20. Oktober, tritt die Verordnung über die Elektrizitätsbewirtschaftung (VEB) in Kraft. Systeme werden jedoch überbeansprucht, woraufhin Ende Oktober der Strom während 48 Stunden komplett ausfällt. In den darauffolgenden Monaten ist das Stromangebot weiter- hin eingeschränkt. Diese Notlage wird durch einePandemiewelle zusätzlich verschärft. Ihr Höhepunkt wird in der Schweiz im November 2014 prognostiziert. Es muss im November mit 5000 – 6000 Hospitalisationen sowie von Juni 2014 bis Februar 2015 insgesamt mit bis zu 8‘000 Todesopfern gerechnet werden. Aus dieser Überlagerung ergibt sich eine komplexe Notlage. Die Übung setzt Anfang November nach dem 48 stündi gen Stromausfall ein.

Die Übung setzt Anfang November nach dem 48 stündigen Stromausfall ein.

Unsere Gesellschaft und Wirtschaft sind so stark stromabhängig und vernetzt, dass sie eine Strommangellage schnell und verheerend treffen würde.Interdependenzen und Dominoeffekte sind mitunter Grund dafür. Fällt der Strom über längere Zeit immer wieder stundenweise aus, ist der Alltag der Gesellschaft massiv beeinträchtigt. Ein geregeltes Leben findet nicht mehr statt. Grundbedürfnisse (Lebensmittelversorgung, Gesundheit, Unterkunft), Sicherheit, Arbeit, Einkünfte und Psyche etc. leiden darunter. In der Folge werden Verzichte und Priorisierungen unabdingbar.

Die Kantone sind in dieser Notlage teilweise auf Bundeshilfe angewiesen. Der Staat muss auf «Notbetrieb» umstellen und die Gesellschaft aus der Krise führen. 

Der «Notbetrieb» ergibt sich, weil unter anderem die Mobilität (Strasse, Schiene, Schiff, Luft), Versorgung und Entsorgung (Logistik, Nahrung, Bargeld, Diesel, Medikamente, Post, Telekommunikation / Informations- und Kommunikationstechnik, Wasser- und Heizsysteme, ….) und das Gesundheitswesen (Spitäler, Arztpraxen, Drogerien, Heime, …) durch den Strommangel so stark beeinträchtigt sind, dass letztlich die öffentliche Sicherheit gefährdet ist.

Wie das Überwinden der Krise gelingt, hängt unter anderem vom Erfolg der Führung, Kooperation, Kommunikation und des Ressourcenmanagements ab.

Das Szenario der SVU 14 orientiert sich an den Ergebnissen des Risikoberichts 2012 (Katastrophen und Notlagen Schweiz, VBS BABS)

Darin wurden eine Pandemie und ein Ausfall der Stromversorgung als grösstes Risiko für die Schweiz in Bezug auf Schadensausmass und Eintretenswahrscheinlichkeit festgestellt. Aus diesem Grund wird nach der Strategischen Führungsübung von 2009 (SFU 09), das Szenario «Strom» erneut beübt. Die SFU 09 war eine interne Bundesübung. In der SVU 14 hingegen üben der Bund, Kantone, Gemeinden und Dritte.

Höherer Stromverbrauch in Rechenzentren wegen zunehmender Digitalisierung

Bern, 28.08.2014 – Rechenzentren sind ein wesentlicher Erfolgsfaktor für die Digitalisierung der Schweizer Wirtschaft. Da lediglich 4% der mittleren Unternehmen eigene Rechenzentren betreiben, haben Drittanbieter (externe Rechenzentren) eine wichtige volkswirtschaftliche Bedeutung. Eine Studie im Auftrag des Bundesamtes für Energie (BFE) und des Schweizerischen Verbandes der Telekommunikation (asut) zeigt auf, dass die Gesamtfläche der Rechenzentren in der Schweiz seit Jahren stark wächst und damit auch deren Stromverbrauch steigt. 2013 lag er bei 1661 Gigawattstunden (GWh), was 2,8% des Schweizerischen Gesamtstromverbrauchs ausmacht.

André Soltermann, Chef Auswertung SVU 14, rechnet mit (noch) vorhandenem Schulwissen nach:

  • 1661 GWh pro Jahr – Das sind ca 4.5 GWh pro Tag;
  • 1 GWh entspricht ca. 84 t oder 100‘000 L Diesel (Energieäquivalent);
  • Da der thermische Wirkungsgrad eines Dieselaggregats 30% beträgt, bräuchte man 1260 t oder 1.5 Mio. L Diesel pro Tag, falls man die Server ersatzweise mit Diesel betreiben könnte/wollte;
  • Um die Menge zu transportieren sind 75 Tanklastwagen à 20‘000 Liter nötig – pro Tag und einzig, um die benötigten Server bei Laune zu halten.

Strommangellage als noch größere Herausforderung

Wie bereits mehrmals und in verschiedenen Gremien betont wurde, wird nicht so sehr der totale Stromausfall die grössten Probleme verursachen, sondern die ganzen Begleiterscheinungen der Strommangellage. Wenn nur 70% des benötigten Stroms verfügbar sind, kann auch der eingeschränkte Alltagsbetrieb nicht aufrecht erhalten werden. Man kann in der Tat davon ausgehen, dass unter solchen Rahmenbedingungen auch verschiedene entscheidende Infrastrukturen nicht mehr vollständig funktionieren. Man denke nur an die öffentliche Sicherheit, an das Verkehrswesen, an die Nahrungsmittelversorgung, an die Telefonie, die Informatik, den Zahlungsverkehr, usw…

Herausforderungen im Stromnetz

In Extremsituationen weisen wir Kraftwerke an, ihre Produktion zu drosseln oder zu erhöhen.

Dies ist in den letzten Jahren nicht einfacher geworden. Ursprünglich ist unser Stromsystem darauf ausgelegt, dass in Europa zwei grosse Kern- oder Kohlekraftwerke gleichzeitig ausfallen und innerhalb einer Viertelstunde ersetzt werden können. Inzwischen ist aber die Einspeisung von Wind- und Solarenergie in Europa so gross, dass es immer wieder zu Leistungssprüngen – spontane Zu- oder Abnahmen – in dieser Grössenordung kommt.

Obwohl das europäische Stromsystem ursprünglich gar nicht dafür gemacht wurde, konnte es diese Sprünge bisher immer auffangen. Aber mit laufendem Ausbau der neuen erneuerbaren Energien wird dies zunehmend schwieriger. Der Aufwand um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten zu können wird deshalb bei Swissgrid wie auch bei den andern Übertragungsnetzbetreibern in Europa immer grösser.

Versorgungssicherheit

Würde elektrische Energie zeitweise nicht mehr oder nur noch beschränkt zur Verfügung stehen, könnte die Versorgung der Schweiz mit wichtigen Gütern und Dienstleistungen nicht mehr gewährleistet werden. Dies zeigt ein Bericht über die Vorbereitungen auf krisenbedingte Versorgungsengpässe im Strombereich.

Ein kurzfristiger, krisenbedingter Versorgungsengpass mit Strom kann zu Netzzusammenbrüchen mit schwerwiegenden Auswirkungen für Staat und Wirtschaft führen. Nahezu alle Lebensbereiche sind von der Stromversorgung abhängig und können von solchen Versorgungsunterbrüchen betroffen sein, wie der Bericht ausführt. Insbesondere Informations- und Kommunikationstechnologien, Transport-, Logistik- und Energienetze, aber auch der Agrarsektor und die Industrie sind zur Erfüllung ihrer Funktionen auf eine zuverlässige Stromversorgung angewiesen.

Im Hinblick auf die Bewältigung eines kurzfristigen, allenfalls über mehrere Tage andauernden Engpasses in der Stromversorgung hat der Bund verschiedene Massnahmen vorbereitet. So kann er anordnen, dass die Elektrizitätsbranche im Krisenfall die nötigen Vorkehrungen trifft, um das Gleichgewicht zwischen Produktion und Verbrauch auf reduziertem Niveau sicherzustellen. Dies unter anderem durch Verwendungseinschränkungen (z.B. Leuchtreklamen, Klimaanlagen) oder durch Kontingentierung des Stromverbrauchs der Grosskonsumenten.

Pflichtlager in der Schweiz

Die Vorratshaltung ist für die Versorgungssicherheit unseres Landes von grosser Bedeutung. Da in einer Krise bestimmte Güter erfahrungsgemäss knapp werden, müssen Produkte gelagert werden, die in der Schweiz nicht oder nur in ungenügender Menge vorhanden sind.

Das System der Pflichtlager beruht auf der Zusammenarbeit zwischen Privatwirtschaft und Staat. Die Unternehmen verpflichten sich, bestimmte Lager zu halten und zu bewirtschaften. Der Bund überwacht die Pflichtlager und erleichtert deren Finanzierung durch die Garantie von Bankdarlehen. Die Kosten der Pflichtlager werden auf die Verkaufspreise überwälzt. Beim Benzin zum Beispiel bezahlen die Konsumentinnen und Konsumenten weniger als einen halben Rappen zusätzlich pro Liter – als eine Art Versicherungsprämie für Krisenfälle. Weitere Information inklusive sehr interessantem Referat unter:http://www.bwl.admin.ch/themen/00527/index.html?lang=de

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