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Zusammenfassung des Blackout-Workshop Tulln

 

Quelle: BH Tulln

Im Zusammenhang mit den Erkenntnissen der Feuerwehren aus dem Slowenieneinsatz Anfang des heurigen Jahres (weiträumiger Stromausfall infolge heftigen Schneefalles und Eisregens) sahen wir uns veranlasst, den ersten Workshop des Bezirkes Tulln zum Thema Blackout zu organisieren. Ziel war es dabei, sich mit dem Thema möglichst professionell auseinandersetzen zu können und es aus möglichst vielen verschiedenen Perspektiven zu betrachten.

Mit diesem Workshop wollten wir nicht vordefinierte Lösungen präsentieren. Ganz im Gegenteil sollten die Teilnehmer zum Nachdenken bewegt und für die Thematik sensibilisiert werden. Das Ergebnis sind erste, wenn auch wichtige Lösungsansätze und Überlegungen, die noch im Detail weiterzuführen sind.

 Ähnlich dem Leuchtturmprojekt in Deutschland wäre aber die Schaffung von „Notversorgungsstellen“ in jedem Feuerwehrhaus anzudenken. Feuerwehrhäuser bieten sich insofern an, als es diese und das dazugehörige Personal in fast jeder Ortschaft gibt. Die Mitglieder der Feuerwehren kennen die örtlichen Besonderheiten und die Bevölkerung am besten. Die Ergebnisse aus den einzelnen Arbeitsgruppen bestätigten anschaulich die Notwendigkeit solcher Notversorgungsstellen.

Katastrophenschutz ist ein Thema, das nicht mehr „nebenbei“ bzw. wenn bereits eine Katastrophe eingetreten ist, behandelt werden kann. Diese Vorgehensweise wäre grob fahrlässig und würde entsprechende strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.

Für die Einsatzkräfte und die Behörde ist es wichtig, dass sich die Bevölkerung eine gewisse Zeit selbst versorgen kann.

Arbeitsgruppe Sicherheit

Die Aufrechterhaltung der Sicherheit und die Information der Bevölkerung sind wesentliche Bestandteile des Krisenmanagements. Dabei darf ein Blackout nicht „schön geredet“ werden, die Wahrheit ist der Bevölkerung zumutbar. Hier kommt einer offenen Krisenkommunikation hohe Bedeutung zu: Unsicherheit in der Bevölkerung kann zu unkontrollierbaren Kurzschlusshandlungen führen (Plünderungen, Massenhysterie bis hin zu anarchieähnliche Zuständen).

Im Fall eines großflächigen Blackouts (österreich- bzw. europaweit) werden die vorhandenen Sicherheitskräfte (Bundesheer, Polizei) in relativ geringer Stärke in jedem einzelnen Bezirk präsent sein können. Dieser Umstand resultiert daraus, dass im anzunehmenden Fall auch ein großer Teil der Bediensteten dieser Sicherheitsorganisationen aufgrund des Ausfalls des öffentlichen Verkehrs nicht zum Dienst erscheinen können wird bzw. sich im Spannungsfeld Familie-Beruf (Wem helfe ich zuerst?) befindet. Diese Erkenntnis ist besonders für Einsatzleiter zur Disposition über die schützenswerte Infrastruktur notwendig.

Arbeitsgruppe Transport

Gerade die örtliche Einsatzleitung in den Gemeinden hat den entscheidenden Vorteil, dass sie die örtlichen Transportkapazitäten genau kennt. Als Beispiele wären hier anzuführen: Transportunternehmer vor Ort, Landwirte, Bauhof etc.

Um die Einsatzfähigkeit der Einsatzkräfte aufrechtzuerhalten, kommt der Verfügbarkeit von Treibstoff hohe Bedeutung zu. Der wünschenswerte großangelegte Aufbau von Treibstoffressourcen wird wohl aus finanziellen wie auch aus logistischen Gründen kaum möglich sein. In erster Linie werden daher bestehende lokale Vorräte (Bauhof, Betriebstankstellen) herangezogen werden. Sollten diese erschöpft sein, wird eine Tankstelle nach der anderen (wenn dies ohne öffentliche Stromversorgung überhaupt möglich ist) leergepumpt. Hier müssten – soweit de facto umsetzbar – Sicherungsmaßnahmen durch die Exekutive oder das Bundesheer durchgeführt werden.

Arbeitsgruppe Soziales

Gerade im urbanen Bereich ist soziale Isolation von der Umwelt erkennbar. Teilweise kennt man nicht einmal seine Nachbarn in einem großen Wohnbau, man lebt nebeneinander und nicht miteinander. Dass ein solches soziales Gefüge zu Spannungen im Katastrophenfall führen kann, liegt nahezu auf der Hand.

Besonderes Augenmerk muss auf den Personenkreis gelegt werden, der auf Hilfe von außen angewiesen ist. Hier müssen an erster Stelle die Daten der betreffenden Personen in Zusammenarbeit mit den Pflegediensten erhoben werden. Die Datenerhebung muss allerdings sehr sensibel erfolgen, da gerade in diesem Bereich berechtigterweise strenge Datenschutzbestimmungen gelten.

Es müssen auch Anlaufstellen für Hilfesuchende geschaffen werden. Hier setzt das bereits angeführte Notversorgungsstellenkonzept an. Die Bevölkerung hat einen nicht zu unterschätzenden Informationsbedarf, wobei ein strukturierter Informationskreislauf durch Vernetzung untereinander aufgebaut werden müsste.

Arbeitsgruppe Versorgung

Diesem Thema kommt eine Schlüsselposition zu. Grundsätzlich muss auf die Eigenversorgung der Bevölkerung gesetzt werden, da realistischerweise eine „Rund-um-Betreuung“ durch die Einsatzkräfte von den Kapazitäten her nicht möglich sein wird. Dort wo die Eigenversorgung ausfällt, sollte freilich rasch und effizient geholfen werden. Die Betroffenen müssen – sofern körperlich dazu im Stande – aktiv in den Hilfseinsatz eingebunden werden.

Vor allem die Verfügbarkeit von Trinkwasser einerseits und die Abwasserentsorgung andererseits haben oberste Priorität, da bei deren Ausfall rasch gesundheitliche Probleme in großem Ausmaß auftreten können. Ein gesunder Mensch kommt relativ lange ohne Nahrung aus; Wassermangel führt jedoch rasch zu körperlichen Beeinträchtigungen. Sanitäre Missstände in Folge des Versagens der Abwasserentsorgung werden schnell zur Seuchengefahr. Eine Notstromversorgung ist daher bei der Wasserver- und der Abwasserentsorgung unbedingt als prioritär anzusehen.

Niederösterreich ist ein Land der Freiwilligen – hier liegt ein für den Katastrophenfall bisher relativ wenig genutztes Potential. Allein im Bezirk Tulln gibt es weit mehr als 900 gemeinnützige Vereine. Viele dieser Vereine verfügen aufgrund ihrer Aktivitäten über entsprechende Versorgungsausstattung (stromunabhängige Kochgeräte, Zelte, Bänke u.dgl.).

Da anzunehmen ist, dass die Inhalte der Kühltruhen nach einigen Tagen verderben und Lebensmittel frühzeitig zubereitet werden müssen, können diese Lebensmittel auch für ein gemeinschaftliches Kochen herangezogen werden. Hier bieten sich als Örtlichkeit die bereits angeführten Notversorgungsstellen an.

Apotheken haben auch kaum mehr größere Vorräte, da diese täglich von Zentrallagern aus beliefert werden. Der Einhaltung von sanitären und lebensmitteltechnischen Mindeststandards kommt daher im Blackout-Fall essentielle Bedeutung zu. Sich rasch ausbreitende Krankheiten, die durch verdorbene Lebensmittel oder durch belastetes Wasser ausgelöst werden, hätten im Zusammenhang mit der angesprochenen beschränkten Verfügbarkeit von Medikamenten fatale Folgen.

Siehe weiterführend auch: Gefahrgut, Landwirtschaft und Soziales bei einem Blackout und Notversorgungsstellen im Bezirk Tulln.

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