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„Plötzlich Blackout!“ – Zwischenbericht Mai – Zusammenfassung der Kick-off Meetings und Werkzeugliste

 

Vollständiger Bericht

1           Exekutive Summary

Ein Blackout – ein plötzlicher, großräumiger und länger andauernder Stromausfall – stellt in der öffentlichen Wahrnehmung nach wie vor ein wenig beachtetes Szenario dar. Gleichzeitig mehren sich die Hinweise, dass der Eintritt eines solchen Szenarios in Europa nicht mehr ausgeschlossen werden kann.[1]

1.1         Auswirkungen

Als wesentliche Erkenntnis der Kick-off Veranstaltungen hat sich ergeben, dass eine an realistischen Szenarien orientierte (Risiko-)Kommunikation und in weitere Folge das Durchdenken und die Vorbereitung von diesem Szenario entsprechenden Krisenplänen essentiell sind.

1.2         Wesentliche Aussagen und Fragestellungen aus den bisherigen Veranstaltungen

  • Die Auswirkungen eines möglichen Blackout werden nach wie vor unterschätzt. Unsere Gesellschaft und die diese tragende Infrastruktur sind auf ein solches strategisches Schockereignis nicht vorbereitet.
  • In den bisherigen Diskussionen zwischen den Mitmachern von „Plötzlich Blackout“ wurden eine lange Reihe von Vulnerabilitäten identifiziert. Viele davon sind auf absehbare Zeit nicht beseitigbar. Es hat sich allerdings herausgestellt, dass man in so einem Fall nicht die Hände in den Schoss legen kann, sondern dass bei gravierenden, aber vorerst nicht zu ändernden Fragilitäten auf jeden Fall eine Kommunikation über diese Problembereiche stattfinden soll.
    Als Leitlinie zeichnet sich daher ab: „Bestehende Vulnerabilitäten beseitigen
    ODER über diese Vulnerabilitäten Bewusstsein schaffen
  • Aus dem vorhergehendem Punkt lässt sich die dringende Notwendigkeit einer ehrlichen und umfassenden Risikokommunikation ableiten: wenn man die Gesellschaft vor einigen gravierenden Risiken nicht schützen kann, muss man sie über diese informieren damit jeder die Chance bekommt, sich selbst auf mögliche Krisensituationen realistisch vorzubereiten.
  • Es zeigt sich, dass in vielen Fällen die beste Maßnahme ist, alles was nicht unbedingt erforderlich ist, “herunterzufahren”, um die eigene Resilienz zu verstärken. Das aber muss vorbereitet werden.
  • Was und durch wen sollte kommuniziert werden, wenn eine akute Gefahr eines Blackout besteht (vergleichbar einer Unwetterwarnung) bzw. wenn es wirklich eintritt, dass es sich nun um einen längeren Ausfall handeln könnte?
  • Durch die Bildung von „dezentralen Zellen“ / resilienten lokalen Strukturen werden die Chancen auf eine Bewältigung eines Blackouts enorm vergrößert.
  • Aus vergleichbaren Situationen wurde die Erfahrung mitgenommen, dass zur Krisenbewältigung Einfachheit oberste Priorität haben sollte. Alles was nicht einfach zu „durchschauen“ oder zu erfassen ist, ist nicht kalkulierbar. Daher empfiehlt es sich, in solchen Fällen immer vom schlechteren auszugehen (z. B. bezüglich des Funktionierens der Telekommunikations- oder Lebensmittelversorgung).
  • Offline-Alarmpläne, die automatisch aktiviert werden, wenn nichts mehr geht, sind essentiell für eine adäquate Krisenvorbereitung.
  • Die Vorsorge im persönlichen Umfeld sollte stärker mobilisiert werden (Stichwort Zivilschutzratgeber[2]). Sie ist die Basis für alle anderen Aktivitäten.
  • Wir müssen uns bereits vor einem möglichen Blackout besser vernetzen.
  • Die Vorbereitung deeskalierender Maßnahmen in der Krisenkommunikation wurde wiederholt als Notwendigkeit genannt.
  • Es ist kaum abschätzbar, welche technischen Kommunikationsmöglichkeiten bei einem Blackout wie lange zur Verfügung stehen werden. Man sollte hier – aus grundsätzlichen Überlegungen – immer auch die Möglichkeit eines Totalausfalls mitbedenken.
  • Die Bevölkerung sollte darauf vorbereitet werden, dass die organisierte Hilfe nur sehr eingeschränkt erreichbar und handlungsfähig sein wird.
  • Der Amateurfunkdienst wird eine wichtige Stütze sein. Hierzu muss noch die Leistungsfähigkeit der Funkamateure besser kommuniziert werden.
  • Jede Region sollte wissen, ob ihre Trinkwasserversorgung bei einem Blackout funktioniert und entsprechende Vorkehrungen treffen (etwa eine Eigenbevorratung forcieren). Eng damit verbunden ist die Abwasserentsorgung (Kanalisation, Hebewerke, Kläranlagen).
  • Derzeit anlaufende Maßnahmen für eine Nottreibstoffversorgung für die organisierte Hilfe werden begrüßt und sollten ausgebaut werden.
  • Die Lebensmittelversorgung(sketten) werfen viel Fragen auf. Was einmal mehr die dringende Notwendigkeit der Eigenbevorratung der Bevölkerung unterstreicht.
  • Die Auswirkungen eines Blackouts auf die Donauschifffahrt (Schleusensysteme) sind zu prüfen. Dies könnte auch Folgen für die Versorgungslage haben.

1.3         Konsequenzen

Wie sich bei den Kick-off Meetings deutlich gezeigt hat, gibt es zwischen den Initiativen viele Querverbindungen. Um dem Rechnung zu tragen, wird im Rahmen der Synergiekonferenz am 12. Juni 2014 eine weitere Vernetzung zwischen den Mitmachern aller Initiativen statt finden.

1.4         Zivilgesellschaftliche Arbeit

Bei den Veranstaltungen wurde vereinzelt auf Parallelveranstaltungen verwiesen, etwa auf die des Zivilschutzverbandes, bzw. die Frage nach einer Schirmherrschaft gestellt.

„Plötzlich Blackout!“ ist eine zivilgesellschaftliche Initiative, die den Raum zwischen Staat, Markt und Individuum abdeckt. Dabei werden Themen und Bereiche adressiert, die sonst noch nicht betrachtet bzw. behandelt werden. Der Zivilschutz adressiert etwa die Vorbereitung der Bevölkerung. Andere Veranstaltungen adressieren wiederum einzelne Bereiche der organisierten Hilfe. Keine andere bisher bekannte Veranstaltung agiert auf nationaler Ebene – die MitmacherInnen der Initiativen kommen aus dem gesamten Bundesgebiet und aus rund 90 unterschiedlichen Organisationen (siehe auch Kapitel 9). Wir sehen uns daher als eine Vernetzungsplattform zwischen Staat – Unternehmen – Organisationen und Zivilgesellschaft, was mittlerweile auch im Ausland interessiert zur Kenntnis genommen wird.

Darüber hinaus sind auch Vertreter des Staatlichen Krisenmanagements, von Ministerien, des Zivilschutzverbandes, von Betreibern Kritischer Infrastruktur, Interessensvertretungen oder von Einsatzorganisationen bei uns vertreten. Eine „Doppelgleisigkeit“ sollte daher nicht entstehen. Wir sind weiter bemüht, allfällige ähnliche Aktivitäten kennenzulernen, um wechselseitige Unterstützung möglich zu machen bzw. eine Verdoppelung von Arbeiten auszuschließen. Wenn Sie daher von konkreten Arbeiten anderer Akteure Kenntnis haben, informieren Sie uns bitte; wir werden mit diesen Akteuren unmittelbar Kontakt aufnehmen.

[1]     Vgl. Blog http://www.ploetzlichblackout.at/blog/ bzw. den Schweizer Risikobericht 2012 (Katastrophen und Notlagen Schweiz, VBS BABS). Dort wurden eine Pandemie und ein Ausfall der Stromversorgung als größtes Risiko für die Schweiz in Bezug auf Schadensausmaß und Eintretenswahrscheinlichkeit festgestellt.

[2] siehe etwa http://www.noezsv.at/noe/media/0_Dokumente/Safety_Ratgeber_blackout.pdf

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