Quelle: www.schweizermonatshefte.ch

Matthias Weik und Marc Friedrich empfehlen, sich auf den nächsten grossen Finanzcrash vorzubereiten.
Dabei ist klar: Er kommt bestimmt. Früher oder später.

Sie sehen schwarz für die Weltwirtschaft und für das globale Finanzsystem und propagieren den Crash als Lösung. Wie schätzen Sie die Chance ein, dass ein Kollaps mit diesen Mitteln abgewendet werden kann?

Marc Friedrich (F): Die Chance dafür geht gegen null. Es gibt leider im bestehenden System keine Lösung – vor allem nicht mit den Protagonisten in Politik und Finanzwirtschaft. Ein tiefgreifender Struktur- und Denkwandel ist initiiert. Leider ist es so, dass die Menschen zumeist erst durch ein katastrophales Ereignis dazu gezwungen werden müssen, etwas zu ändern.

Die Banken haben sich seit 2008 mit noch mehr Geld vollgesogen, sind dadurch noch grösser, noch mächtiger und vor allem noch systemrelevanter geworden. Sie haben damit lediglich ihr Erpressungspotential gegenüber den Staaten und Bürgern bei der nächsten Krise erhöht.

Seit 2008 wurden die Probleme nur mit Geld in die Zukunft verschoben, und dort türmen sie sich weiter auf. Es wurde nur volkswirtschaftliche Schadensmaximierung betrieben auf Kosten von Bürgern.

Wir haben seit 2008 global mehr Geld verbrannt als im Ersten und Zweiten Weltkrieg zusammen. Seit 2008 ist die globale Verschuldung um 43 Prozent gestiegen. Man hat also Schulden mit Schulden beglichen – das kann und das wird nicht funktionieren.

Deutschland ist Exportweltmeister, verbucht seit Jahren Rekordsteuereinnahmen und muss sich doch jedes Jahr neu verschulden. Wenn es also nicht mal die Wirtschaftslokomotive schafft, in Rekordjahren ohne neue Schulden auszukommen oder sogar Schulden zu tilgen, wie sollen es dann jemals Japan, Griechenland, Italien oder Spanien schaffen?

Wenn ein grosses Land wie Japan, China, Italien oder Frankreich in Bankrott geht, eine Währung kollabiert oder eine grosse Bank Insolvenz anmeldet, dann lösen diese Ereignisse eine Kettenreaktion aus, die auch Menschen in anderen Regionen betreffen werden.

Entscheidungsträger aus Finanz und Wirtschaft halten beinahe fanatisch am Status quo fest.

Kurz gesagt: wir haben in die Vergangenheit geschaut. Jedem notwendigen Wandel ging eine Katastrophe voraus. Leider! Es besteht kein wirkungsvoller Plan B. Es wird knüppelhart werden. Das können wir uns gar nicht vorstellen.

Kommentar

Dem ist leider nicht viel hinzuzufügen. Wir haben derzeit mehrere sehr große Herausforderungen vor uns. Das schlimme dabei ist, dass es dabei auch noch wechselseitige Abhängigkeiten gibt. Sollte das europäische Blackout eintreten, wird wahrscheinlich in Folge auch das Finanzsystem crashen. Da niemand wirklich damit gerechnet hat bzw. aufgrund der enormen Schäden. Umgekehrt, sollte das Finanzsystem vorher crashen, wird wie 2008 die Wirtschaftsleistung weiter zurückgehen und damit die Stromnachfrage sinken, was zu einer weiteren Erhöhung der Netzinstabilitäten führen wird, weil zu viel volatile Stromerzeugung im Netz ist. Und das sind nicht die einzigen Abhängigkeiten …