Schattenseiten und Chancen der Vernetzung

 

„Das Problem zu erkennen ist wichtiger, als die Lösung zu erkennen,
denn die genaue Darstellung des Problems führt zur Lösung.“
Albert Einstein

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Die technische Vernetzung führt zu vielen positiven Errungenschaften. Es gibt jedoch auch eine zweite Seite der Medaille, welche meist erst zeitverzögert in Erscheinung tritt. Oder, um es mit den Worten des Organisationspsychologen Peter Kruse auszudrücken: „Es ist relativ einfach eine vernetzte Welt zu schaffen, aber es ist bei Weitem nicht so einfach, mit den Wirkungen dieser vernetzten Welt angemessen umzugehen.“

Diese Webseite adressiert die Schattenseiten der Vernetzung sowie mögliche Lösungsansätze und Chancen speziell im Infrastruktursektor und beim Bevölkerungsschutz. Damit soll ein Beitrag zur Erhöhung der Achtsamkeit gegenüber den steigenden systemischen Risiken geleistet werden. Wir sind diesen nicht hilflos ausgeliefert. Durch den richtigen Umgang mit Komplexität und der Beachtung von Grundregeln, die ein lebensfähiges System beschreiben, ergeben sich ganz neue Chancen, die es für eine Weiterentwicklung zu nutzen gilt.

Outside the Box - Magazin Blackout 350

Klicken Sie auf das Bild, um zum Gespräch zu gelangen.

Herbert Saurugg – Experte für die Vorbereitung auf den Ausfall lebenswichtiger Infrastrukturen – bietet hierzu interessierten Organisationen seine Unterstützung in Form von Vorträgen, Prozessbegleitungen, Workshops und Forschungsbeiträgen an.

Seine aktuellen Schwergewichtsthemen sind:

 

Wenn etwas passiert, was völlig unvorstellbar scheint

Blackout

„Although the electric supply should never be interrupted, there is,
unfortunately, no collapse-free power system!
Untersuchungsbericht ENTSO-E, 2015

Wenn kein Licht, kein Handy, kein Internet, keine (Gas-, Fernwärme-, Öl-, Zentral-)Heizung, kein Bankomat, keine Tankstelle, keine Ampeln, keine Kassa und auch keine Straßenbahnen mehr funktioniert. Wenn Aufzüge einfach steckenbleiben, oder sogar das Wasser aufhört zu rinnen und damit auch keine Toilettenspülungen mehr funktionieren. Wenn Sie nicht mehr kochen können, dann ist etwas eingetreten, was viele für unmöglich halten: Unser tägliches Leben ist völlig von der Stromversorgung abhängig, ohne das uns das im Alltag Bewusst ist. Besonders hoch ist diese Abhängigkeit im dicht verbautem Raum. Und nicht nur das, auch die organisierte Hilfe ist nur mehr schwer erreichbar bzw. nur mehr eingeschränkt handlungsfähig. Spitäler haben zwar eine Notstromversorgung, aber nicht für alle Bereiche. Ganz abgesehen davon, dass eine Personalablöse nur schwierig zu organisieren sein wird. Auch die Treibstoffvorräte sind begrenzt. Und so sieht es auch in vielen anderen Bereichen aus. Wir rechnen nicht damit, dass wir auch einmal einige Zeit ohne gewohnter Versorgung und Infrastruktur auskommen müssen.

Die europäische Stromversorgung zählt zu den verlässlichsten der Welt. Dennoch steigt seit Jahren, von der Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet, die Wahrscheinlichkeit für ein solches Ereignis (siehe etwa die Risikoeinschätzungen von Behörden und Forschungseinrichtungen). Dafür gibt es unterschiedliche Gründe. Ein Blackout – ein plötzlicher, überregionaler und länger andauernder Strom- und Infrastrukturausfall – wird selten durch ein Einzelereignis ausgelöst. Internationale Erfahrungen zeigen, dass es meist zu einer Verkettung von an und für sich harmlosen Einzelereignissen kommt.

Darüber hinaus ist ein Blackout kein gewöhnlicher Stromausfall, den schon viele von uns erlebt haben. Bei diesem Szenario ist ein zeitgleicher Ausfall der Stromversorgung in weiten Teilen Europas zu erwarten. Dieser Ausfall passiert innerhalb weniger Sekunden und ohne jegliche Vorwarnung. Die vollständige Wiederherstellung der Stromversorgung kann Stunden, wenn nicht sogar Tage dauern. Aber nicht nur das, mit diesem Stromausfall fallen zeitnah auch so gut wie alle anderen stromabhängigen Infrastrukturen (Transport, Kommunikation, Versorgung, etc.) aus bzw. stehen nur mehr mit einer eingeschränkten Funktionalität zur Verfügung. Ein derart weitreichendes Ereignis können wir uns nicht vorstellen, da wir so etwas noch nicht erlebt haben. Aber – wären wir darauf vorbereitet?

Zum anderen gibt es kein System, das immer zu 100 Prozent sicher funktioniert. Schlimm ist nicht, dass etwas schief gehen kann, sondern wenn man diese Möglichkeit ausschließt und keine Rückfallebenen vorsieht. Daher erscheint es notwendig, sich mit diesem möglichen strategischen Schockereignis auseinanderzusetzen. Eine vorbereitete Gesellschaft kann ein solches Szenario wesentlich besser bewältigen. Der Schweizer Bevölkerungsschutz stellt dazu folgendes Sensibilisierungsvideo (http://youtu.be/NMWZwkv0qto) zur Verfügung:

Was kann ICH tun?

  • Wenn Sie wissen, dass ein solches Szenario eintreten kann und was das für Sie und Ihr Umfeld bedeuten könnte, dann haben Sie schon den ersten und wichtigsten Schritt getan.
  • Reden Sie mit Ihrer Familie, mit Freunden, mit Arbeitskollegen und auch mit anderen Menschen in Ihrem Umfeld über dieses Thema! Damit bekommen Sie neue Perspektiven.
  • Abonnieren Sie unseren Newsletter, um einmal pro Monat aktuelle Informationen zu erhalten.
  • Weitere Hinweise und Hilfestellungen, damit Sie im Anlassfall Ihre Handlungsfähigkeit erhalten und vielleicht auch anderen Helfen können:

Was kann ICH tunZusammenfassung (PDF)

Foto: Bernd Schwabe / Wikimedia

Erzählen Sie einfach davon weiter! 

Je mehr Menschen davon wissen und sich damit auseinandersetzen, desto einfacher werden wir mit einem derartige Ereignis umgehen können! Wir haben es selbst in der Hand, wie hart wir getroffen werden können.

 

Ein dezentralisiertes Energiezellensystem

zellenKurzfristig ist es notwendig, sich mit dem Thema „Blackout“ auseinandersetzen, da unser bisher sehr verlässliches Stromversorgungssystem zahlreiche Verwundbarkeiten aufweist, die ein solches Szenario sehr realistisch machen. Um diese Verwundbarkeiten mittel- bis langfristig zu senken und die Systemsicherheit zu erhöhen sind weitreichende Systemanpassungen erforderlich. Zum anderen ist die Enerigewende ein alternativloses Generationenprojekt, das aufgrund der sich ändernden Rahmenbedingungen (dezentrale, volatile Stromerzeugung) ebenfalls ein angepasstes dezentralisiertes Systemdesign erfordert. In der Natur hat sich evolutionär ein Zellensystem durchgesetzt, womit die Reichweite von Störungen begrenzt und eine Rückfallebene geschaffen werden kann. Daher macht es Sinn, diesen Designansatz auch in unseren technischen Systemen zu berücksichtigen. Mehr dazu unter Energiezellensystem.

 

Kooperationspartner

Die zivilgesellschaftliche Initiative „Plötzlich Blackout“ wurde mit Unterstützung
zahlreicher Kooperationspartner aus dem öffentlichen Leben durchgeführt.

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